Jörg Löwer Geschrieben am 18 Januar, 2012

Urheberrecht, Digitalisierung, Netz-Streik – und was das mit Theater zu tun hat

Theaterschaffende Künstlerinnen und Künstler scheinen zunächst einmal relativ wenig von den aktuellen Streitereien um das Urheberrecht und die Digitalisierung von kreativen Inhalten betroffen zu sein. Allerdings beinhaltet schon der NV Bühne umfangreiche Regelungen für Veranstaltungen für Funkzwecke oder Ton-, Bild-, bzw. Bildtonträger. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind an CD-Aufnahmen beteiligt, Theateraufführungen werden vermehrt in Kinosäle übertragen und Schauspieler parallel in TV- oder Kinoproduktionen beschäftigt. Theaterschaffende spielen also auch eine wesentliche Rolle für den Erfolg von audiovisuellen Produktionen in und außerhalb der EU.

Eine Vielzahl von neuen Technologien und Vertriebsplattformen ermöglichen die breite Lieferung von kreativen Inhalten an Verbraucher weltweit und neue Geschäftsmodelle führen zu einem steigenden Appetit auf Filme und andere (auch theatralische) audiovisuelle Produktionen, die on demand zur Verfügung gestellt werden (sollen). Darstellerinnen und Darsteller sowie andere theaternahe Berufe (z.B. Regie, Requisite, Kostümbild) stehen im Mittelpunkt dieser Entwicklungen und sind ein wesentlicher Motor des Wandels.

Und trotz dieser Tatsachen leben viele in prekären Verhältnissen und erhalten nur einen totalen Buy-out von ihren Rechten. Selten haben sie laufende Einnahmen aus der Verwertung ihrer Arbeit, was besonders für die Internetwelt gilt, wo ihre Leistungen auf mehreren Plattformen on demand zur Verfügung gestellt werden und oft lange Zeit für Erträge sorgen.

Die GDBA ist über die Mitgliedschaft in der EuroFIA (die europäische Gruppe der International Federation of Actors (EuroFIA) vertritt zahlreiche Gewerkschaften, Innungen und Berufsverbände der ausübenden Künstler/innen) mit diesen Fragestellungen befasst – mit einem speziellen Fokus auf die Lizenzierung von Inhalten und die Vergütung der ausübenden Künstler/innen. Wesentliche Fragestellungen sind:

  • Ermöglichung und Wachstum neuer Geschäftsmodelle;
  • größere Rechtssicherheit für Verbraucher;
  • vielfältige Inhalte;
  • eine flexible Preisgestaltung.

Aber eben auch:

  • die vollumfängliche Anerkennung des kreativen Beitrags der ausübenden Künstler/innen

und dadurch

  • die Ermöglichung eines ausreichenden Arbeitseinkommens.

Produktpiraterie ist eine Bedrohung für die Lebensfähigkeit sowohl der Produzenten als auch der ausübenden Künstler/innen.

Akteure dieser Auseinandersetzung sind weltweit agierende Internetkonzerne, die (unbestimmte) Gruppe von (internetaffinen und jungen) Nutzern mit zum Teil radikalen Forderungen nach offenem/kostenlosem Zugang zu allen Inhalten, die Wissenschaft mit ihrem Wunsch nach einfachem Austausch von Forschungsergebnissen und Kunstschaffende mit ihrem berechtigten Anspruch, vom eigenen Schaffen leben zu können.

Aktuell führen in den USA die beiden Gesetzesvorhaben Sopa und Pipa, die wesentlich von der International Intellectual Property Alliance (IIAP) – einem Zusammenschluss von Verbänden wie z.B. der Recording Industry Association of America (RIAA), der Motion Picture Association of America (MPAA) und der Entertainment Software Association (ESA) – propagiert werden, zu einem Netz-Streik. So wird das englischsprachige Angebot von Wikipedia heute für 24 Stunden abgeschaltet. Beide Gesetzesentwürfe sollen helfen, den Missbrauch urheberrechtlich geschützter Inhalte im Netz zu bekämpfen. Kritiker befürchten allerdings, dass beide Gesetze die Zensur des Internets durch die US-Regierung und die Branchenverbänden der US-Unterhaltungsindustrie ermöglichen, da sie weitreichende Internetsperren ohne unabhängige Kontrollen vorsehen.

Die Materie wird zukünftig nicht unkomplizierter werden. In Deutschland haben zuletzt Vorschläge der Grünen und der Piraten unter Kulturschaffenden für Aufregung gesorgt, da diese Vorschläge sich deutlich auf die Seite der Nutzer mit ihrem Wunsch nach kostenloser Zuverfügungstellung von Inhalten gestellt haben.

Und um nicht zu theoretisch zu werden: Der Rapper Sido hat sich in einem Video gegen illegale Downloads positioniert.

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