Jörg Löwer Geschrieben am 5 November, 2015

Rostock: Der Oberbürgermeister als Künstler

Ludwig BarnayManch Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ist nach eigener Einschätzung offensichtlich mit mannigfaltigen Kompetenzen ausgestattet und kann auch das örtliche Theater künstlerisch auf den rechten Weg bringen.

Jedenfalls hat der Rostocker Amtsinhaber Roland Methling jetzt den Intendanten des Volkstheaters Sewan Latchinian und dessen kaufmännischen Geschäftsführer Stefan Rosinski entmachtet. Das Strukturkonzept für eine Umgestaltung des Theaters schreibt nun die Verwaltung selbst, nachdem Latchinian und Rosinski mit ihren Vorlagen zweimal nicht den Geschmack des OB getroffen hatten. Nicht nur wird hier der Bock zum Gärtner gemacht: Der Bock macht sich selbst zum Gärtner. In der Bürgerschaft wurde sogar in bester Manier eines kleinkarierten Paragraphenreiters vom OB aufgelistet, wo sich Latchinian und Rosinski kritisch zu den geforderten Spartenschließungen geäußert hätten. Dass sich die halbe Republik hierzu kritisch äußerte, spielte schon gar keine Rolle mehr.

Aber es geht nicht bloß ums Geld: Der OB befindet schriftlich, das Papier der Theaterleitung sei auch „ohne jegliche fundierte künstlerische Aussage“. Außerdem lasse die Geschäftsführung „nicht erkennen, dass sie konstruktiv an einer konzeptionellen Lösung gearbeitet hat“. Insbesondere hätten die Theaterleiter die Vorgabe ignoriert, Tanz- und Musiksparte als eigenständig produzierende Sparten aufzugeben. Auch zu den „überzähligen Mitarbeitern“ (so Methling wörtlich) reichen ihm die Angaben nicht aus, denn natürlich werden durch die euphemistisch 2+2 Modell genannten Spartenschließungen Arbeitsplätze abgebaut. Das Volkstheater Rostock soll Methlings Brief zufolge eine „Kooperation mit je zwei Tanz- und Musiktheaterproduktionen pro Spielzeit mit einem 3-Sparten-Haus vergleichbaren künstlerischen Niveaus und baulich und bühnentechnisch anpassbaren Voraussetzungen in einer Entfernung von ca. 100 km“ eingehen. Warum schreibt er nicht Schwerin, wenn er Schwerin meint? Denn ein anderes Haus gibt es ohnehin nicht, das diesen Kriterien entspricht. Schließlich existieren schon lange Gerüchte, dass das Rostocker Volkstheater in der größten Stadt des Landes von Schwerin aus mit bespielt werden soll.

Zusammenarbeiten will Methling bei seinem eigenen Theaterkonzept mit externen Beratern. Auch dabei dürfte es sich vermutlich weder um Künstler noch um Rostocker handeln. Von wiederum entstehenden hohen Kosten ganz zu schweigen.

Wir haben im Übrigen auch eine Idee: Aus dem schon fast ewig andauernden Kampf des OB gegen das Rostocker Theater ließe sich doch eine wunderbare Soap als Einpersonen-Stück machen, die womöglich sogar im Theater selbst zu sehen sein könnte. Herr Methling bekäme dann die Hauptrolle. Denn offensichtlich gehört zu seinen allumfassenden Fähigkeiten jetzt auch die des (kunstvernichtenden) Chef-Künstlers, der dann auch gleich noch das Schauspielensemble einsparen könnte. J. R. Ewings Haifischlächeln kann man auch allein vor dem Badezimmerspiegel üben.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Kategorien

Archive