Jörg Löwer Geschrieben am 15 Juli, 2010

THEATER: Betrugsskandal in Göttingen, Abrechnung in Schleswig-Holstein, Aufräumen in Vorpommern, Entwarnung in Moers, Gespräche in Dessau, kein Stück in Essen…..und mehr!

Ludwig BarnayNach WM-Fieber, während Hitze-Welle und vor nächster Krise hätte man dem Theater liebend gern ein Sommerloch gegönnt – zumindest jenseits der Festivalbühnen. Wie der Gebrauch des Konjunktiv andeutet, hier die momentanen Sommerloch-Killer:

Das Junge Theater in Göttingen hat am Freitag, 9. Juli, Insolvenz beantragt. Hintergrund ist ein betriebsinterner Betrugsskandal. Die Staatsanwaltschaft hat wegen Verdachts der Untreue Ermittlungen eingeleitet. Eine Verwaltungsangestellte soll über Jahre Gelder unterschlagen haben, bis hin zur Fälschung nicht existierender Bilanzen eines Wirtschaftsprüfers. Aufgeflogen war der Skandal durch ausbleibende Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter.

„JT fehlen bis zu 300 000 Euro“
aus dem Göttinger Tageblatt
„Insolvenz angemeldet – jetzt startet die Spurensuche“
ebenfalls Göttinger Tageblatt
„Buchhalterin soll 300 000 Euro veruntreut haben: Junges Theater muss vorläufige Insolvenz beantragen“
aus der HNA
„Junges Theater insolvent“
aus dem Portal Monsters of Goettingen

Über die Nöte des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters wurde in diesem Blog schon mehrfach berichtet (mehr hier). Der scheidende Intendant Michael Grosse hat jetzt mit der Kulturpolitik des Landes abgerechnet. Wie die Kieler Nachrichten berichten, kritisiere Grosse, dass Träger wie Kommunen und Kreise hinter dem Landestheater stehen und bereit seien, Zuschüsse zu erhöhen, sich das Land aber seiner Verantwortung entziehe.

„Intendant Grosse rechnet mit Kulturpolitik ab“
aus den Kieler Nachrichten

Auch über die Streichlisten in Dessau, die das Theater bedrohen, ist hier geschrieben worden. Ein Artikel in der Frankfurter Rundschau bezeichnet das Anhaltinische Theater Dessau jetzt als einen der wenigen guten Gründen, die A9 in Richtung Dessau zu verlassen“. Der Artikel berichtet über die groß angelegten Krisengespräche, in die neben dem Intendanten André Bücker und dem parteilosen Dessauer Oberbürgermeister Klemens Koschig prominente Unterstützer wie der Vorsitzende der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins, Holk Freytag,  die Amtskollegen Tobias Wellemeyeraus (Potsdam), Sewan Latchinian (Senftenberg) und Ulrich Khuon (Berlin) involviert waren.

„Sein oder Nichtsein“
aus der Frankfurter Rundschau

Am Theater Vorpommern gibt es nach der Abberufung des Intendanten und des Kaufmännischen Direktors  eine neue Geschäftsführung. Diese hat sogleich einen Konsolidierungskurs angekündigt, der u.a. Spielplankürzungen und den Verzicht auf Gastdarsteller vorsieht. Für freischaffende Darsteller/innen bedeutet dies leider einen weiteren Verlust an Arbeitsmöglichkeiten in einer ohnehin schwierigen Gesamtlage. Und auch die Vielzahl der involvierten politischen Entscheider macht die „Aufräumarbeiten“ nicht leichter.

„Theater Vorpommern: Rügen denkt über Ausstieg nach“
aus der Ostsee-Zeitung
„Theater Stralsund setzt auf eigene Kräfte“
ebenfalls Ostsee-Zeitung
„Geheimnisverrat? Politiker soll Theater-Aufsichtsrat verlassen“
auch Ostsee-Zeitung

Über das Ende des Colosseum-Theaters in Essen wurden Freischaffende hier ebenfalls informiert. Die Stage Entertainment hat nun angekündigt, dass das  Colosseum nach dem letzten Vorhang für „Buddy! The Buddy Holly Story“ am 31. Juli nicht mehr mit eigenen Musicalproduktionen bespielt wird. Dies bedeutet für rund 100 Mitarbeiter nach Stage-Angaben den Verlust des Arbeitsplatzes.

„Noch keine Lösung für das Colosseum-Theater“
aus Der Westen

Aber auch Positives gibt es zu vermelden. Die Existenz des neben anderen Bühnen in NRW gefährdeten Schlosstheaters Moers ist bis 2015 gesichert. Dies teilt das Theater auf seiner Homepage mit: „Der Stadtrat folgte in seinem Haushaltssicherungskonzept dem Konsolidierungskonzept des geschäftsführenden Intendanten Ulrich Greb, das zwar Einschnitte bedeutet – aber nicht in dem existenzbedrohenden Maß, wie der ursprüngliche Plan des Stadtkämmerers es vorsah.“

Also ein versöhnlicher Abschluss. Hoffentlich folgen diesem Beispiel weitere, damit auch zukünftig die Worte von Katja Ebstein Gültigkeit haben:

Wir Theaterschaffenden wollen ja schließlich nicht, dass man über uns so denkt, wie die Olsen-Bande:

Die GDBA wünscht schöne Theaterferien und einen genussvollen Sommer………

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