Jörg Löwer Geschrieben am 21 Juni, 2012

Volkstheater Rostock: Bürgerschaft beschließt Neubau bis 2018

Die Rostocker Bürgerschaft hat nach Medienberichten (hier die Ostsee-Zeitung und hier der NDR) am Mittwoch mit großer Mehrheit den Entwurf für den Bau eines neuen Theatergebäudes genehmigt. Das Gebäude soll bis 2018 fertig sein und auf 12.400 Quadratmeter Fläche zwei Bühnen für 800 und 320 Plätze beinhalten. Laut Verwaltungschef Stefan Rosinski werden sich die Kosten auf 56 Millionen Euro belaufen. Unklarheit herrscht nach wie vor über den Standort des Theaters, drei Flächen in der Stadt sind in der Diskussion.

Der Verwaltungschef äußert sich auf der Internetseite des Volkstheaters zu seinem Konzept:

„Hiermit wird das Konzept für einen Neubau vorgelegt, das den Anspruch hat, in realistischer Weise die Grundlage für den Betrieb eines mittelgroßen Stadttheaters darzustellen. (…) Der Weg zur Eröffnung eines neuen Theaters für Rostock erscheint lang, doch ist er jetzt ein Stück kürzer geworden.
Hiermit legen wir einen Wegweiser vor, der die Richtung anzeigt, die man erfolgreich nehmen kann. (…) Mit einem solchen Projekt geht es um Imagegewinn: nicht nur für das Volkstheater, sondern für die ganze Stadt als zukunftsfähige Regiopole und wachstumsstärkster Ballungsraum in Mecklenburg-Vorpommern. (…)“

Hier gibt es das Konzept als PDF.

Die Grüne-Fraktion kritisierte, dass die Finanzierung des Hauses nicht gesichert sei. Schon in der Vergangenheit hätten sich Großprojekte in Rostock nicht refinanziert.

Das Große Haus war Ende Februar 2011 wegen erheblicher Mängel beim Brandschutz geschlossen worden (wir berichteten hier in unserem Blog). Das ursprüngliche Theatergebäude wurde Ende April 1942 bei einem Bombenangriff zerstört und man musste sich seitdem mit einem umgebauten Provisorium als Hauptspielstätte begnügen. Dieses Provisorium soll mit Beginn der neuen Spielzeit im Herbst wieder zur Verfügung stehen.

Es bleibt zu hoffen, dass es das Volkstheater Rostock als Repertoiretheater noch gibt, wenn das neue Haus fertiggestellt ist. Während des Wahlkampfes zur Oberbürgermeisterwahl hatte sich Roland Methling für den Neubau ausgesprochen. Nach seiner Wiederwahl forderte er drastische Einsparungen von aktuell 17,5 Millionen auf 12 bis 14 Millionen Jahreszuschuss bis 2020. Zudem schreibt das Finanzausgleichsgesetz (FAG) die Landesförderung (seit 1994 und bis 2020) auf die jährliche Summe von 35,8 Mio. EURO fest, was faktisch mindestens eine Halbierung ist. Der Neubau droht zu einer leeren Hülle ohne Ensemble zu werden.

Schon jetzt belasten die sanierungsbedingten provisorischen Arbeitsbedingungen und die durch fortdauernde Einsparungen ausgedünnte Personaldecke die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so sehr, dass der Krankenstand laut Personalrat Nils Pille so hoch sei wie nie. Sanierung und Krankenstand haben zu zahlreichen Ausfällen von Vorstellungen und damit Einnahmen geführt (mehr hier und hier auf den Seiten des NDR).

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