Jörg Löwer Geschrieben am 11 Juni, 2015

Weltkonferenz der darstellenden Künste der FIA in Dublin

In der irischen Hauptstadt Dublin fand vom 4. bis 6. Juni 2015 die zweite World Live Performance Conference statt, die der internationale Verband der Darstellergewerkschaften FIA organisiert hatte. Für die GDBA nahmen Präsident Jörg Löwer, Generalsekretärin Christine Stein sowie der Vorsitzende der Berufsgruppe Tanz, Tobias Ehinger, teil. Die dreitägige internationale Konferenz diente der Identifizierung der wichtigsten globalen Herausforderungen für den Bereich der darstellenden Künste und möglicher Gewerkschaftsstrategien, um auf sie zu reagieren. Im Vorfeld der Konferenz wurde anhand einer weltweiten Umfrage ein Report über die globale Lage der darstellenden Künste erstellt.

Der Veranstaltungsort: Liberty Hall, Dublin (links).
Foto: Gerrit Wedel

Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft des irischen Präsidenten Michel D. Higgins, der als Schriftsteller und ehemaliger Kulturminister weiß, wovon er spricht – er war bei der Sitzung anwesend und hielt eine bemerkenswerte Rede, in der er menschenwürdige Arbeitsbedingungen für DarstellerInnen und deren Recht einforderte „zu wissen, dass ihre Rolle und ihr Beitrag zur Gesellschaft verstanden und respektiert“ wird. Es gelte, unmissverständlich daran zu erinnern, dass der kulturelle Raum größer ist als jeder wirtschaftliche Raum. Zudem bräuchten die Menschen in Zeiten wirtschaftlicher Krisen öffentliche Kulturangebote, damit nicht neben den Auswirkungen der Arbeitslosigkeit noch kulturelle Defizite die Gesellschaft zusätzlich belasten.

Der irische Präsident während seiner Rede.
Foto: Jörg Löwer

Die Delegierten der Konferenz beschäftigten sich unter anderem mit Diversität in der Bühnenpraxis, finanziellen Entwicklungen, Gesundheits- und Sicherheitsaspekten, internationaler Mobilität, Strukturen sich verändernder Beschäftigungsformen und damit einhergehender Beeinträchtigung grundlegender Arbeitnehmerrechte, steigendem Druck im Bereich der darstellenden Künste, weniger traditionellen Formen der Kunstproduktion und der Frage, wie Gewerkschaften bessere Arbeitsbedingungen in Bereichen abseits großer Nationaltheater oder Opernhäuser durchsetzen können.

„Die weltweite Bedeutung von Diversität auf den Bühnen“ war Thema einer Podiumsdiskussion, an der neben Jörg Löwer von der GDBA auch Deena Aziz, Schauspielerin der Canadian Actors‘ Equity Association (CAEA), Agnete Haaland, ehemalige Präsidentin der FIA und inzwischen künstlerische Leiterin am Nationaltheater im norwegischen Bergen und Christine Toy Johnson, Schauspielerin der amerikanischen Actors‘ Equity Association (AEA), teilnahmen – moderiert wurde die Diskussion von dem bekannten australischen Schauspieler Simon Burke, Vize-Präsident der FIA und Mitglied der Media, Entertainment and Arts Alliance (MEAA).
Die Kraft des Theaters habe immer darin bestanden, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und die Welt zu reflektieren – wie sie ist oder wie wir sie gerne hätten. Dazu gehört zweifellos eine größere Vielfalt: Mehr globale Diversität hat das Potenzial, Verständnis für unsere Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu wecken, was nicht zuletzt Auswirkungen auf die eigene und die Fremdwahrnehmung hat. Dem stehen allerdings immer noch Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung, Alter oder Behinderung entgegen. Davon sind auch die Beschäftigungsmöglichkeiten der KünstlerInnen betroffen. Woraus sich für die TeilnehmerInnen die Frage ergab, welche umsetzbaren Lösungen Individuen, Gewerkschaften oder die FIA beitragen können.

Podiumsdiskussion zu Diversität in der darstellenden Kunst. Foto: Gerrit Wedel

„Sicherheit tut niemandem weh“ war das Motto einer weiteren Podiumsdiskussion, an der für die GDBA Tobias Ehinger, Vorsitzender der Berufsgruppe Tanz und Manager des Balletts Dortmund, teilnahm. Mit ihm auf dem Podium saßen der spanische Soziologe Juvenal Garcia, Matina Magkou aus Griechenland, der Stage Manager Ira Mont aus den USA (AEA), der stellvertretende Generaldirektor des Russischen Nationalzirkus, Grigory Ostrovskiy, sowie Magdalena Rodrigues, Präsidentin der SATED/MG aus Brasilien. Moderiert wurde die Diskussion von Arden Ryshpan, Geschäftsführer der CAEA.
Theater können gefährliche Orte sein. Die Vielzahl der Geräte, Werkzeuge und Chemikalien sowie nicht zuletzt die Menschen stellen unter Umständen Bedrohungen dar – angesichts der Art der Bühnenarbeit müssen DarstellerInnen und RegisseurInnen den Gesundheitsproblemen rechtzeitig begegnen, die etwa bei unsicheren Bühnenaufbauten, Tanz auf Schrägen oder der Arbeit mit Tieren auftreten können, um nur einige zu nennen.
Jedes Risiko muss angemessen bewertet werden, um Unfälle zu vermeiden und um die Gesundheit der KünstlerInnen zu schützen. Prävention sollte immer von größter Bedeutung sein. Die TeilnehmerInnen erklärten, was Gewerkschaften tun können, um individuelle Sicherheit zu gewährleisten und Bedenken anzusprechen.

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Podiumsdiskussion zur Arbeitssicherheit.
Foto: Jörg Löwer

Die TeilnehmerInnen stimmten nach drei Tagen überein, dass es nicht wieder 16 Jahre dauern dürfe, bis eine solche Weltkonferenz veranstaltet wird.

Das weitere Programm finden Sie hier.

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