Jörg Rowohlt Geschrieben am 8 April, 2016

Theater Augsburg: Theatergegner, die nicht so heißen wollen

Barnay, Gründer der GDBAWas anderswo Wunschdenken wäre, darüber wird im schwäbischen Augsburg gestritten. Nun gibt es gar ein Bürgerbegehren: Ob die Stadt über 100 Millionen Zuschuss des Freistaats Bayern für die Sanierung des Theaters haben möchte oder vielleicht lieber doch nicht.

Zugespitzt ist diese Frage nur ein ganz klein wenig – im Kern geht es wie immer und überall darum, was das kulturelle Angebot vor Ort dem Bürger wert ist und wofür das Geld ausgegeben werden soll.

Am Anfang stand die Sanierungsbedürftigkeit des Großen Hauses des Theaters Augsburg. Feuer- und baupolizeilich ist der Bau fragil, gegenwärtig gibt es für jede Veranstaltung hohe Auflagen der Behörden. Der Kulturreferent erklärt, die Brandschützer hätten den weiteren Betrieb überhaupt nur mit Blick auf eine Sanierung genehmigt. Kostenpunkt einer solchen: 189 Millionen Euro inklusive eines neuen Verwaltungsgebäudes und einer zweiten Spielstätte. Der Augsburger Stadtrat hat mit großer Mehrheit im März 2015 entsprechend beschlossen und in München eine Beteiligung des Freistaats von immerhin 107 Millionen Euro herausverhandelt.

Trotzdem gab es von Anfang an Protest gegen die Sanierung des Theaters, und zwar nicht von den üblichen querulatorischen angeblich anti-elitären Kulturgegnern, sondern von sechs Bürgern, die schließlich eine Initiative namens „Initiative Kulturelle Stadtentwicklung Augsburg“ gründeten, die nach eigenem Bekunden aber keinesfalls als Theatergegner oder Theaterverhinderer gesehen werden wollen, auch wenn genau dies als Folge ihres Wirkens nicht auszuschließen sein könnte. Sprecher ist der Buchhändler Kurt Idrizovic. Ihre Kritik richtet sich vordergründig gegen die Finanzierung des städtischen Eigenanteils an den Sanierungskosten von 79 Millionen, die kreditfinanziert werden sollen – ein übliches Verfahren bei Investitionen aller Art. Bis 2039 würden jährliche Rückzahlungen von 3,85 Millionen Euro fällig.

Für einen Erfolg des Bürgerbegehrens reichen 11.000 Unterschriften aus, erst danach käme es zu einem regulären Bürgerentscheid. Die etwas nebulöse Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Augsburg die Sanierung des Theaters trotz angespannter Haushaltslage über Neuverschuldung finanziert?“ Sollten auch nur die 11.000 Unterschriften zusammenkommen, müssten alle Vorarbeiten für die Theater-Sanierung sofort gestoppt werden – auch der Zuschuss des Freistaats wäre hinfällig. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter bei einer Versammlung angespannt reagierten und über kreative Antworten auf das Bürgerbegehren nachdenken.

Schon seit Monaten sammelt die Initiative theatermodern Unterschriften für eine Sanierung.

Zu den Unterschriftenlisten geht es hier.

Die GDBA unterstützt deren Arbeit auf allen Organisationsebenen und ist auch vor Ort an den Aktivitäten beteiligt.

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