Jörg Löwer Geschrieben am 1 April, 2015

Pressemitteilung zur fristlosen Entlassung des Rostocker Intendanten

Die Künstlergewerkschaften Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) haben sich in einer gemeinsamen Presseerklärung zu der fristlosen Entlassung des Rostocker Intendanten geäußert:

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IRREPARABLER SCHADEN

Jörg Löwer, Präsident der GDBA; Sabine Nolde, Landesvorsitzende Nord der GDBA, und Gerrit Wedel, stellv. Geschäftsführer der VdO, erklären dazu:

Mit knapper Mehrheit hat der Hauptausschuss der Rostocker Bürgerschaft den Intendanten des Volkstheaters in der Hansestadt, Sewan Latchinian, fristlos gekündigt. Vorwurf: Sein Vergleich der desaströsen Kulturpolitik Mecklenburg-Vorpommerns mit Kulturzerstörungen im Irak. Und vor allem: Latchinians vorgebliche Weigerung, den von der Bürgerschaft beschlossenen Spartenabbau umzusetzen. Ob diese Gründe für diesen Rauswurf juristisch tragfähig sind, müssen die Arbeitsgerichte entscheiden.

Für das Volkstheater Rostock und seine Beschäftigten ist der Schaden in jedem Fall groß und irreparabel:

Der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski soll zunächst die Leitung des Hauses übernehmen – künstlerisch entsteht so ein Vakuum: Der Intendant hatte nicht nur selbst inszeniert, sondern war auch Schauspieler. Wer tritt in diesen drei Funktionen an seine Stelle? Generalmusikdirektion, Operndirektion und Schauspieldirektion fehlen dem Volkstheater ohnehin schon.

Falls doch ein neuer Intendant gesucht werden sollte, würden die Rostocker Kulturpolitiker wohl nur in der dritten Reihe fündig: Nach Latchinian käme im besten Falle ein willfähriger Nachfolger, der die Zwei-Sparten-Strategie exekutiert.

Und eine Vermutung bleibt bestehen: Zwar hatte die Rostocker Bürgerschaft eine Fusion der Theater Rostock und Schwerin in der Vergangenheit eindeutig abgelehnt. Soll jetzt ein solches Modell durch die Hintertür installiert werden? Der Rostocker Intendanten-Posten vielleicht gar nicht wieder besetzt werden, um eine gemeinsame Intendanz Schwerin-Rostock zu installieren? Das Rostocker Volkstheater würde dann als Bespieltheater aus der Landeshauptstadt mitversorgt werden. Eine Kehrtwende innerhalb von neun Monaten von einer Personalentscheidung für ein Vier-Sparten-Theater bis zum exakten Gegenteil inklusive arbeitsrechtlicher Konsequenzen für den Befürworter dieser Linie erscheint begründungsbedürftig.

Ganz konkret würde eine Abfindungszahlung mit in Sicherheit mehrfacher sechsstelliger Höhe für den ehemaligen Intendanten Latchinian, dessen Vertrag bis 2019 gelaufen wäre, den ohnehin engen Finanzplan des Hauses zusätzlich belasten. Nähme man alle Abfindungen für die geschassten Intendanten der letzten Jahre, hätte sich jede Strukturdebatte in finanzieller Hinsicht vermutlich erledigt.

Diese Entlassung ist ein in ihren Konsequenzen völlig undurchdachter Schnellschuss, der die ohnehin schwierige Lage in Rostock eskalieren lässt. Womöglich hatte Latchinian doch Recht: In Mecklenburg-Vorpommern soll immaterielles Weltkulturerbe mit der Brechstange zerstört werden.

Rückfragen: 040 4328244-0
V.i.S.d.P.: Jörg Löwer

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