Jörg Rowohlt Geschrieben am 25 April, 2014

Welttanztag 2014

Ludwig BarnayAm 29. April 2014 wird der Welttanztag weltweit mit Festen, Aufführungen und anderen Aktionen begangen. Das Tanzkomitee des Internationalen Theater Institutes (ITI der UNESCO) ruft diesen Tag seit 27 Jahren aus, um den Tanz zu feiern, ihn weltweit ins Bewusstsein zu bringen und ihn als grenzüberwindendes Medium zu würdigen. Die diesjährige Botschaft zum Welttanztag kommt von Mourad Merzouki – französischer Tänzer, Choreograf und Direktor des Centre chorégraphique national de Créteil und der Compagnie Käfig:

Jeder Künstler ist auf seine Arbeit stolz.

Jeder Künstler wird die Kunst verteidigen, die sein Leben völlig verändert hat.

© Michel Cavalca
© Michel Cavalca

Weil er in ihr etwas gesucht und etwas verloren hat, weil er den starken Wunsch hat, diese Kunst zu teilen. Sie ist das Echo einer Stimme, eine wieder gefundene Schrift, die Interpretation eines Textes, den er der Menschheit schenkt, eine Musik, ohne die unsere Welt verstummt, eine Bewegung, die die Pforten zur Anmut öffnet.

Ich empfinde für den Tanz nicht nur den Stolz des Tänzers und Choreografen, sondern auch eine tief empfundene Dankbarkeit. Der Tanz war mein Glück. Durch die Noblesse dieser Disziplin ist er meine ethische Richtschnur geworden. Durch den Tanz entdecke ich täglich die Welt neu.

Der Tanz ist wie nichts anderes zutiefst eins mit mir. Er schenkt mir täglich neue Kraft durch die ihm innewohnende Energie und Großzügigkeit. Seine Poesie gibt mir Sicherheit.

Kann ich sagen, dass ich ohne den Tanz nicht existieren würde? Ohne die Fähigkeit mich auszudrücken, die ich nur durch ihn erlangt habe? Ohne das Selbstvertrauen, meine Ängste zu überwinden und Sackgassen zu vermeiden, das ich erst durch ihn gefunden habe?

Durch den Tanz bin ich tief in die Schönheit und Komplexität dieser Welt eingetaucht. Ich bin Weltbürger geworden, der die Regeln bei jedem Aufeinandertreffen neu erfindet, aber den Werten der Hip-Hop-Kultur, die negative Energie in positive Kraft verwandelt, dabei treu bleibt.

Der Tanz ist für mich täglich ein Grund, stolz zu sein. Aber ich lebe diesen Stolz mit Besorgnis. Ich erkenne bei den Jugendlichen aus den Ghettos den Verlust von Orientierungspunkten, die Unmöglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen, was zu Frustration und Spannungen führt. Ich bin wie sie, wir alle sind wie sie. Bei mir ist nur, dank meines eigenen Beispiels, der Wunsch stärker, ihnen dabei zu helfen, ihr Leben lebenswerter zu gestalten.

Wird unsere Gesellschaft nicht durch den Reichtum jedes einzelnen reicher?

Die Kultur verbindet, mehr als viele Worte. Seien Sie mutig, gehen Sie Risiken ein, denn trotz aller Hindernisse und Missgunst, die Sie sicherlich erfahren werden, wird immer die Schönheit an Ihrer Seite stehen. So wie der Tanz bei mir. Mit dieser unglaublichen Kraft, die soziale Unterschiede oder unsere unterschiedliche Herkunft verschwinden lässt, so dass am Ende nur die Bewegung der Körper in ihrer ursprünglichen Menschlichkeit, nur die Menschen in ihrem ursprünglichsten, einzigartigen und gemeinsamen Ausdruck bleiben.

Ich möchte mit einem Zitat von René Char schließen, das mich jeden Tag daran erinnert, dass niemand uns in einer vorgegebenen Rolle einsperren darf.

„Zwing deine Chance auf, schnüre dein Glück und geh auf dein Wagnis zu. Auf dich zu blicken, bald sind SIE es gewohnt.“

Also versucht es. Irrt euch und fangt wieder von vorne an, aber vor allem: tanzt, hört niemals auf zu tanzen!

 

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