Jörg Löwer Geschrieben am 16 Februar, 2015

Zur Tarifsituation des Staatsballetts Berlin

Die Künstlergewerkschaften Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) haben sich in einer gemeinsamen Presseerklärung zur Tarifsituation des Staatsballetts Berlin geäußert:

Kombo_GDBA_VdO

Die Künstlergewerkschaften GDBA und VdO haben gemeinsam mit der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) bereits im Dezember letzten Jahres für die künstlerisch Beschäftigten der Stiftung Oper in Berlin mit dem Deutschen Bühnenverein die Übernahme der Tarif-und Strukturanpassungen des Landes Berlin für die Jahre 2011 bis 2014 ausgehandelt. Dies geschah nach den Vorgaben eines bereits 2010 zwischen den genannten Parteien geschlossenen Tarifvertrages. Die Beschäftigten der Stiftung waren zuvor jahrelang von den Tarifanpassungen des Landes Berlin abgekoppelt und sollen mit diesem Ergebnis (insgesamt rund 14 % Anhebung der Vergütungen) nun wieder mit den an anderen Berliner Bühnen künstlerisch Beschäftigten gleichziehen. Die Texte der entsprechenden Tarifverträge für das künstlerische Personal sind mittlerweile abgestimmt; das Zustimmungsverfahren der zuständigen Gremien der Stiftung Oper in Berlin ist eingeleitet.

Zwischenzeitlich haben sich jedoch Irritationen und Verzögerungen bei der Umsetzung dieser Verhandlungsergebnisse für die Mitglieder des Staatsballetts Berlin ergeben. Diese sind durch die Geltendmachung von in dieser Form nicht umsetzbaren Forderungen der Gewerkschaft ver.di entstanden, die nach der bundesweit geltenden Abgrenzung zwischen dem allgemeinen Tarifrecht des öffentlichen Dienstes und dem Normalvertrag Bühne als spezieller Regelung für das künstlerische Personal nicht zuständig ist. Das hat u.a. zur Folge, dass die Umsetzung des Tarifabschlusses zur Anpassung der Vergütungen für die Beschäftigten des Staatballetts vom Arbeitgeber nun verweigert wird. Hierdurch werden den Tänzerinnen und Tänzern konkret bereits ausgehandelte Vergütungserhöhungen von rund 400,- Euro vorenthalten – Vergütungserhöhungen, die die finanziellen Forderungen der ver.di bereits überschreiten. Vor diesem Hintergrund jetzt „adäquate Vergütungen“ zu verlangen, erscheint mehr als scheinheilig.

Bundesweit verhandeln VdO und GDBA auf der Grundlage des Normalvertrags Bühne das geltende Tarifrecht für alle künstlerisch Beschäftigten der Theater und Opernhäuser – so auch für die Mitglieder der Tanzkompanien. Hierbei handelt es sich um ein – im weltweiten Vergleich beispielhaftes – Regelwerk, das speziell auf die Belange künstlerischer Theaterarbeit zugeschnitten ist.

Die erwähnten Forderungen sollen vorgeblich die Arbeitsbedingungen der Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts verbessern. Der wahre Hintergrund für diese Aktivität ist jedoch, in den Geltungsbereich der Künstlergewerkschaften vorzudringen, um unbequeme fachlich spezialisierte Konkurrenz – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des anstehenden Gesetzes zur Tarifeinheit – zu verdrängen. Dieser seit Jahren bestehende Konflikt soll nun in fragwürdiger und unverantwortlicher Weise stellvertretend auf dem Rücken der Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts ausgetragen werden. Zumal der Großteil der angestrebten Regelungen entweder durch den bestehenden Tarifvertrag bereits geregelt ist oder durch entsprechende Vereinbarung mit den zuständigen Mitarbeitervertretungen vor Ort geregelt werden kann.

Die Künstlergewerkschaften VdO und GDBA stehen für eine sachgerechte Entwicklung der tariflichen Rechte der Beschäftigten und gegen eine Instrumentalisierung von Tänzerinnen und Tänzern für gewerkschaftspolitische Schaukämpfe. Sobald die Irritationen beseitigt sind, wird die Vergütungsanpassung auch für die Mitglieder des Staatsballetts durchsetzbar sein.

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