Jörg Löwer Geschrieben am 5 Juli, 2011

Theater Bonn: Offener Brief an Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch

Nachdem Generalintendant Klaus Weise erklärt hatte, aufgrund der weiterhin durch die Stadt Bonn beabsichtigten Einsparungen von 3,5 Millionen Euro nicht mehr für eine Vertragsverlängerung über die Spielzeit 2012/13 zur Verfügung zu stehen (nachzulesen hier auf Kultur-in-Bonn), hat Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch reagiert. In einer auf der städtischen Homepage veröffentlichten Mitteilung spricht er von „eigenen Anstrengungen“, die das Theater unternehmen solle und von „Bemühungen um Sponsoring“, die an anderen Stellen wie dem Beethovenfest längst üblich seien (nachzulesen hier auf nachtkritik.de). Diese Aussagen sind höchst fahrlässig, denn Oberbürgermeister Nimptsch vergleicht ein für Sponsoren attraktives jährliches Event mit einer dauerhaften Einrichtung der kulturellen Grundversorgung. Wir haben in diesem Blog bereits ähnliche Argumentationsansätze kritisiert (nachzulesen hier) und auch über deren Widerlegung durch eine actori-Studie berichtet.

Der Landesverband NRW der GDBA hat sich nun erneut in einem offenen Brief an den Bürgermeister gewandt:

Bonn verliert sich in kultureller Bedeutungslosigkeit

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

die Hemmungslosigkeit, mit der in Bonn Kulturpolitik betrieben wird, lässt uns aus dem Staunen nicht herauskommen! Die radikalen Entscheidungen gegen das Theater in den letzten Jahren sind beispiellos in Deutschland. Keinem anderen Bereich der Stadt wurden in den letzten zehn Jahren so massive Einsparungen zugemutet! Und das in einer Stadt, die im Krisenjahr 2010 als einzige Stadt in NRW ein Wirtschaftswachstum erreicht hat.

Falsche politische Entscheidungen führten in Bonn zu unnötigen Ausgaben, für die das Theater jetzt büßen muss. Auf Grund größenwahnsinniger Projekte werden das Theater, die Stadt und deren Bürgerinnen und Bürger ihrer kulturellen Zukunft beraubt.

Wozu wird eine Internet-Bürger-Befragung, an der sich wesentlich mehr Menschen beteiligt haben als in anderen Städten, durchgeführt, wenn der Wille der Bürgerinnen und Bürger anschließend nicht respektiert wird?

Was haben Sie für ein Demokratie-Verständnis?

Sie hatten wohl gehofft, dass die Bürgerinnen und Bürger gegen die Kultur stimmen würden. Sie haben sich scheinbar geirrt! Das Bedürfnis nach Kultur ist bei der Bevölkerung viel höher, als bei Ihnen! Das Verhalten der Bonnerinnen und Bonner bezüglich der Konsumierung von Kultur belegt dies!

Die andauernden Spardebatten schädigen das Bonner Theater auch überregional massiv, so dass seine Stellung im nationalen Theaterranking schon jetzt als unattraktiv bewertet wird. Die zu erwartende Abwanderung wichtiger Mitarbeiter wird einen Qualitätsverlust zur Folge haben. Dieser Abstieg sollte angesichts der Sonderstellung Bonns als Festival-, Wissenschafts- und Kongressstadt unbedingt verhindert werden.

Der Widerstand gegen falsche Politik wird nicht nur in anderen Ländern wahrgenommen, auch bei uns in Deutschland ist die Bevölkerung nicht mehr bereit Entscheidungen, die gegen sie selbst getroffen werden, hinzunehmen.

Mit Ihrer Unzuverlässigkeit nehmen Sie dem Land die Motivation, den Landeszuschuss für die Theater zu erhöhen.

Das Theater – der Ort der Aufklärung – wird sein Publikum über die Gefahr von weiteren Spartenschließungen aufklären und über Ihre unverantwortlichen Kürzungsabsichten informieren. Sie werden das Theater nicht leichfertig beschädigen können, ohne einem massiven Widerstand zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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