Grußwort Professor Barbara Kisseler

© Sarah Porsack von HANSESHOT
© Sarah Porsack von HANSESHOT

Sehr geehrter Herr Kliebes,
sehr geehrter Herr Bolwin,
sehr geehrte Damen und Herren,

es freut mich sehr, dass Sie Ihren Genossenschaftstag dieses Jahr erneut in Hamburg abhalten und ich deshalb die Gelegenheit habe, heute zu Ihnen zu sprechen.

Als vor ein paar Tagen der 150. Geburtstag der SPD gefeiert wurde, dachte ich, es ist wirklich höchst bemerkenswert, dass es die GDBA nun auch schon seit 142 Jahren gibt. Und bei Ihnen gilt, glaube ich, ganz besonders: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Ihre Arbeit ist aktuell nötiger denn je, denn die Situation im Kulturbereich – speziell im Theater- und Opernbereich – hat sich nicht überall verbessert. Vielleicht passt an dieser Stelle und insbesondere dieser Tage ein Zitat von Willy Brandt ganz gut, der 1992 schrieb:

„Nichts kommt von selbst und nur wenig ist von Dauer. Darum besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

Die GDBA erfüllt diesen Rat schon seit langem, sie ist als Interessenvertretung der Beschäftigten in Theatern und auch als Mitstreiter im Kampf um den Erhalt der deutschen Theaterlandschaft unverzichtbar geworden. Der Spardruck auf die Theater hat in den letzten 20 Jahren bundesweit zu einem Abbau von rund 6.500 Stellen in den Häusern geführt. Hohe Tarifabschlüsse – wie zuletzt – mögen verdient und aus Sicht jedes einzelnen hoch willkommen sein. In Zeiten überschuldeter Kommunen und beschlossener Schuldenbremse machen sie die Herausforderung, die Theaterlandschaft nicht nur irgendwie zu erhalten, sondern den einzelnen Häusern auch noch ausreichende Produktionsetats zu verschaffen, indes nicht kleiner.

Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang eine Anmerkung, weil ich weiß, dass Sie diese Frage hier beschäftigen wird: Die Finanzierungsprobleme flächendeckend durch eine Flucht in Haustarifverträge zu lösen, kann meines Erachtens keine Lösung sein. So sinnvoll der Haustarifvertrag im Einzel- und Notfall sein kann, verschiebt er die Probleme doch nur in die Zukunft, wenn man sich nicht in Ketten-Haustarifverträgen verheddern und die Wettbewerbsfähigkeit eines Theaterstandorts untergraben möchte.

Ich denke, dass wir vielmehr gemeinsam dafür Sorge tragen müssen, dass Theater Lohnsteigerungen auch bezahlen können. Hier sind die Rechtsträger genauso in der Verantwortung wie die Häuser, die ihre Einnahmemöglichkeiten ausschöpfen und unnötige Ausgaben vermeiden müssen.

Wobei ich mit unnötigen Ausgaben nach dem bereits erfolgten und zum Teil einschneidenden Personalabbau nicht die Personalkosten meine. Es ist vielmehr an der Zeit, dass die Politik den Theatern
endlich dabei hilft, Ausgaben zu verhindern, die so unnötig sind wie ein Kropf.

So wäre es immens wichtig, endlich die Umsatzsteuerbefreiung für selbstständige Regisseure und Choreographen auf den Weg zu bringen und die lebensfremde Differenzierung zu beseitigen, ob jemand – wie ein Dirigent – direkt vor Publikum agiert oder seine Arbeit – wie der Regisseur oder Choreograph – unmittelbar vor der Premiere vollbracht hat. Sonst kann man eigentlich nur dazu raten, den Regisseur – im Sinne von Nicolas Stemann – künftig auf der Bühne irgendwie mitmachen zu lassen.

Dankenswerter Weise ist es mittlerweile Konsens, dass die bisherige Regelung einfach grober Unfug ist. Zwar ist das Gesetzespaket der Bundesregierung, in dem auch die Umsatzsteuerbefreiung steckt, im Bundesrat – aus Gründen, die mit unserem Anliegen gar nichts zu tun haben – nicht durchgegangen. Ich bin jedoch hoffnungsvoll, dass sich Bund und Länder im anstehenden Vermittlungsverfahren einigen werden und die unstreitige Umsatzsteuerbefreiung noch vor der Sommerpause beschlossen wird, womit dieses leidige Thema in unser aller Sinne gelöst wäre.

Damit bleibt mir eigentlich nur, Ihnen einen erfolgreichen Genossenschaftstag zu wünschen. Auf eins möchte ich aber noch hinweisen: Es würde mich sehr freuen, wenn wir Sie spätestens auf Ihrem übernächsten Genossenschaftstag im Jahre 2021 wieder in Hamburg begrüßen und mit Ihnen den 150. Geburtstag der GDBA feiern könnten.

Dieser Geburtstag sollte uns allen Grund zum Feiern sein, schließlich
wird die GDBA auch in Zukunft noch dringend gebraucht.
Vielen Dank!

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