Jörg Rowohlt Geschrieben am 7 November, 2013

Protestaktion: Magdeburger Landtag hört die Posaunen von Jericho

Ludwig BarnayWir berichten hier im Blog kontinuierlich über die beabsichtigten Kürzungen der Landesmittel vor allem für die Theater in Dessau, Halle und Eisleben (hier, hier, hier, hier und hier).

Am 1. Dezember will der Kultusminister von Sachsen-Anhalt die Kabinettsvorlage zur Theaterfinanzierung einbringen. Das Land Sachsen-Anhalt drängt laut MZ darauf, dass in Dessau ein Konzept „in Richtung Musiktheater seitens der Stadt vorgelegt wird“. Der Oberbürgermeister von Dessau, Klemens Koschig, und die Fraktionen des Stadtrats versuchen zur Zeit in Gesprächen mit Kultusminister Dorgerloh (SPD) zu erreichen, dass in Dessau mehr erhalten bleiben kann als ein Musiktheater. Allerdings würden die zukünftigen Mittel wohl selbst dann nicht ausreichen, wenn alle Sparten außer dem Musiktheater geschlossen würden. Das Totschlagargument – das so auch häufig in Mecklenburg-Vorpommern genutzt wird – lautet: „Die Notwendigkeit von Strukturveränderungen besteht nach wie vor.“

Der Generalintendant, André Bücker, sieht laut MZ nur zwei Alternativen für die Stadt: „Entweder behält sie das Theater und geht pleite oder sie wickelt es ab und geht ebenfalls pleite.“ Er beklagt zu Recht, dass das Land Diskussionen bisher abgelehnt hat.

Das Theater führt seine Protestaktionen währenddessen weiter und wir rufen alle auf, diese nach Möglichkeit zu unterstützen. Hier die Pressemitteilung des Theaters mit dem Aufruf „Magdeburger Landtag hört die Posaunen von Jericho“:

Der Protest gegen die unsinnigen Kürzungen in der Theaterlandschaft Sachsen-Anhalts geht weiter. Am Freitag, den 8. November, brechen Mitarbeiter der Bühnen Dessau, Eisleben und Halle erneut in die Landeshauptstadt Magdeburg auf, um auf dem Domplatz vor dem Landtag die biblische Geschichte der Stadt Jericho neu zu inszenieren. In der Überlieferung des Propheten Joshua wird erzählt, dass die Israeliten die Mauern dieser Stadt zum Einsturz brachten, indem sie sie sechs Tage je einmal umrundeten – und am siebten Tag siebenmal. Dazu bliesen sie Posaunen … ein künstlerischer Akt mit wahrhaft erschütterndem Ergebnis also!

Ab dem 8. November beginnt täglich um 16 Uhr die Umrundung des Landtages. Am Donnerstag, den 14. November – dem Termin der nächsten Landtagssitzung – findet dann die siebenfache Umrundung des Hohen Hauses statt. Alle interessierten Bürger sowie Vertreter von Hochschulen und anderen Kultureinrichtungen sind herzlich eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. Alle Instrumente, vor allem aber Posaunen, Trompeten, Tuben und Hörner, sind herzlich willkommen, um die Mauern in den Herzen und Köpfen der sachsen-anhaltischen Politiker zum Einsturz zu bringen.

Begleitend wird es an jedem Tag ein wechselndes Flugblatt geben, dass verschiedene Aspekte der Kulturpolitik des Landes und die Symbolik der Zahl ,,7″ verbindet, die ja schließlich auch in der geplanten Sparsumme vorkommt – leider als Multiplikator des sachsen-anhaltischen Millionenspiels auf Kosten der Bühnen.

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