Jörg Rowohlt Geschrieben am 1 Dezember, 2016

Verwaltungsrat der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen beschließt Neuerungen

Ludwig BarnayDer Abteilungsleiter Bühnen- und Orchesterversorgung bei der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, Peter Rammert, hat die Beschlüsse der diesjährigen Tagung des Verwaltungsrats der VddB zusammengefasst:

Der Verwaltungsrat der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen traf sich am 28. Oktober 2016 in München zur regulären Jahressitzung. Neben den üblichen Tagesordnungspunkten wie der Abnahme des Jahresabschlusses für das vorangegangene Geschäftsjahr (2015), den Berichten über die versicherungstechnische Lage und die Kapitalanlagen, der Wirtschaftsplanung und der Dynamisierung von Teilen der Anwartschaften und Renten standen diesmal anstaltspolitische Fragen wie das Mindestalter für die Tänzerabfindung sowie die freiwillige Versicherung für Theaterkünstler der freien Szene und für selbständig bei Mitgliedstheatern tätige Bühnenkünstler im Vordergrund.

Vor der Abnahme des Jahresabschlusses und des Lageberichts nahm der Verwaltungsrat die Berichte über diese, über die versicherungstechnische Lage und die Wirtschaftsprüfung entgegen. Trotz der bereits seit Jahren herrschenden schwierigen Situation auf dem Kapitalmarkt wurde auch im vorangegangene Geschäftsjahr 2015 die für die Zahlung der laufenden Renten benötigte Verzinsung übertroffen (Nettoverzinsung 3,75 %), so dass die Renten aus den laufenden Einnahmen gezahlt und noch – geringe – Überschüsse erzielt werden konnten. Sie wurden – wie schon in den Vorjahren – im Wesentlichen zu gleichen Teilen zur Finanzierung der aufgrund der steigenden Lebenserwartung verlängerten Rentenlaufzeiten verwendet und den Reserven zugeführt. Deren weitere Erhöhung ist vor dem Hintergrund der schwierigen Situation auf dem Kapitalmarkt mit ihrer auf nicht absehbare Zeit extrem niedrigen Verzinsung für Neuanlagen bei festverzinslichen Wertpapieren für die künftige Sicherheit der Versorgungsleistungen von erheblicher Bedeutung. Aufgrund dieser seit Jahren betriebenen Vorsorgepolitik steht die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen mit ihren mittlerweile in erheblicher Höhe gebildeten Reserven auch bei schlechten Renditeerwartungen auf solider Grundlage. (Der gesamte Geschäftsbericht ist im Internet unter www.versorgungskammer.de, Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, VddB im Überblick, Geschäftsdaten, einsehbar und wird auf Wunsch von der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, Anschrift: Postfach 81 08 51, 81901 München auch gerne als Druckausgabe übersandt.)

Anschließend berichteten die dafür zuständigen Vertreter der Bayerischen Versorgungskammer über die angesichts der schwierigen Lage auf dem Kapitalmarkt durchaus zufriedenstellende Entwicklung der Kapitalanlagen im laufenden Jahr 2016. Wie schon in den Vorjahren galt dabei die besondere Aufmerksamkeit den zunehmend gewichtiger werdenden Fondsanlagen und den Immobilien. Ein spezielles Kapitel war dieses Jahr dem Thema Nachhaltigkeit der Kapitalanlagen gewidmet, die der Versorgungskammer ein besonderes Anliegen ist. Sie hat als erster Altersversorger in Deutschland die UN-Prinzipien für verantwortungsvolles Investment (PRI) unterzeichnet und nimmt im Dialog mit allen Geschäftspartnern maximalen Einfluss in allen Anlagebereichen, um ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im Sinn der PRI-Richtlinien zu gewährleisten. (Nähere Informationen hierzu enthält die „Nachhaltigkeitsbroschüre“, die im Internet unter www.versorgungskammer.de, Broschüren und Flyer, einsehbar ist.)

Neben der ebenfalls der Nachhaltigkeit geschuldeten Verwendung der Überschüsse für die weitere Stärkung der Reserven beschloss der Verwaltungsrat einen Teil davon zu verwenden, um wie in den Vorjahren die Anwartschaften, die auf seit 2011 entrichteten Beiträgen beruhen, und entsprechende Rentenanteile um 1,25 % zu dynamisieren und sie damit an das höhere Niveau der von 2006 bis 2010 erworbenen Anwartschaften anzugleichen.

Breiten Raum nahm die Diskussion über die Mindestaltersgrenze für die Inanspruchnahme der Tänzerabfindung ein. Da Tänzerinnen und Tänzer aufgrund der besonderen Beanspruchung in ihrem Beruf diesen nur bis zu einem gewissen Alter ausüben können, sieht die Satzung für sie unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit der Rückzahlung aller eingezahlten Beiträge zuzüglich einer Verzinsung vor. Bei der Reform dieser Regelung, die seit dem 1. September 2016 in Kraft ist, wurde eine Mindestaltersgrenze von 35 eingeführt, d. h. die Abfindung kann nur erhalten, wer den Tänzerberuf nach der Vollendung des 35. Lebensjahres endgültig aufgibt. Da in der Praxis viele Tänzerinnen und Tänzer voraussichtlich zu einer früheren Berufsaufgabe gezwungen sind, haben sich die Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat für eine Aufhebung der Mindestaltersgrenze ausgesprochen. Dem hielt die Arbeitgeberseite die bisher fehlende praktische Erprobung dieser noch neuen Regelung entgegen, war aber bereit, die Altersgrenze auf 32 zu senken. Die weitere Entwicklung soll beobachtet, sodann über mögliche weitere Absenkungen gesprochen werden.

Außerdem hat der Verwaltungsrat – nach intensiver Diskussion in den beiden Vorjahren – beschlossen, durch entsprechende Regelungen in der Satzung den Bühnenkünstlern der freien Theaterszene die freiwillige Versicherung bei der Versorgungsanstalt zu ermöglichen, wenn sie ihren Beruf nachhaltig ausüben, d. h. die Voraussetzungen für eine Versicherung in der Künstlersozialkasse erfüllen. Näheres kann im Internet auf der o.g. Homepage nachgelesen werden. Dies gilt ebenso für Bühnenkünstler, die an festen Theatern, die bei der Bühnenversorgung Mitglied sind, selbständig arbeiten und deshalb bisher bei der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen nicht versichert sind.

Die Sitzung endete einvernehmlich mit der zustimmenden Kenntnisnahme des üblichen Berichts des Vorsitzenden aus der Verwaltung und dem Kammerrat und der Planzahlen 2017.

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