Jörg Rowohlt Geschrieben am 12 August, 2015

Statistisches: Mehr Zuschauer, mehr Geld für Kultur

Ludwig BarnayDie Spielzeit 2013/2014 hat an den Kräfteverhältnissen nichts verändert – das Theater schlägt die 1. Fußballbundesliga wiederum deutlich, was die Zahl der Zuschauer angeht.

Nach der jüngst veröffentlichten Statistik des Deutschen Bühnenvereins haben insgesamt 35,5 Millionen Zuschauer die öffentlichen getragenen Theater, die Kulturorchester, Privattheater und Festivals besucht. Demgegenüber zogen die Fußballspiele 13,3 Millionen Fans in die Stadien. Vermutlich werden trotzdem auch künftig populistische Politiker das Theater und Konzert als elitäre Veranstaltung zu marginalisieren versuchen, die jedenfalls keine finanzielle Unterstützung brauchen.

Zurück zu den Zahlen: Trotz klammer Kommunalhaushalte und folglich schwieriger werdender politischer Rahmenbedingungen für die Theater stieg die Zahl der Besucher um 2,3 Prozent, allein bei den Stadt- und Staatstheatern sowie Landesbühnen gab es ein Plus von 380.000 Zuschauern. Schaut man sich die Sparten näher an, so liegen Tanz und Musical mit Steigerungen von 7,4 beziehungsweise 7,9 Prozent eindeutig vorn.
Nach den Zahlen des Bühnenvereins haben die öffentlich getragenen Theater und Orchester ihre Eigeneinnahmen um 5,8 Prozent verbessern können und die Zuschüsse stiegen um ca. 2,7 Prozent von rund 2,3 Milliarden Euro auf rund 2,37 Milliarden Euro.

Erfreulich auch: Die Zahl der fest angestellten Theatermitarbeiter – befristet und unbefristet – ist leicht von 39.086 auf 39.235 gestiegen.

Derweil weiß auch das Statistische Bundesamt Positives zu berichten. Soeben erschien sein Kulturfinanzbericht 2014 (der allerdings nur Zahlen bis 2011 enthält). Danach geben die Kommunen 2,3 Prozent ihres Etats für Kultur aus, die Länder 1,8 Prozent und der Bund 0,8 Prozent. In echten Zahlen sind das einschließlich der Finanzierung von Kunst- und Musikhochschulen 9,4 Milliarden Euro (1995: 7,5 Mill. Euro), wahrlich eine Hausnummer. Bei den Flächenländern gibt es eine Spanne von Schleswig-Holstein mit nur 61,90 Euro pro Einwohner bis zu Sachsen mit 164,50 Euro. Bei den gesondert zu betrachtenden Stadtstaaten gaben Bremen 160,99 Euro/Kopf, Hamburg 153,31 Euro/Kopf und Berlin inkl. Bundesförderung 188,35 Euro/Kopf aus.

Wie in den Jahren zuvor war die Datenqualität von methodischen Problemen beeinträchtigt – insbesondere Umstellungen der Haushaltssystematik erschweren die Vergleichbarkeit.

Laut Statistischem Bundesamt stellten die öffentlichen Haushalte 2011 3,3 Milliarden Euro für den Bereich Theater und Musik zur Verfügung. Die Gemeinden trugen mit 53,4 % oder 1,7 Milliarden Euro den größten Anteil. Weitere 1,5 Milliarden Euro steuerten die Länder und 30,7 Millionen Euro der Bund bei.

Die Ausgaben je Einwohner für Theater und Musik betrugen demnach für 2011 39,80 Euro. Was einer Erhöhung gegenüber 2005 um 11,8 % entspricht. Die Stadtstaaten, die auch das Umland mitversorgen, gaben 2011 durchschnittlich je Einwohner 85,24 Euro für Theater und Musik aus. Berlin verzeichnete im Bundesdurchschnitt mit 94,11 Euro die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben. Das Flächenland mit den höchsten Ausgaben je Einwohner war Sachsen (64,96 Euro), das mit den niedrigsten je Einwohner Brandenburg (14,11 Euro).

Dass das – aus Theatersicht – Krisenland Sachsen-Anhalt mit 52,93 Euro Ausgaben je Einwohner für Theater und Musik noch relativ gut dasteht, mag zum einen auf die hohe Dichte an Kulturstätten zurückzuführen sein. Zum anderen ist eine nominelle Steigerung in vielen Fällen offenbar keineswegs ausreichend für eine auskömmliche Finanzierung des bestehenden Kulturangebots: Ein um 5 Prozent höherer Zuschuss kann im Effekt trotzdem Kulturabbau bedeuten, wenn die Kosten um 10 Prozent gestiegen sind.

Trotzdem bleibt festzustellen: Alle Zahlen in den beiden Berichten weisen nach oben, die Parameter sind positiv – daran müssen die Theaterschaffenden als Beitragende zur kulturellen Leistung angemessen beteiligt werden.

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