Jörg Löwer Geschrieben am 12 Oktober, 2018

Zum Stand der Manteltarifverhandlungen

 

 

 

 

 

Die Künstlergewerkschaften GDBA und VdO sind derzeit dabei, weitere zentrale Forderungen für ArbeitnehmerInnen in Manteltarifverhandlungen mit dem Deutschen Bühnenverein als Arbeitgeberverband zu verhandeln.

Grundlage des Forderungskatalogs der GDBA sind Beschlüsse des Genossenschaftstages vom Mai 2017. Im Anschluss daran hatten GDBA und VdO den erfolgreichen Tarifabschluss im September 2017 verhandelt, der unter anderem Mindestvergütungen für Gastverträge, einen Nichtverlängerungsschutz für Schwangere und die Erhöhung der Mindestgage auf monatlich 2.000 Euro brachte. Die Manteltarifverhandlungen zwischen GDBA und VdO einerseits und Deutschem Bühnenverein andererseits starteten darauf in eine weitere Runde. Zusätzlich wurden gemeinsame Arbeitsgruppen für die Themenkomplexe Arbeitszeit und Nichtverlängerungsrecht eingerichtet. Die Gewerkschaften haben hier dringend notwendige Weiterentwicklungen gefordert. Der GDBA-Forderungskatalog im Überblick:

  • Ende der Tarifflucht im Tanz: Geltung der Mindestbedingungen der Sonderregelung (SR) Tanz auch für SolotänzerInnen.
  • Aufnahme von Transitionregelungen für TänzerInnen im NV Bühne.
  • Gleichstellung der Spartensprecher Solo und Bühnentechniker (BT) mit den Chor- und Tanzgruppenvorständen
  • 1 1/2 freie Tage für alle Berufsgruppen.
  • Keine Massenentlassungen bei Intendantenwechseln: strenger reglementierte Nichtverlängerungen sowie die Erhöhung der Beträge für Abfindungen, die bei Nichtverlängerungen aus Anlass von Intendantenwechseln gezahlt werden müssen.
  • Streichung der Regelungen über den Ausschluss von Tariferhöhungen in den SR Solo und BT.
  • Tägliche Anrechnung eines pauschalen Zeitraums für Vor- und Nachbereitungszeiten in der SR Solo auf die Gesamtarbeitszeit.
  • Verbindlichkeit des Wochenplans statt des Tagesplans.
  • Anhebung der Mindestgage auf den unteren Rahmenbetrag der Gagentabellen für Chor und Tanz.
  • Einführung von Tabellengagen für die SR BT.
  • Erweiterung des Nichtverlängerungsschutzes auf die Dauer von Elternzeit für Mütter und Väter.
  • Nichtverlängerungsschutz für FunktionsträgerInnen für die Dauer ihrer Amtszeit.
  • Probenfreie Tage unmittelbar nach einer Premiere.

Die Arbeitgeberseite zeigte sich seitdem in einigen Punkten verhandlungsbereit, so z. B. was tarifliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Missbrauchs der Sonderregelung Solo im Tanzbereich zulasten der Sonderregelung Tanz sowie Transitionregelungen für TänzerInnen betrifft. Auch für verbesserte Regelungen zu freien Tagen oder die Gleichstellung von Spartensprechern mit Gruppenvorständen scheinen Lösungen möglich.

Zwei Themenkomplexe in denen kein Fortschritt zu verzeichnen ist, sind hingegen die Bereiche Vergütung und Nichtverlängerungsrecht. Hier gilt es weiterhin dicke Bretter zu bohren. Ob diese essentiellen Forderungen der GDBA trotz aller Widerstände dennoch in nächster Zeit umgesetzt werden können, liegt an der Einsicht der Arbeitgeber, dass die erhebliche Verbesserung der Vergütungen der Theaterschaffenden und des Nichtverlängerungsrechts nicht durch taktische Manöver auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden dürfen.

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