Kolumne November 2012

Geschrieben am 12.November 2012 von Hans Herdlein

Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen in starkem Verbund

[1]

Vorstandsvorsitzender Lothar Panzer
in den Ruhestand verabschiedet

Dynamisierung des
Anwartschaftsverbandes 3

Neu: Versicherung von
Mutterschutzzeiten


Am 26. Oktober 2012 fand in München die Jahressitzung des Verwaltungsrats der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen statt. Sie stand unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden der Bayer. Versorgungskammer, Lothar Panzer. Herr Panzer wird Anfang des kommenden Jahres in den Ruhestand treten. Durch sein persönliches Engagement und seinen Gestaltungswillen hat er in ganz besonderem Maße dazu beigetragen, die Bayerische Versorgungskammer als kompetenten und anerkannten Dienstleister im Bereich der berufsständischen und kommunalen Altersversorgung in Deutschland zu etablieren und als international agierenden institutionellen Investoren auszurichten. Er hat das Vertrauen in die bei der Bayerischen Versorgungskammer bestehenden Versorgungssysteme gestärkt. Sie gelten als stabile und sichere Konstanten der Altersversorgung in der ersten und zweiten Säule des Altersversorgungssystems in Deutschland. Insbesondere die kapitalgedeckten Versorgungssysteme konnten dabei durch vorausschauendes, mutiges und gleichsam vorsichtiges Agieren auf den weltweiten Kapitalmärkten sicher und besonnen durch ein unruhiges und sehr dynamisches Kapitalmarktumfeld gesteuert werden. Im Bereich der berufsständischen und kommunalen Versorgungssysteme hat Herr Panzer zur Förderung wichtiger staatlicher und gesellschaftlicher Belange beigetragen und sich in besonderem Maße um das allgemeine Wohl mit Bedeutung weit über Bayern und Deutschland hinaus verdient gemacht.

Mit seiner Amtszeit unmittelbar verknüpft sind:

  • ein dynamisches Wachstum der Versorgungseinrichtungen,
  • die Übernahme neuer Mitgliederbestände in Bayern und anderen Bundesländern,
  • Auf- und Ausbau des Risikomanagements und der internen Sicherungssysteme,
  • die frühzeitige Absicherung der Finanzierungssysteme der Versorgungseinrichtungen zur Reaktion auf Längerlebigkeit und ein zunehmend schwierigeres Kapitalmarktumfeld,
  • eine mehrfach prämierte strategische Neuausrichtung der Kapitalanlage unter Risikogesichtspunkten,
  • die Selbstverpflichtung zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage,
  • die technische und organisatorische Neuausrichtung der Bayerischen Versorgungskammer als kompetenter Dienstleister für berufsständische und kommunale Altersversorgung,
  • die konsequente Ausrichtung der Bayerischen Versorgungskammer als ein attraktiver Arbeitgeber zur Gewinnung und Bindung qualifizierten Personals.

Dynamisches Wachstum der Versorgungseinrichtungen

31.12.2002

31.12.2011

Veränderung

Versicherte

1.204.284

1.584.436

+ 27 %

Versorgungsempfänger

234.215

317.540

+ 32 %

Beitragsvolumen / Jahr

2.432.962 €

3.844.000 €

+ 57 %

Kapitalanlagebestand

27.076.000.000 €

51.697.000.000 €

+ 81 %

 

Während sich die Bestandszahlen für Versicherte und Versorgungsempfänger um jeweils mehr als 30% erhöht haben, stieg das jährliche Beitragsaufkommen um über 50% und der Kapitalanlagebestand hat sich in dieser Zeit nahezu verdoppelt.

Übernahme neuer Mitgliederbestände in Bayern und anderen Bundesländern

In die Amtszeit von Herrn Panzer fielen nachfolgende Bestandserweiterungen:

01.09.2003

Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Freistaat Thüringen [2] über die Zugehörigkeit der kammerangehörigen Ingenieure des Freistaats Thüringen

01.09.2003

Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Hessen [3] über die Zughörigkeit der kammerangehörigen Ingenieure des Landes Hessen zur Bayerischen Ingenieurversorgung-Bau

01.01.2006

Änderung des Gesetzes über das öffentliche Versorgungswesen zur Einbeziehung der Patentanwälte mit Kanzleisitz in Bayern in die Bayerische Rechtsanwalts- und Steuerberaterversorgung

01.01.2006

Änderung des Gesetzes über das öffentliche Versorgungswesen zur Einbeziehung der psychologischen Psychotherapeuten in Bayern in die Bayerische Ingenieurversorgung-Bau

01.11.2008

Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Saarland [4] über die Zugehörigkeit der Mitglieder der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes zur Bayerischen Ingenieurversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung

2012/2013

Schlussverhandlung des Staatsvertrags zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Nordrhein-Westfalen über die Zugehörigkeit der Patentanwälte im Land Nordrhein-Westfalen zur Bayerischen Rechtsanwalts- und Steuerberaterversorgung.

Angesichts dieser umfassenden Bilanz der Schaffensperiode des Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Versorgungskammer, Lothar Panzer, sprach ihm der Verwaltungsrat für seine Arbeit Dank und hohe Anerkennung für seine Leistung im Dienste der Versicherten und ihrer Versorgungswerke aus. Aus Anlass seines bevorstehenden Ausscheidens verlieh GDBA-Präsident Hans-Christoph Kliebes, Herrn Panzer – unter starkem Beifall – das „Große Goldene Ehrenzeichen für besondere Verdienste“.

Tagesordnung

Mit dem Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst die anstehende Wahl der Vertreter im Kammerrat aufgerufen. Der Verwaltungsrat wählte für die kommende Amtsperiode erneut die Verwaltungsratsmitglieder Hans Herdlein, als Vertreter sowie Rolf Bolwin und Jürgen Schitthelm zu Stellvertretern.

Es folgten der Geschäfts- und Lagebericht der Geschäftsleitung, der Bericht über die versicherungstechnische Lage und der Bericht des Wirtschaftsprüfers.

Die Geschäftsentwicklung im Jahr 2011 verlief planmäßig. Hervorgehoben wurden folgende Aspekte (Prüfungsbericht 2011, auszugsweise):

  • Die Kapitalanlagenbestände sind um EUR 64,9 Mio oder 2,6 % auf EUR 2.607 Mio gestiegen. Allerdings liegen die Nettoerträge aus Kapitalanlagen um EUR 8,0 Mio oder 7,2 % unter dem Vorjahresniveau. Im Berichtsjahr wurden Abschreibungen in Höhe von EUR 13,1 Mio auf festverzinsliche ausländische Wertpapierspezialfonds vorgenommen. Durch Ausschüttungen aus den Wertpapierspezialfonds konnte die Mindestverzinsung erreicht werden.

  • Die Anzahl der Versicherten erhöhte sich um 2,6 % auf 79.329. Hiermit ging eine Erhöhung des Beitragsaufkommens um EUR 0,7 Mio oder 0,9 % auf EUR 76,1 Mio einher. Die Versorgungsleistungen – ohne Regulierungskosten und ohne Erstattungen wegen Versorgungsausgleichs – nahmen gegenüber dem Vorjahr um 2,1 % auf EUR 93,6 Mio zu. Die Zahl der Versorgungsempfänger stieg um 1,6 % auf 12.429.

  • Die versicherungstechnischen Rückstellungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um EUR 71,8 Mio oder 2,8 % auf EUR 2.656 Mio.

  • Der Verwaltungskostensatz ist auf 7,53 % (Vj. 8,09 %) gesunken. Der Gesamtkostensatz betrug im Berichtsjahr 4,55 % (Vj. 4,81 %).

Zur voraussichtlichen Entwicklung der Versorgungsanstalt gelangt der Prüfungsbericht zu folgenden Einschätzungen:

  • Aufgrund der angespannten Situation der Kulturhaushalte der Länder und Kommunen wird kein Wachstum erwartet. Dementsprechend wird sich die konstante Entwicklung der Anzahl der beitragspflichtigen Versicherten fortsetzen. Die Zahl der Versorgungsempfänger wird entsprechend der Altersstruktur des Bestands weiter steigen.

  • Bei gleichbleibendem Bestand der beitragspflichtigen Versicherten werden die Beitragseinnahmen allenfalls aufgrund von Gehaltssteigerungen steigen, die freiwilligen Beiträge sind eher rückläufig.

  • Entsprechend der planmäßigen Zunahme der Versorgungsempfänger werden die Versorgungsleistungen weiter steigen. In Anbetracht des sehr niedrigen Zinsniveaus für festverzinsliche Kapitalanlagen muss der Sicherung der Versorgungsleistungen oberste Priorität eingeräumt werden; dies schränkt den Dynamisierungsspielraum weiter ein.

  • Unter Berücksichtigung der schwer prognostizierbaren Entwicklung der Kapitalmärkte sowie der Kapitalanlagestrategie wird die Diversifizierung der Kapitalanlagen weiter verfolgt. Investitionen in Substanzwerte und risikoarme Anlagen stehen dabei im Vordergrund.

Zusammenfassend gelangt die Prüfung zum dem Ergebnis: Die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, München, ist geordnet und ergibt sich zutreffend aus dem Jahresabschluss. Eine ausreichende Liquidität zur Bestreitung der laufenden Zahlungsverpflichtungen ist durch eine laufende Liquiditätsplanung gewährleistet.

Zum Jahresabschluss, Lagebericht und EntlastungderGeschäftsführung fasste der Verwaltungsrat einstimmig folgenden Beschluss:

  • Der von der Geschäftsführung aufgestellte Jahresabschluss und der Lagebericht für das Geschäftsjahr 2011 sind durch die Ernst & Young GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München, geprüft und mit dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen worden. Dem Ergebnis stimmt der Verwaltungsrat zu.

  • Der Verwaltungsrat billigt den Jahresabschluss und den Lagebericht der Geschäftsführung. Der Jahresabschluss ist damit festgestellt.

  • Der Geschäftsführung wird Entlastung erteilt.

  • Der Verwaltungsrat stimmt dem Vorschlag der Geschäftsführung und des Verwaltungsrats (Abschnitt D des Geschäftsberichts) für das Jahr 2011 zu.

Einen ausführlichen Bericht über die Kapitalanlagen nahm der Verwaltungsrat zustimmend zur Kenntnis.

Dynamisierung des Anwartschaftsverbandes 3

Über die Verwendung der Mittel in der Rückstellung entscheidet der Verwaltungsrat im Rahmen seiner Befugnis zur Gewährung von Leistungsverbesserungen. Die Mittel sollten angesichts der finanziellen Lage und des weiter zu erwartenden schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zurückgehalten werden. Hinzu kommt die Neuregelung einer Versicherung von Mutterschutzzeiten, die zu finanzieren ist. Unter diesen Voraussetzungen beschloss der Verwaltungsrat nur den Anwartschaftsverband 3 mit derzeit 2,00 % Rechnungszins auf das Niveau der von 2006 bis 2010 erworbenen Anwartschaften (Anwartschaftsverband 2 mit 3,25 % Rechnungszins) anzuheben. Nach diesem Beschluss werden zum 1. Januar 2013 die Anwartschaften des Anwartschaftsverbandes 3 auf laufende Versorgungsleistungen, die bis zum 31. Dezember 2011 erworben wurden, um 1,25 % erhöht.

Versicherung von Mutterschutzzeiten

Der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 1. Juni 2005 (IV ZR 100/02) sowie das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 28. April 2011 (1 BvR 109/10) haben entschieden, dass bei der Errechnung von Versicherungsrentenanwartschaften bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) Mutterschutzzeiten wie Umlagemonate zu berücksichtigen sind. Andernfalls stelle es einen Verstoß gegen die Richtlinie 86/378 EWG dar. Diese Richtlinie dient der Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei den betrieblichen Systemen der sozialen Sicherheit. Nachdem diese Neuregelung bei der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes eingeführt wurde, hat der Arbeitsausschuss die Verwaltung beauftragt, für die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen einen entsprechenden Satzungsentwurf vorzulegen.

Der Verwaltungsrat beschloss einstimmig, eine Neuregelung – § 17 a – in die Satzung aufzunehmen, nach der Zeiten des Mutterschutzes entsprechend § 3 Abs. 2 und § 6 Abs. 1 des Mutterschutzgesetzes als Zeiten der Pflichtversicherung gelten, wenn die Mutter bei einem Mitglied beschäftigt ist. (Die Regelungen im Einzelnen und der Zeitpunkt ihres Inkrafttretens werden gesondert in einem Merkblatt der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen erläutert).

Wirtschaftsplanung 2013

Der Verwaltungsrat stimmte der Plan-Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2013 zu.

In seinem abschließenden Bericht aus der Verwaltung und dem Kammerrat, teilte Vorstandsvorsitzender Lothar Panzer mit, dass vorgesehen ist, die bestehende Personalunion zwischen der Leitung des Bereichs B, von dem die Versorgungsanstalt vorrangig betreut wird, und der Funktion des entsprechenden Ressortvorstands zu trennen. Über die Besetzung der Leitung des Bereichs B ab 1. Februar 2013 erteilte der Verwaltungsrat sein Einvernehmen. Mit Dank für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit beendete Lothar Panzer die Sitzung des Verwaltungsrates.


Diese Inhalte sind der Website Buehnengenossenschaft: https://www.buehnengenossenschaft.de entnommen

URLs in diesem Beitrag:

[1] Bild: https://www.buehnengenossenschaft.de/wp-content/uploads/2012/11/buehnengenossenschaft_11_12.jpeg

[2] Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Freistaat Thüringen: http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/bvk/bingv/rechtsgrundlagen/staatsvertrag_thueringen.pdf

[3] Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Hessen: http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/bvk/bingv/rechtsgrundlagen/staatsvertrag_hessen.pdf

[4] Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Saarland: http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/bvk/bingv/rechtsgrundlagen/staatsvertrag_saarland.pdf

Copyright © 2009 Buehnengenossenschaft. All rights reserved.