Jörg Löwer Geschrieben am 22 April, 2010

Rundschau: gefressene Theater, Visionen, Geld und Grabenkämpfe

Ludwig BarnayNach dem Welttheatertag in Wuppertal (hier übrigens die längere Reportage „Zum Beispiel Wuppertal“ aus der ZEIT) gehen die Diskussionen um die Theater allerorten weiter. Dabei ist nicht immer ganz klar, wer mit/gegen wen argumentiert.

Bürgerinitiative gegen Landtag:
Die Bürgerinitiative „Land braucht Stadt“ hat am 20.04. eine Liste mit 13 344 Unterschriften an den Präsidenten des Magdeburger Landtags Dieter Steinecke (CDU) überreicht. Die Übergabe erfolgte nach einem längeren Protestzug, der mit der Fahrt eines Zehner-Kanadiers auf der Elbe von Dessau aus startete. Die Unterschriftenliste richtet sich gegen den finanziellen Kahlschlag bei Kultur- und Freizeiteinrichtungen der Stadt Dessau-Roßlau (u.a. am Theater). Die Initiative sieht eine Mitschuld des Landes an diesem Kahlschlag.
„Schlange erregt Aufmerksamkeit“ aus der Mitteldeutschen Zeitung;
„Unterschriften gegen kulturellen Kahlschlag“ von der Website des MDR.

Theater gegen Theater:
Die Vorschläge aus Lübecker Theaterkreisen, die Landeszuschüsse an die Theater in Kiel und Lübeck sowie das Landestheater Schleswig-Holstein künftig erfolgsabhängiger zu verteilen, haben den Protest der Kollegen in den anderen Theatern hervorgerufen. Für den Erhalt bestimmter Teilbeträge sollen Kriterien wie Anzahl der Zuschauer, Anzahl der jugendlichen Besucher und die Einnahmen des Theaters durch Tickets oder Garderobengeld herangezogen werden.
„Lübecker Vorstoß: Erfolgreiche Theater sollen mehr Geld bekommen“ aus den Lübecker Nachrichten;
„Konzept zu den Theater-Finanzen: Künstler dagegen, Politiker dafür“ ebenfalls aus den Lübecker Nachrichten.

Politik gegen Politik:
Am 21.04.2010 hat der Kreistag des Landkreises Görlitz  die Zusammenführung der Theater Zittau und Görlitz rückwirkend zum 1. Januar 2010 beschlossen. Pläne zugunsten eines „Oberlausitzer Theaters“,  in dem außer den beiden genannten noch das Deutsch-Sorbische Volkstheater aufgegangen wäre, scheiterten im Juli 2009 am Bautzener Kreistag.
„Kreistag besiegelt Theaterfusion in Ostsachsen“ aus Ad Hoc News.

Theater mit Presse gegen (Landes-)Politik:
Die Landesbühne Niedersachsen Nord erhält in ihrem Verhandlungskampf gegen Niedersachsens Ministerium für Wissenschaft und Kultur um einen neuen Vertrag über die Landeszuschüsse ab 2011 Unterstützung. Zehn Tageszeitungen im Einzugsgebiet des Theaters geben Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur in den kommenden Wochen Gelegenheit, aus ihrer Sicht die Bedeutung der Landesbühne  zu erklären.
„Kultur: Region meldet sich zu Wort – Tageszeitungen unterstützen Aktion“ aus dem Anzeiger für Harlingerland;
„Ostfriesland kämpft fürs Theater“ aus dem General Anzeiger.

Das aktuelle Feindbild – vor allem aller Theaterschaffenden in NRW –  ist wohl aktuell der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow. In der Spiegel-Ausgabe 13/2010 ist ein Porträt des Mannes erschienen, der derzeit die Finanzhoheit über die überschuldeten Städte Wuppertal, Essen, Oberhausen, Mönchengladbach, Remscheid, Solingen und Duisburg hat und mit dem Satz bekannt geworden ist, dass er zum „Mut der Wuppertaler, ihr Schauspielhaus zu schließen“ gratuliere.
„Der Theaterfresser“ aus Der Spiegel.

Und schließlich den größten und sehr lesenswerten Überblick mit vielen historischen Bezügen zum Thema „Theatermachen als ewigem Kampf zwischen künstlerischen Visionen und Geld“ bietet ein Artikel auf Nordkurier.de: „Was soll eigentlich das Theater?“.

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