Jörg Rowohlt Geschrieben am 12 März, 2015

Studie: Kultur bringt Prosperität

Ludwig BarnayNeu sind die Erkenntnisse nicht gerade: Aber diesmal ist es das als marktliberal geltende Ifo-Institut in München, das eine Studie präsentiert, die einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Kultureinrichtungen belegt.

Professor Oliver Falck fasst das Ergebnis zusammen: „Der Mechanismus läuft so ab: Kultureinrichtungen ziehen mehr hochqualifizierte Mitarbeiter an, und deren höheres Einkommen strahlt auf die gesamte regionale Wirtschaft ab.“ Die erhobenen Zahlen, so der Professor, seien „ein wichtiges Argument für eine Subventionierung von kulturellen Einrichtungen“.

Um den Einfluss von Kultur auf die regionale Prosperität einschätzen zu können, suchten die Wissenschaftler Häuser, deren Existenz nicht vom heutigen Einkommensniveau bestimmt ist. Dabei kamen sie auf Opernhäuser, die bereits zur Barockzeit gegründet wurden. In der Tat stellte sich heraus, dass die Einkommen in den Städten, die solche Opernhäuser beherbergen, höher sind als in anderen vergleichbaren Städten ohne barocke Opern.

In einem nächsten Schritt rechneten die Forscher Freie und Reichsstädte, Hansestädte oder Universitätsstädte heraus – mit dem gleichen Ergebnis: Ausgaben für Kultur haben positive Einkommenseffekte für alle Beschäftigten in einer Region.

Einer der Mitautoren, Stephan Heblich, hat bereits 2010, damals als Mitarbeiter des Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik, eine ganz ähnliche Studie veröffentlicht („Das Phänomen der Oper – Kulturelle Angebote steigern Wirtschaftswachstum”). Wir hatten seinerzeit im GDBA-Blog darüber berichtet – ebenso wie über eine weitere Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig vom vergangenen Jahr. Sie belegte den finanziellen Effekt, den Investitionen indirekt in einer Region auslösen („Umwegrentabilität“).

All diese Studien hatten wir seinerzeit den Kulturpolitikern in Ländern und Kommungen zur Lektüre empfohlen. Offenbar ohne großen Erfolg: In Sonntagsreden wird weiterhin die Bedeutung der Kultur betont, wochentags folgen dann die Kürzungen.

Die Ifo-Studie findet sich im Internet unter http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2015/Q1/press_20150310_oper.html

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