Jörg Rowohlt Geschrieben am 30. Oktober 2020

Pressemitteilung: Aktionsbündnis Darstellende Künste – Gemeinsame Erklärung der Tanz- und Theaterlandschaft bundesweit anlässlich der Schließungen im November 2020

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Die erneute Schließung sämtlicher Kultur- und Theaterbetriebe im November 2020 bringt bundesweit die Kulturlandschaft und damit viele der darin arbeitenden Menschen in existentielle Not. Wir sind uns der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung bewusst, die der Versuch der Eindämmung von SARS-CoV-2 bedeutet. Theater ist eine soziale Kunstform. Wir – feste und freie Schauspieler*innen, Performer*innen, Sänger*innen, Tänzer*innen, Musiker*innen, Regisseur*innen, Bühnen- und Kostümbildner*innen, Dramaturg*innen und Autor*innen, Choreograf*innen und Dirigent*innen, Videokünstler*innen, Komponist*innen und viele mehr – leben von der Kunst, die wir für unser Publikum betreiben. Damit tragen wir maßgeblich zur kulturellen und künstlerischen Bildung der Gesellschaft bei. Durch unsere atypischen Beschäftigungsverhältnisse und die seit jeher geringen Honorare und Gagen konnte die Mehrheit der Künstler*innen und Kulturschaffenden keine Rücklagen bilden. Ihnen droht das Aus.

Deshalb fordert das Aktionsbündnis Darstellende Künste erneut und dringender denn je:

1) Unternehmer*innenlohn in den Bundeszuschüssen für alle Solo-Selbständige
Mit Unsicherheiten und Leerstellen müssen momentan beinahe alle kämpfen, für viele Freiberufler*innen und Solo-Selbständige geht es dabei aber um die nackte Existenz. Durch die Regelungen zur Kurzarbeit wird versucht, die Angestellten bundesweit nicht in die Arbeitslosigkeit zu entlassen – es muss nun endlich auch für alle Selbstständigen eine entsprechende Regelung auf Bundesebene gefunden werden.

2) Faire Ausfallhonorare für Produktionsteams und freie Künstler*innen
Trotz unterzeichneter Verträge erhalten Tanz- und Theaterschaffende nun erneut Absagen, keine oder nur geringfügige Gagenfortzahlungen oder sogar Kündigungen. Auch viele Theater in öffentlicher Trägerschaft oder Privattheater mit öffentlicher Förderung meinen, keine Gehälter und Honorare für abgesagte oder verschobene Produktionen oder Vorstellungen zahlen zu dürfen. Fairness und Solidarität mit den Künstler*innen hängen dabei vor allem an den jeweiligen öffentlichen Trägern und Zuwendungsgebern. Was die freischaffenden Künstler*innen und Kulturschaffenden brauchen, sind faire Ausfallhonorare aus bestehenden Verträgen.

3) Solidarischer Umgang mit freien Gruppen und internationalen Compagnien bei Gastspielen / Festivals
Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden auch Gastspiele von Gruppen der Freien Szene sowie von europäischen oder internationalen Compagnien abgesagt. Durch den Zusammenbruch der internationalen Kooperationen und nahezu aller Touring-Möglichkeiten weltweit, verbunden mit oftmals schwacher lokaler Kulturförderung droht hier der vollständige und irreversible Zusammenbruch dieser Strukturen. Öffentlich finanzierte Theater/Festivals müssen auch für abgesagte Gastspiele und Festivaleinladungen Ausfallhonorare zahlen können. Kulturelle überregionale und internationale Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Anker der gesellschaftlichen Verständigung und muss gerade in der aktuellen Zeit durch Sonderprogramme unterstützt werden.

Die langfristigen Folgen der Corona-Krise sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Die ersten kommunalen Haushalte haben bereits Sparvorgaben erlassen. Theater, die sozial, global solidarisch und fair handeln (wollen), brauchen Unterstützung, vor allem finanziell, aber – wenn nötig – auch durch klare politische Vorgaben. Für die Wirtschaft wird es weitere Konjunkturprogramme geben. Das wird es auch für die Kultur brauchen.

Das Aktionsbündnis Darstellende Künste ist ein Zusammenschluss aus folgenden Verbänden: art but fair, Bund der Szenografen, Bundesverband Freie Darstellende Künste, Dachverband Tanz Deutschland, Dramaturgische Gesellschaft, dramaturgie-netzwerk, ensemble-netzwerk, GDBA, Netzwerk flausen+, Pro Quote Bühne, regie-netzwerk, Ständige Konferenz Schauspielausbildung und Verband für Theaterautor*innen. Das Aktionsbündnis versteht sich als offene Diskussions- und Kommunikationsplattform. An den regelmäßigen Arbeitstreffen nehmen gelegentlich auch der Deutsche Bühnenverein, die Allianz der Freien Künste und der Fonds Darstellende Künste teil.

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