Jörg Rowohlt Geschrieben am 3. Dezember 2020

Offener Brief zu Nichtverlängerungen an den Städtischen Bühnen Osnabrück

Die Städtischen Bühnen Osnabrück bekommen mit Ulrich Mokrusch zur Spielzeit 2021/22 einen neuen Intendanten – der mit rabiaten Nichtverlängerungen beginnt.

Insgesamt 37 Künstler*innen bekommen die rote Karte. Die GDBA-Landesvorsitzende Nord, Sabine Nolde, hat hiergegen in einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister, den Kulturdezernenten und die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat protestiert. Die Adressaten sollen sich für eine Rücknahme der Nichtverlängerungen und Weiterbeschäftigung der Betroffenen einsetzen:

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Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

es ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass die neue Intendanz der Städtischen Bühnen Osnabrück gGmbH ihre Arbeit mit einer rabiaten Massenentlassung beginnt. Wir bitten Sie eindringlich, diesem Kahlschlag der künstlerisch Beschäftigten entgegenzutreten.

Ist dieses Vorgehen schon in „normalen Zeiten“ mit funktionierendem Arbeitsmarkt nicht angebracht, verbietet es sich in Zeiten von Covid 19 erst recht. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet zurzeit ein Abschieben in die Arbeitslosigkeit mit der Aussicht auf Hartz IV!
Rechtsträgern sowie Theaterleitungen sollte ein Handeln mit Augenmaß selbstverständlich sein und ihre hohe persönliche und moralische Verantwortung widerspiegeln.
Dieses Augenmaß lässt sich nicht erkennen, wenn es sich um insgesamt 37 Künstler*innen handelt, denen die rote Karte gezeigt wird. Von einem „ganz normalen Intendanzwechsel“ kann hier nicht die Rede sein, denn die Zeiten sind nicht normal.

Die Künstler*innen klagen an:
Seit Monaten findet Theater in seiner üblichen Form nicht statt. Produktionen werden abgesagt, Vorstellungen finden über Wochen und Monate nicht statt, viele Kolleg*innen standen im März das letzte Mal live vor Publikum auf einer Bühne, für diese Spielzeit neu engagierte Kolleg*innen überhaupt noch nicht. Fitness- und Tanzstudios sind geschlossen, Sprechcoaching oder Gesangsunterricht finden nicht statt – die Möglichkeiten, sich außerhalb eines festen Engagements in Form zu halten, sind also gleich Null. ALLE Schauspielerinnen jenseits der 30 wurden nichtverlängert – künstlerische Gründe?

Nichtverlängerte Künstler*innen haben laut Tarifvertrag Anrecht auf zwei „Ansehrollen“ in ihrer letzten Spielzeit. Ihr künstlerisches Überleben hängt davon ab, „gesehen und gehört“ zu werden. Das findet nicht statt und JETZT ist die Zeit, in der Neuengagements normalerweise abgeschlossen werden.

Die Ausweglosigkeit der Situation geht an die Grenze der psychischen Belastbarkeit!
Was ist daran noch „normaler Intendantenwechsel“?

Ich nehme das zum Anlass, Sie zu bitten, nein – sie aufzufordern:

            • Machen Sie Ihren Einfluss geltend, dass die Künstler und Künstlerinnen beschäftigt werden, bis sie auf dem Markt wieder Chancen auf eine neue Beschäftigung haben
            • Setzen Sie sich für die Rücknahme bereits ausgesprochener Nichtverlängerungserklärungen ein
            • Erteilen Sie vermutlicher Altersdiskriminierung eine Absage

Lassen Sie Ihre Künstler und Künstlerinnen nicht im Stich!

Für noch offene Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Nolde
GDBA-Landesverband Nord
Vorsitzende 

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