Jörg Rowohlt Geschrieben am 8 Mai, 2014

Studie belegt: Kultur rechnet sich

Ludwig BarnayLeipzig: Oper und Theater bringen Geld in die Stadt

Eine Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK, Autoren: Prof. Dr. Rüdiger Wink; Laura Kirchner, Florian Koch, Daniel Speda) zur Umwegrentabilität der kulturellen Eigenbetriebe der Stadt belegt, dass Kultur auch Wirtschaftsfaktor ist, der mehr Geld in die Stadt bringt – Kürzungsdebatten sollte damit die Grundlage entzogen sein.

2011 drohte in Leipzig eine Finanzierungslücke im Kulturhaushalt und nach dem Gutachten eines Beratungsunternehmens wurde wie andernorts auch lebhaft darüber diskutiert, ob und wieviel Kultur sich die Stadt leisten wolle, ob es Fusionen geben oder gar eines der Häuser geschlossen werden müsse.

Weil Politiker zwar in Sonntagsreden immer wieder die immaterielle Bedeutung von Kultur betonen, wochentags aber trotzdem die Zuschüsse kürzen, gab die Stadt Leipzig bei HTWK eine Studie in Auftrag, die klären sollte, welche wirtschaftliche Relevanz Oper, Schauspiel und Theater der Jungen Welt tatsächlich haben. Ergebnis: In allen denkbaren Szenarien bringen die Häuser mehr Geld in die Stadt als sie an Zuschüssen benötigen. Grund ist jeweils die Umwegrentabilität – gemeint ist der finanzielle Effekt, den Investitionen indirekt in einer Region auslösen. Je weiter ein Haus über die Stadt hinaus wirkt, umso größer ist dieser Effekt. Besucher und Touristen werden nach Leipzig gelockt, die – zusätzlich zum Eintrittsticket – Geld ausgeben: für die Straßenbahn, das Taxi, den Sekt im Foyer, das Parkticket im Parkhaus, den netten Abend danach in einem Restaurant oder auch das Hotel.

Die Zahlen im Einzelnen: Das Schauspiel Leipzig erwirtschaftet im optimistischen Szenario ein Ergebnis von 25,1 Millionen Euro, dem ein städtischer Zuschuss von 14,4 Millionen Euro gegenüber steht. Selbst unter pessimistischen Annahmen werden noch 14,7 Millionen Euro eingenommen. Statt einer Relation von 1,75 Euro je eingesetztem städtischen Euro gibt es nur eine Umwegrendite von 1,03 Euro.

Ähnlich bei der Oper, wo im optimistischen Szenarium 85 Millionen Euro zu Buche schlagen, im pessimistischen nur 42,9 Millionen Euro, die einem städtischen Zuschuss von 41,7 Millionen Euro gegenüber stehen. Mal kommt eine Relation von 2,04, mal eine von 1,03 Euro je eingesetztem Euro zustande.

Beim Theater der Jungen Welt lauten die beiden Szenarien 6,0 bzw. 3,8 Millionen Euro, die einem städtischen Zuschuss von 3,3 Millionen Euro gegenüber stehen.

Auch unter rein wirtschaftlichen Aspekten gilt also (und sicher nicht nur in Leipzig): Kultur rechnet sich. Finanzpolitiker sollten deshalb regelmäßig in die HTWK-Studie schauen.

Eine Kurzfassung der Studie gibt es hier als PDF.

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