Jörg Löwer Geschrieben am 5 Oktober, 2010

Offener Brief aus Leipzig und Sorgen in Thüringen

Ludwig BarnayIn einem gemeinsamen Appell haben sich der kommissarische Opernintendant Alexander von Maravic, Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz und Centraltheater-Intendant Sebastian Hartmann am 01.10.2010 an die Bürger der Stadt Leipzig gewandt. Damit richten sie sich entschieden gegen die für Dezember 2010 geplante Novellierung des sog. Kulturraumgesetzes durch den Sächsischen Landtag.

Der Text der Resolution im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren!
Liebes Publikum!

Lassen Sie nicht zu, dass in Zeiten finanzieller Krisen den wichtigsten Kulturträgern Ihrer Stadt die Luft zum Atmen genommen wird!

Die Lage ist dramatisch, weil der Freistaat Sachsen beabsichtigt, die für die Stadt Leipzig zugedachten Mittel nach dem Kulturraumgesetz drastisch in Millionenhöhe zu kürzen, und die Stadt Leipzig plant, die Mittelkürzung an die großen Kultureigenbetriebe Oper, Gewandhaus und Centraltheater in voller Höhe weiterzugeben.

Auf die Kultureigenbetriebe kommen in den nächsten Jahren bereits große Mehrbelastungen durch hohe Tarifsteigerungen zu. Eine darüber hinaus gehende Mittelkürzung hätte für die drei Häuser verheerende Konsequenzen. Das künstlerische Angebot müsste durch die Streichung von Inszenierungen, Konzertreihen und Aufführungen drastisch reduziert werden. Es drohen zudem Spartenschließungen.

Kaputtgesparte Opern,Theater und Konzerthäuser sind ein nicht nur finanzielles, sondern vor allem auch geistiges Armutszeugnis.

Zeigen Sie sich solidarisch und unterstützen Sie uns bitte mit Ihrer Unterschrift. Listen liegen ab sofort in der Oper, im Gewandhaus und im Centraltheater aus.

Leipzig, den 1. Oktober 2010

Alexander von Maravic, Kommissarischer Intendant
Prof. Andreas Schulz, Gewandhausdirektor
Sebastian Hartmann, Intendant

Im Zuge des gemeinsamen Appells machen Künstler und Mitarbeiter der Oper Leipzig unter dem Titel „Aktion Kunst“ ab dem 11. Oktober jeden Montag um 13.00 Uhr in der Kassenhalle des Opernhauses mit verschiedensten Beiträgen auf das Anliegen aufmerksam und hoffen auf einen regen Austausch mit ihrem Publikum.

Weitere Hintergründe zum Thema kann man hier in der Leipziger Volkszeitung und hier im aktuellen Leitartikel von Hans Herdlein in der bühnengenossenschaft nachlesen.

Auch der TPT Theater und Philharmonie Thüringen GmbH drohen Einschnitte, wie der MDR hier berichtet. Die Höhe des Finanzlochs im Theateretat wird im Beitrag auf eine Million Euro beziffert. Die Rücklagen sollten eigentlich bis 2012 reichen, seien aber nun aufgebraucht. Es stehe alles auf dem Prüfstand, wird Generalintendant Matthias Oldag nach einer Sitzung des Aufsichtsrates zitiert. Zunächst waren vor allem „überraschend hohe Tarifanpassungen“ für die Misere verantwortlich gemacht worden, obwohl am Theater seit langen Jahren Haustarifverträge gelten und die Mitarbeiter/innen somit ihren Sparbeitrag leisten. Dies wurde von der GDBA in einer Pressemitteilung scharf kritisiert. Nachzulesen hier.

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