Jörg Löwer Geschrieben am 12 November, 2010

Offener Brief des Landesverbandes NRW der GDBA zu den unverantwortlichen Einsparungsabsichten für das Theater Bonn

Ludwig BarnayFolgenden offenen Brief hat der Landesvorsitzende der GDBA in NRW, Adil Laraki, heute an den Oberbürgermeister der Stadt Bonn gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

Kultur in der Stadt Bonn mit ihren internationalen Institutionen und Großkonzernen gehört zu einem unverwechselbaren Markenzeichen, das weltweit wahrgenommen wird.

Im Vergleich zu anderen vergleichbaren Theatern liegt die Finanzierung des Bonner Theaters an der unteren Grenze. Trotzdem erhält die Bonner Bevölkerung ein vielfältiges, wertvolles und hervorragendes Angebot verschiedener Kunstgattungen. Dies haben Sie in erster Linie dem besonderen Einsatz und den gebrachten Opfern aller Mitarbeiter/innen unter verschiedenen Leitungen dieses Institutes zu verdanken, die mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben.

Mehrmals hat Ihr Theater Einsparungen über sich ergehen lassen müssen und trug dabei – wie kaum ein anderes Amt Ihrer Stadt – einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung bei.

Die beabsichtigte Zuschussreduzierung wird automatisch zum Abbau des Angebots, der Qualität und zu Einnahmeverlusten führen – ein irreparabler Schaden des kulturellen Lebens in Bonn! Ein Teufelskreis würde damit ausgelöst, der das Ende des Theaters einläutet. Diesem können Sie nur begegnen, indem Sie Ihren Verpflichtungen nachgehen und die notwendige Finanzierung sichern.

Ihre Tanz-Sparte haben Sie bereits geopfert – eine Blamage für Bonn, die in der Vergangenheit als Tanzstadt international angesehen war. Eine Kunstgattung so zu eliminieren, war eine unverzeihliche Sünde.

Zu den Voraussetzungen eines funktionierenden Theaters gehört selbstverständlich eine auskömmliche Finanzierung seitens der Stadt. Eine dauernde Debatte über Einsparungen lenkt von der eigentlichen Aufgabe des Theaters ab. Wenn die Stadt Bonn glaubt, ihre problematische Finanzsituation durch wiederholte Einsparungen am Theateretat lösen zu können, dann begeht sie ein Vergehen gegenüber dieser Institution und verkennt die Realität. Die Folgen für die Kultur in Ihrer Stadt wären unabsehbar.

Wie soll das Theater mit solchen finanziellen Sorgen planen und erfolgreich sein?

Mit Ihrem Theater haben Sie nicht nur einen Standort-Vorteil für Ihre Stadt und die dort lebenden Menschen, sondern auch eine wichtige Säule für die kulturelle Bildung, in die investiert werden sollte und muss.

Gerade in schwierigen Zeiten sind Sie als Politiker gefordert, Entscheidungen mit Weitsicht zu treffen. Vergessen Sie nicht, dass die Existenz aller Mitarbeiter des Theaters und deren Familien, die eine wertvolle Aufgabe für unsere Gesellschaft erfüllen, von Ihrem Handeln abhängt.

Ein klares „JA“ für Ihr Theater wird sich auszahlen! Die letzten Jahrzehnte sind ein Beleg dafür.

Wollen Sie als Totengräber des Theaters in Erinnerung bleiben? Wir hoffen und wünschen es nicht.

Wir brauchen mehr Kultur und nicht weniger!

Wir wünschen Ihnen und uns weise Entscheidungen!

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

(Nachtrag vom 15.11.2010: eine erste Reaktion auf den obigen offenen Brief lässt sich im General-Anzeiger in dem Artikel „Überregionales Echo auf Bonner Kultur-Sparpläne“ nachlesen)

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