Jörg Löwer Geschrieben am 14 Oktober, 2011

Offener Brief des Personalrates des Nordharzer Städtebundtheaters an den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen – Anhalt

Folgenden offenen Brief zur Lage am Nordharzer Städtebundtheater hat die Vorsitzende des Personalrates, Ursula Meinke, an den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen – Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, gesandt:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

unser Nordharzer Städtebundtheater ist in Not – die Lage war noch nie so prekär wie jetzt.

Schon vor Jahren wurden im Zuge weitreichender Sparmaßnahmen 25% der Stellen und Haushaltsmittel gestrichen, was das Theater an die unterste Grenze der Arbeitsfähigkeit geführt hat. Unsere Kollegen verzichten seitdem auf bis zu 20% Lohn in der ohnehin niedrigsten Gehaltsstufe. Nun sind erneut Kürzungen in einem Umfang geplant, welche die völlige Schließung des Theaters bedeuten oder es lediglich als Bespieltheater erhalten würden. Das jedoch kommt einem kulturellen Suizid gleich und bedeutet die Verödung der Lebensqualität in unserer Stadt.

Wir sind das Theater im Harz. Die Spielstätten im gesamten Harzkreis tragen ganz wesentlich zur kulturell-touristischen Attraktivität und Identität der Region bei. Deshalb wurden 11.000 Unterschriften zum Erhalt des Nordharzer Städtebundtheaters gesammelt, die auf einer Sitzung am 22.09. dem Stadtrat von Halberstadt präsentiert wurden. Das zeigt, wie stark das Theater in dieser Stadt verwurzelt ist und das es ein unverzichtbarer Bestandteil der Kultur in dieser Region bleiben muss.

Die Halberstädter Stadträte haben trotz dieser zahlreichen Bürgerstimmen mit dem Beschluss ihres Konsolidierungsprogramms eine Kürzung der Theaterzuwendung um zunächst 600.000 Euro jährlich avisiert. Auch der Landkreis Harz und die Stadt Quedlinburg, die im Zweckverband mit der Stadt Halberstadt vereint gemeinsam mit dem Land das Theater finanziell tragen, stehen mitten in harten Konsolidierungskursen. Beide Träger hatten bereits zuvor weniger Zuschüsse für unser Haus beschlossen.
Gegenwärtig belaufen sich die Gesamtzuwendungen unseres Drei-Sparten-Hauses auf 6,76 Mio. Euro. Es wird mit 1,876 Mio. Euro aus dem Kreishaushalt sowie 1,061 Mio. Euro bzw. 443.000 Euro aus den städtischen Haushalten von Halberstadt und Quedlinburg und weiteren 3,38 Mio. Euro aus dem Landeshaushalt finanziert. Bei aller Sparsamkeit hat dieser Zuschuss in den letzten Jahren nicht ausgereicht, so dass der Landkreis und die Städte in diesem Jahr bereits weitere 340.000 Euro erbringen mussten. Quedlinburg sieht sich bereits jetzt nicht mehr in der Lage, die 443.000 Euro jedes Jahr zur Verfügung zu stellen. 2013 wird der Theaterzuschuss halbiert. Lange vor Quedlinburg – im Januar schon – hatte der Kreistag entschieden, die Zuweisungen für das Theater ab 2014 von 1,876 Millionen auf 1,237 Millionen Euro zu reduzieren.

Adäquat zu dieser Gesamteinsparungssumme von rund 1,5 Millionen Euro würde auch das Land seine Zuwendung kürzen.
Tatsächlich drängt die Zeit. Die Theaterverträge mit dem Land laufen Ende des nächsten Jahres aus. Zuvor stehen harte Verhandlungen an.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, wir bitten Sie im Namen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und im Interesse des Erhalts der Kulturlandschaft in unserer Region dringend darum, durch die Landesregierung ein Zeichen zu setzen, das den Theaterschaffenden und den Menschen in unserer Region zeigt, dass die Kultur einen hohen Stellenwert hat und dieser in einer auskömmlichen Förderung seinen Ausdruck findet.
Bitte bedenken Sie: Mit dem Sinken der geistig-kulturellen Attraktivität einer Region sinken auch deren wirtschaftliche Chancen.

Mit freundlichen Grüßen

Ursula Meinke
Personalratsvorsitzende

Hier ein Ausschnitt aus der Produktion „Faust Episode II“ auf dem YouTube-Kanal des Theaters:

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