Jörg Löwer Geschrieben am 6 August, 2010

Ohne barocke Opernhäuser gibt es kein höheres Wirtschaftswachstum – oder: The Phantom of the Opera………………..

Ludwig BarnayDie Schlagzeilen sind wieder einmal höchst unerfreulich.
Das Badische Staatstheater in Karlsruhe ist durch Sparpläne des Karlsruher Gemeinderats als Drei-Sparten-Haus akut gefährdet:
„Karlsruher Theater durch Sparpläne bedroht“ aus FOCUS online.

In eine ungewisse Zukunft blicken die Mitarbeiter des traditionsreichen Opernhauses Teatro Carlo Felice im norditalienischen Genua. Das Haus steht wegen eines hohen Schuldenberges vor dem Konkurs. Die Mitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit:
„Teatro Carlo Felice in Genua steht vor der Schließung“ auf der Website von Klassik Radio.
„Bankrotte Opern und Dauerstreiks“ auf der Website des Deutschlandfunks.

Wieder einmal verleiten leere Haushaltskassen Politiker zu kurzsichtigen Sparmaßnahmen. Vielleicht sollten diese sich zur Abwechslung an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Eine Forschergruppe um den Wirtschaftswissenschaftler Stephan Heblich vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik hat nämlich herausgefunden, dass die Zahl hochqualifizierter Beschäftigter ansteigt, je näher eine Region an einem barocken Opernhaus liegt. Diese Hochqualifizierten seien in erheblichem Maße mitverantwortlich dafür, dass die jeweiligen Regionen ein höheres Wirtschaftswachstum aufwiesen.

Die Forscher hatten 29 Opernhäuser berücksichtigt, die in den Jahren vor der industriellen Revolution zwischen 1648 bis 1800 erbaut wurden. Sie entstanden unabhängig vom Wohlstand des jeweiligen Herzogtums und waren hauptsächlich dem Prestigestreben des Adels geschuldet. Die Forscher konnten somit methodisch nachweisen, dass das höhere Wirtschaftswachstum in diesen Regionen „nicht auf endogene Effekte zurückzuführen ist, also darauf, dass es sich hier um immer schon reichere oder gebildetere Regionen handelt, sondern dass es sich tatsächlich um einen unabhängigen exogenen Effekt handelt, ausgelöst durch das kulturelle Angebot.“ Die Autoren konnten zeigen, dass Kulturförderung nachweislich das Wirtschaftwachstum steigert.

Hier die Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für Ökonomik: „Das Phänomen der Oper – Kulturelle Angebote steigern Wirtschaftswachstum“.

Hier der gesamte Text als PDF (auf Englisch): „The Phantom of the Opera: Cultural Amenities,Human Capital, and Regional Economic Growth“.

Würden sich Politiker ein bißchen tiefergehend mit solchen Studien und Forschungen beschäftigen, würde uns vielleicht auch so eine Rumeierei erspart bleiben, wie sie die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) in einem Interview im Deutschlandradio Kultur zum Thema Theater- und Kulturförderung an den Tag gelegt hat.

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