Jörg Löwer Geschrieben am 17 März, 2014

Pressemitteilung: GDBA zum Ende des Ensembles an der Wuppertaler Oper

Ludwig BarnayIn Wuppertal wurde der von Toshiyuki Kamioka zusammengestellte neue Spielplan der Oper vorgestellt. Ob seiner Mutlosigkeit im Hinblick auf ein ausgewogenes und interessantes Repertoire sprechen Presse und Kritiker von einem Opernspielplan ohne eigenen Charakter – man beschränkt sich auf vielgespielte Klassiker. In letzter Minute musste zudem der Oberbürgermeister verhindern, dass ein Musical eingekauft wird, das vom zukünftigen Stellvertreter des Intendanten, Joachim Arnold, produziert worden ist. Stefan Keim kommentiert auf Deutschlandradio Kultur: „Es klingt alles sehr billig, langweilig und feige. Kamioka und Arnold zerstören die Strukturen eines Stadttheaters, nicht um künstlerische Freiheiten zu bekommen, sondern ausschließlich um Geld zu sparen.“
Mit der Vorstellung des neuen Spielplanes wird entgegen aller Entwarnungen seitens der Stadt nun die Abkehr vom festen Ensemble und die Einrichtung eines Ensuite-Betriebes vollzogen (unser Protest ist hier, hier und hier nachzulesen). Die GDBA hat hierzu eine Pressemitteilung veröffentlicht:

GDBA zum Ende des Ensembles an der Wuppertaler Oper

Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) ist entsetzt über das rücksichtslose Verhalten aller Theaterverantwortlichen in Wuppertal.

Nach den vielen beharrlichen, sich wiederholenden Dementis der letzten Monate über die Abschaffung des Opernensembles kommt jetzt die traurige Wahrheit ans Licht und es ist schlimmer, als wir befürchtet haben.

In Wuppertal wird eindeutig gegen Tarifrecht und den Überleitungsvertrag verstoßen. Beim Übergang zur GmbH wurde damals von der Stadt Wuppertal festgelegt, dass die Tarifverträge bei Einstellungen Anwendung finden sollen.

Neben dem Engagement von Gästen will die neue Intendanz ein Opernstudio gründen – ohne die Voraussetzungen dafür zu erfüllen. Der Zweck eines Opernstudios ist, Anfängern nach oder während ihres Opernstudiums die Möglichkeit einzuräumen, in einem Ensemble Erfahrungen zu gewinnen. Sie werden von langjährigen, erfahrenen Kollegen im Festengagement betreut, von Fachkräften unterrichtet und dürfen ab und an kleine Rollen übernehmen. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass sie im Partienstudium, unabhängig vom Spielplan des Hauses, gefördert und unterstützt werden. Diese Voraussetzungen kann Wuppertal durch die entstehenden Zusatzkosten rein finanziell nicht leisten und ab nächster Spielzeit ohne eigenes Ensemble sowieso nicht mehr erfüllen. Zudem besteht keinerlei Kooperation mit einer entsprechenden Ausbildungseinrichtung. Wir sehen hier eine Ausbeutung von jungen Menschen, die auch künstlerisch einer großen Überforderung ausgesetzt sein werden. Mit Professionalität im Bühnenalltag hat das nichts mehr zu tun.

Die Verantwortlichen der Wuppertaler Bühnen werden so das künstlerische Niveau des Hauses nachhaltig beschädigen. Wo ist das Versprechen geblieben, die Wuppertaler Oper zu einem der besten Häuser Deutschlands oder gar der Welt zu machen, wie Herr Kamioka vollmundig verlauten ließ? Und Herr Oberbürgermeister Jung versprach, dass die Oper erstrahlen wird. Gastsänger mit Renommee werden nur vereinzelt eingekauft, stattdessen greift man größtenteils auf unbekannte Sänger zurück, die in Wuppertal Ihr Deutschland-Debüt geben sollen. Außerdem haben wir erste Mitteilungen aus unserer Mitgliedschaft, dass auch diese Gastverträge weit unter branchenüblichen Standards vergütet werden.

Es ist das vornehme Recht des Rats der Stadt Wuppertal, über die Vorgänge an der Oper – die ein Unternehmen der Stadt ist – informiert zu werden und dem Intendanten die Rahmenbedingungen für seine Arbeit zu nennen. Wieso wird dem designierten Intendanten das Recht eingeräumt, Verträge – insbesondere den Überleitungsvertrag zur GmbH – zu brechen, Tarifverträge zu ignorieren und die künstlerischen Angestellten wie Arbeitnehmer ohne Rechte zu behandeln?

Erst wurde entschieden, das Schauspiel mit einem Schrumpfensemble zu führen und jetzt soll die Opernsparte ohne geordnete Tarifstrukturen möglichst billig Höchstleistungen bringen. Das bisherige Niveau der beiden Sparten Oper und Schauspiel wird damit nachhaltig beschädigt – inklusive der Arbeit von Chor und Orchester.

Die inzwischen fallen gelassene Absicht von Joachim Arnold, dem designierten stellvertretenden künstlerischen Leiter, seine eigene Musical-Produktion ins Opernhaus zu holen, zeigt den Geist der neuen Leitung. Sie schreckt nicht davor zurück, sich selbst Vorteile einzuräumen, Künstler aber zugleich unter Tarif zu bezahlen. Sie nimmt dabei billigend in Kauf, die bewährte und weltweit einmalige Ensemblestruktur zu zerstören.

Der Rat der Stadt hat beschlossen, das Budget der Wuppertaler Bühnen zu beschneiden. Dies hat natürlich Auswirkungen auf das Angebot im Spielplan. Das kann aber nicht bedeuten, dass Künstler und Kulturschaffende plötzlich für einen Bruchteil des Geldes arbeiten müssen und nicht mehr wissen, wie sie Ihre Familien ernähren sollen.

Die GDBA wird mit all ihren Möglichkeiten diese Entwicklung bekämpfen. Es ist höchst fragwürdig, darstellende Künstler in Wuppertal ihrer tariflichen Rechte zu berauben. Gäste und Opernstudio-Mitglieder werden zu Mitarbeitern, die der Willkür einer rücksichtslosen Leitung ausgesetzt werden – und das mitten in Deutschland.

Diese Zustände, die so in Deutschland einmalig sind, wird die GDBA nicht hinnehmen.

 

Hamburg - Essen, 17.03.2014
Ansprechpartner: Jörg Löwer - Adil Laraki
Tel.: 040 / 43 28 244 0
Fax: 040 / 43 28 244 28
E-Mail: gdba@buehnengenossenschaft.de
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