Jörg Löwer Geschrieben am 24 Februar, 2010

Krisenticker: Petitionen, Resolutionen, Bürgerbegehren, Demos

Ludwig BarnayIm aktuellen Leitartikel der bühnengenossenschaft lässt sich eine ausführliche Analyse des Theaternotstands in deutschen Landen nachlesen. Auch in diesem Blog gab es mehrere Beiträge (hier, hier und hier) zum Thema. Damit alle interessierten/geschockten/besorgten LeserInnen nicht den Überblick verlieren, wird im Folgenden eine Übersicht der Petitionen, Bürgerbegehren und Demonstrationen aufgezeigt, die Gelegenheit zur aktiven Protestäußerung bieten:

DEMOS

Die Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins ruft alle Theater dazu auf, mit einem 5 – 8 minütigen Beitrag gegen die drohende Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses zu demonstrieren. Anlässlich des Welttheatertags am 27. März soll es eine Großkundgebung in Wuppertal geben.

Das Dessauer Theater hat zu einer Protestaktion gegen die Sparliste der Stadt vor der Eröffnung des Kurt Weill Festes am Freitag (26. Februar) aufgerufen. Dessau-Roßlau plant angesichts der aktuellen Finanzmisere die Einsparung von 13,8 Millionen Euro. Dies beinhaltet die Reduzierung der Zuwendungen für das Anhaltische Theater um 3,5 Mio. Euro ab 2013, wodurch durch analoge Förderpraxis weitere 3,5 Mio. Euro vom Land weggfallen würden. Generalintendant André Bücker: „Die Schließung des Dessauer Theaters nach über 200 Jahren wäre ein Offenbarungseid für die heute Verantwortlichen in diesem Land. Aber hier geht es um viel mehr als die Schließung eines Theaters, die im übrigen auch für das international angesehene Kurt-Weill-Fest und für die Vergegenwärtigung des Unesco-Weltkulturerbes in der Region existenzielle Folgen hätte. Hier geht es generell um den Niedergang eines Gemeinwesens. Sollte diese Liste Wirklichkeit werden, wäre Dessau eine Stadt ohne Zukunft und Perspektive.“

Am 26.02.10 ab 9:30 Uhr rufen Betriebsrat und Vorstände des Musiktheaters Flensburg zur Teilnahme an einer Demonstration „Rettet das LandesTheater“ vor dem Kieler Landtag auf.

BÜRGERBEGEHREN

Mit dem Aufruf „Mut zu Kultur“ starteten die Bürgerinitiativen „Köln kann auch anders“ und „Köln Komment“ ein in der Stadt kontrovers diskutiertes Bürgerbegehren. Der Rat der Stadt Köln hat sich für den Abriss des Schauspielhauses und der Opernterrassen sowie für einen „abgespeckten Neubau“ ausgesprochen. In den Augen der Initiatoren des Bürgerbegehrens „nehmen die Entscheider in Kauf, dass das einzigartige Bühnenensemble des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn (*1889 in Köln, †1963 ebenda) zerstört wird“ und das, „obwohl durch das drastisch reduzierte Raumprogramm die ursprüngliche Begründung für den Neubau hinfällig wurde“. Zu den Unterstützern der Initiative gehören prominente Politiker, Autoren und Künstler, darunter Dirk Bach, Maxim Biller, Jürgen Flimm, Dominik Graf, Udo Kier und Alice Schwarzer. Kritiker des Begehrens sind u.a. der Kölner Kulturdezernent Georg Quander („zum völlig falschen Zeitpunkt“), Oberbürgermeister Jürgen Roters und Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg (Erst mal alles kaputt reden und dann ein Chaos produzieren, in dem man zehn Jahre lang festsitzt).

PETITIONEN UND RESOLUTIONEN

In einem früheren Blogbeitrag wurde bereits über die online-Petitionen für den Erhalt des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, der Landesbühne Niedersachsen Nord und des Theaters in Wuppertal berichtet.

Das Schlosstheater Moers und die Freunde des Schlosstheaters Moers e.V. haben einen Appell für den Erhalt der kulturellen und sozialen Vielfalt in der Stadt Moers verfasst. Auch hier „sind mit den Sparvorschlägen, die der Kämmerer dem Rat der Stadt Moers vorgelegt hat, um ein Haushaltssicherungskonzept einzuleiten, zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen sowie Festivals in Moers von der Schließung bedroht“.

Unterzeichner der hier befindlichen Aktion fordern die Rücknahme des Beschlusses des Stiftungsrates vom 26.11.2009 zum dramatischen Personalabbau des Sorbischen National-Ensembles in Bautzen.

Die Probleme sind groß und viele machen Vorschläge, WER das WIE lösen/bezahlen soll. Einen wichtigen Satz sprach Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann in diesem Zusammenhang: „Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen – dort wird unsere Freiheit in Wirklichkeit konstituiert und verteidigt.“ (hier der gesamte Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung)

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