Jörg Löwer Geschrieben am 12 November, 2012

Offener Brief der GDBA an den Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal: Betriebsbedingte Entlassungen bei den Wuppertaler Bühnen. Sparen Sie Ihr Theater nicht kaputt!

Der Landesverband NRW der GDBA hat sich erneut in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Herrn Peter Jung, gewandt:

 Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger dankt Ihnen für Ihre Antwort.

Im Gegensatz zu Ihrer Behauptung sind wir über die Geschehnisse bei den Wuppertaler Bühnen bestens informiert. Die bisher entschiedenen Entlassungen wurden ausschließlich mit den Kürzungen des Etats begründet und sind keinesfalls sozialverträglich. Ihr Wortbruch diesbezüglich demonstriert wieder, dass auf politische Aussagen kein Verlass ist. Um gewählt zu werden, scheint jedes Mittel recht zu sein. Dieses Verhalten ist ein Nährboden für die Politikverdrossenheit, die unsere Demokratie gefährdet.

Auf der Betriebsversammlung im Theater behaupteten Sie, dass alle getroffenen Personalentscheidungen bei den Wuppertaler Bühnen sozialverträglich entschieden worden sind.

Eine Kollegin einige Tage nach ihrer Entbindung zu entlassen, ist skandalös. Eine andere Kollegin, die auf ihr Einkommen angewiesen ist, nach sieben Spielzeiten Beschäftigung zu feuern, ohne auf die Einsparungsvorschläge des Betriebsrates einzugehen, ist schäbig. Beide Kolleginnen werden im bühnentechnischen Bereich eingesetzt und sind nur 2 Beispiele für viele andere entlassene Mitarbeiter. Sie scheinen vom sozialverträglichen Personalabbau ein anderes Verständnis zu haben, als allgemein üblich ist. Dass im öffentlichen Dienst in Wuppertal solche Methoden angewendet werden, ist erst unter Ihrer Führung möglich geworden.

Die soziale Härte ist für die Mitarbeiter, die unter NV-Bühne beschäftigt sind, sehr problematisch. Gerade diese Kollegen, die typische Theaterberufe ausüben, haben kaum eine Chance eine neue Einstellung zu bekommen. Alle Theater in Deutschland bauen sozialverträglich Stellen ab. Vakante Stellen für diese Bereiche sind kaum vorhanden. Arbeitslosigkeit und dann Hartz IV werden in vielen Fällen für die Kollegen die Folge sein. Der soziale Abstieg wird das Resultat sein. Die Finanzierung von sinnvoller Arbeit, die Ihrer Stadt und Ihren Bürgern zu Gute kommt, schaffen Sie ab. Stattdessen wird die Arbeitslosigkeit finanziert. Wollen Sie Sinnlosigkeit und Frust finanzieren?

Wie soll ein Theater den Zuschauern Werte vermitteln und sich kritisch über gesellschaftliche Entwicklungen äußern, wenn sich seine Leitung unsozial gegenüber seinen eigenen Mitarbeitern verhält? Wie können sich die nicht entlassenen Mitarbeiter noch für ein Theater mit einer derartigen Führung engagieren?

Notwendige Veränderungen vorzunehmen, ohne die Beschäftigten zu informieren geschweige denn zu beteiligen, führt zu katastrophalen Auswirkungen. Es herrscht nur noch Angst und Misstrauen. Jede Möglichkeit zur Abwanderung wird genutzt. Qualifizierte Bewerber werden andere Häuser anstreben. Dies alles führt zu Qualitätsverlust und mangelnder Akzeptanz seitens des Publikums. Sie steuern auf einen Teufelskreis zu.
Die Mitarbeiter waren und sind bereit, einen Beitrag zu den Einsparungen zu leisten. Sie akzeptieren aber nicht, dass ihr Theater kaputt gespart wird.

Wir fordern Sie auf, sich verantwortlich zu verhalten und als Aufsichtsratsvorsitzender darauf zu achten, dass das Theater die geäußerten politischen Versprechungen anwendet. Dass mit den Arbeitnehmern und ihrer Vertretung im Dialog Lösungen erarbeitet werden, die die Zukunft der Wuppertaler Bühnen sichern. Es müsste selbstverständlich sein, dass die von den Einsparungen 2012 betroffenen Menschen auch beteiligt und ernst genommen werden. Vergessen Sie nicht, dass Ihre Mitarbeiter auch Bürger Ihrer Stadt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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