Jörg Löwer Geschrieben am 3 September, 2012

Offener Brief der GDBA an den Oberbürgermeister von Münster fordert: Fortbestand aller Sparten am Theater Münster

Der Landesvorsitzende NRW der GDBA, Adil Laraki, protestiert in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, gegen Spartenschließungen am Theater Münster:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

kaum stellt die Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) fest, dass die Stadt Münster neben den größten Metropolen Deutschlands den 7. Platz im Städtevergleich mit ihrem kulturellen Angebot belegt, kündigen Sie weitere massive Einsparungen für das Theater Münster an.

Anscheinend läuft in Nordrhein-Westfalen ein Wettbewerb unter den Kommunalpolitikern mit dem Ziel, die mühsam aus der Bürgerschaft aufgebauten Theater zu ruinieren. Nach Wuppertal, Hagen, Oberhausen, Duisburg, Bonn usw. strebt auch Münster an, sein Theaterangebot zu minimieren. Die o. g. Studie stellt fest: “Generell ist die Kulturrezeption in den deutschen Städten dort am höchsten, wo die Arbeitskräfte ein überdurchschnittlich hohes Bildungsniveau haben.” Da fragt man sich: Wohin wollen Sie mit Ihrer Stadt?

Aufregend wird Ihre schöne Stadt Münster maßgeblich erst mit den Angeboten der fünf Sparten Ihres Theaters, die Ihren Bürgern schöne und interessante Momente bescheren. Die Unterschiedlichkeit der Kunstgattungen befriedigt die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bevölkerung und trägt wesentlich zur kulturellen Bildung bei. Die vorgenannte Studie stellt zudem fest: “Kulturelle Vielseitigkeit bestimmt nicht nur die Attraktivität einer Stadt, sie ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, denn Städte- und Kulturtourismus befinden sich auf Wachstumskurs.”

Der finanzielle Aufwand für Ihr Theater hat ja nicht zu der desaströsen Finanzlage Münsters geführt. Die Verursacher Ihrer bedrohlichen Situation sind die Entscheidungsträger auf Bundesebene, die Gesetze beschließen, die Sie auf kommunaler Ebene finanzieren müssen. Seien Sie mutig, wehren Sie sich gegen die Verursacher! Sie brauchen eine Lösung, die Ihrer Stadt dauerhaft hilft. Machen Sie es sich nicht leicht und lassen Sie es nicht zu, dass sich an den schwächsten Bereichen, Ihren Kultureinrichtungen, vergriffen wird! Selbst wenn Sie alle Kultureinrichtungen Ihrer Stadt schließen, wäre die Finanzmisere von Münster nicht gelöst.

Kürzungen im Theater, die zur Vernichtung von Kunst und Kultur führen, haben für Ihre Stadt verheerende Folgen. Der Deutsche Städtetag warnt in diesem Zusammenhang vor nicht mehr rückgängig zu machendem Schaden: „Die wirtschaftliche Entwicklung und die Ertragssituation von privatwirtschaftlichen Unternehmen stabilisiert sich in der Regel nach Krisen. Das gilt aber nicht für die in der Finanzkrise verlorene Kunst und kulturelle Infrastruktur. Im Kulturbereich einmal ‚abgewickelte’ Einrichtungen und aufgelöste Netze bleiben für die Menschen verloren. Anders ausgedrückt: Materielle Werte können nach deren Verlust wieder geschaffen werden, immaterielle hingegen nicht.“ Eine Zuschussreduzierung des Kulturetats, wie sie jetzt geplant ist, schädigt das kulturelle Leben in Münster nachhaltig!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland aus dem Nichts der Wiederaufbau der Theater mit großer Leidenschaft vorangetrieben. Das hat die Entwicklung unseres Landes sehr positiv beeinflusst und hatte auch dem Ausland gegenüber eine wichtige Signalwirkung. Unsere Theaterlandschaft wird auf der ganzen Welt als etwas Besonderes angesehen und findet immer mehr Nachahmer.

Sie sind dabei, die Axt an ein unverzichtbares Kulturgut zu legen. Als föderaler Staat darf die Kulturversorgung nicht nur auf temporäre Leuchttürme und Events beschränkt werden! Das Recht auf gleiche Lebensbedingungen, die uns unsere Verfassung garantiert, ist bei den vorgeschlagenen Kürzungen in Münster nicht mehr gewährleistet. Kultur ist kein Luxus, sondern eine zwingende Notwendigkeit und eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und die Zukunft unserer Kinder! Münster darf auf den sozialen Input kultureller Werte nicht verzichten.

Im Vergleich zu anderen Städten ist die Finanzierung des Theaters in Münster nicht besonders hoch. Für nur ca. 19 Mio. € kann sich die Bevölkerung in Münster über ein vielfältiges und hervorragendes Angebot verschiedener Kunstgattungen freuen. Dies haben wir in erster Linie dem besonderen Einsatz und der hohen Kompetenz aller Mitarbeiter dieses Institutes zu verdanken, die mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben.

Dass Ihre Theatermitarbeiter am Tag der Spielzeiteröffnung aus der Presse die Zerschlagungsabsicht Ihres Arbeitgebers erfahren, ist ein Skandal. Dies widerspricht jeglicher Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers. Die Weigerung, mit dem Arbeitnehmervertreter zu sprechen, erinnert an Methoden, die im 21. Jahrhundert in unserem Land nichts zu suchen haben.

Sie haben sich bei der Intendantensuche große Mühe gegeben. Ihnen ist es gelungen, Dr. Peters zu überzeugen, das Theater in Münster zu übernehmen. Diese Verpflichtung ist er nur eingegangen, weil er ein Haus mit fünf Sparten leiten wollte. Wenn die Grundlage des Intendantenvertrages durch Ihre Entscheidung wegfällt, gibt es für ihn keinen Grund mehr, in Münster zu bleiben. Kann sich Münster diesen Skandal leisten?

In dieser Situation fragt man sich doch:

Wie soll das Theater mit solchen finanziellen Sorgen planen und erfolgreich sein?

Wir fordern Sie auf, mutig und offensiv für den Stellenwert der Kultur in Ihrer Stadt einzustehen und für den Erhalt Ihres Theaters zu kämpfen! Ein klares „JA“ für Ihr Theater wird sich auszahlen! Die letzten 240 Jahre Theatergeschichte sind ein Beleg dafür. Wir brauchen mehr Kultur und nicht weniger!

Nicht zuletzt: Vergessen Sie nicht, dass die Existenz aller Mitarbeiter des Theaters und deren Familien, die eine wertvolle Aufgabe in unserer Gesellschaft erfüllen, von Ihrem Handeln abhängig ist!

Wir wünschen Ihnen und uns weise Entscheidungen für eine Zukunft, in der kulturelle Werte wieder Bestand haben können.

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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