Jörg Rowohlt Geschrieben am 30 September, 2015

Offener Brief des Landesverbandes NRW der GDBA an den Oberbürgermeister von Hagen: Schwerwiegender Vertrauensbruch gegen das Theater

Ludwig BarnayDas Theater im nordrhein-westfälischen Hagen soll kreativer werden, finden Oberbürgermeister Erik O. Schulz und sein Kämmerer Christoph Gerbersmann. Allerdings meinen sie damit nicht die Leistungen auf der Bühne, sondern – wie sollte es anders sein – noch mehr Einsparungen. Der städtische Zuschuss von 15 Millionen Euro soll bis 2018 um 1,5 Millionen Euro gekürzt werden. Nach Medienberichten müsste das Theater schon 2016 ein existenzgefährdendes Einsparvolumen von einer Million Euro aufbringen. Das 1911 gegründete Theater Hagen ist ein Viersparten-Theater mit Musiktheater, Ballett, Schauspiel und Kinder- und Jugendtheater. Das Theater hat jährlich rund 188.000 Besucher und ist seit Januar eine rechtlich selbständige gemeinnützige GmbH. Zur jetzigen Situation hat der GDBA-Landesvorsitzende NRW, Adil Laraki, einen Offenen Brief an den Hagener Oberbürgermeister Erik O. Schulz (parteilos) geschrieben. Hier der Inhalt im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

vor knapp einem Jahr wurde mit unserer Beteiligung ein Überleitungsvertrag für die Beschäftigten des Theaters Hagen ausgehandelt und abgeschlossen. Die Stadtspitze versprach mit der Gründung der gGmbH, das Theater in eine sichere Zukunft durch eine neue Rechtsform zu überführen. Nach einer Einsparung von über 3,5 Millionen € seit 2007 seitens des Theaters verbunden mit vielen Opfern für die Beschäftigten, schien dieses Versprechen logisch und nachvollziehbar zu sein. Auf dieser Grundlage wurde allen Beschäftigten empfohlen, dem Übergang zur GmbH zuzustimmen.

Die GDBA ist über den ungeheuerlich scharfen Ton der Hagener Stadtspitze gegenüber dem Theater entsetzt. Statt die Sparanstrengungen des Theaters samt all seiner Beschäftigten zu würdigen, werden sie erneut mit unrealisierbaren Einsparungsforderungen konfrontiert. Das Theater hat signalisiert, alle Anstrengungen auf sich zu nehmen und weitere Konsolidierungsmaßnahmen, die möglich sind, zu leisten.

Die Verantwortlichen mit Ihnen als Oberbürgermeister an der Spitze bestehen aber weiterhin auf nicht umsetzbaren Forderungen. Hagen ist zurzeit die einzige Stadt in NRW, die ihr Theater in seiner Existenz akut gefährdet, obwohl andere Städte unter einem größeren finanziellen Druck stehen als Hagen. Wir fordern Sie als Oberbürgermeister auf, einen Runden Tisch mit Theaterleitung, Personalrat, allen Gewerkschaften sowie dem Deutschen Bühnenverein einzurichten, um die Zukunft des erfolgreichen Hagener Theaters auf eine stabile Grundlage zu stellen. Dabei ist die Beteiligung der neuen Kulturministerin nicht ohne Bedeutung, da Anfang dieses Jahres das Kulturfördergesetz NRW, das erste in Deutschland, in Kraft getreten ist.

Auch im Hinblick auf die neuerliche Erklärung der Deutschen UNESCO-Kommission, die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft zum immateriellen Kulturerbe zu ernennen, ergibt sich für Sie eine Verpflichtung, Ihr Theater als Teil dieser Landschaft zu schützen.

Wir bitten Sie, zeitnah ein entsprechendes Treffen zu organisieren, um im Interesse des Theaters und seiner Beschäftigten sowie der Stadt Hagen eine gute Lösung zu verabreden.

Mit freundlichen Grüßen.

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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