Jörg Löwer Geschrieben am 5 März, 2010

Krisenticker: Die Kulturhauptstadt Essen zerschlägt die Kultur – Betriebsrat befürchtet Schließung des Aalto-Theaters

Ludwig BarnayDer Spar-Tsunami überrollt Essen. Die Stadtverwaltung Essen mit Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) an der Spitze stellte am 03.03.2010 ein Sparpaket vor, dass die Existenz der Theater und Philharmonie (TUP) gefährdet (aus Der Westen folgende Artikel: „Essener Bürger müssen erhebliche Sparopfer bringen“ + „Sparpaket trifft Theater und Bäder hart“ + „Opern-Chef hält Sparziele fürs Musiktheater für unrealistisch“ und hier ein Kommentar aus der Sendung WDR 5 Scala, der die Stadt Essen auffordert, die Kulturhauptstadt-Transparente abzuhängen).

Hier die Pressemitteilung des Betriebsrats der Theater und Philharmonie Essen:

TUP Betriebsrat ist entsetzt und empört über Zerschlagungsabsicht seines Betriebes

Die Theater und Philharmonie Essen GmbH (TUP) – ein Symbol für den gelungenen Strukturwandel in der Stadt Essen – soll jetzt den Einsparungsabsichten der Stadtverwaltung zum Opfer fallen. Mühsame Aufbauarbeit über Jahrzehnte wird hier zerschlagen.

Die Stadtspitze hantiert mit falschen Zahlen. Die Reduktion des Zuschusses auf 37,8 Mio. € bedeutet nicht 7 Mio. €, sondern 14 Mio. € jährlich. Danach müsste die TUP bis 2013 zusammengerechnet 39 Mio. € einsparen. Diese Summe kann aber nur erreicht werden, wenn das weltweit bekannte Aalto-Theater geschlossen wird oder alle drei Sparten Schauspiel, Ballett und Philharmonie abgeschafft werden.

Die Theater und Philharmonie Essen legte im Januar diesen Jahres Wirtschaftspläne vor, die bis 2013 über die Jahre zusammengerechnet 14 Mio. € und strukturell jährlich 4 Mio. € Einsparungen vorsehen. Diese Kürzungen basieren auf der Grundlage des mit dem Regierungspräsidenten abgestimmten Ratsbeschlusses vom 04.03.2009. Alle im Aufsichtsrat der TUP vertretenen Parteien sprachen ihre große Anerkennung für dieses Ergebnis aus. Solche Summen innerhalb dieser kurzen Phase zu erreichen, ist sehr ehrgeizig und beispiellos im gesamten Stadtkonzern.

Die Theater und Philharmonie Essen wird mit den vorgelegten Wirtschaftsplänen einen wesentlichen Anteil zur Konsolidierung des Haushaltes leisten.

Während einerseits die Kulturhauptstadt gefeiert wird, wird andererseits eine Entscheidung getroffen, die zum Zusammenbruch der TUP führt. Eine große Zahl von betriebsbedingten Kündigungen und Spartenschließungen werden die Folge sein.

Mit herzlichem Dank für die Veröffentlichung
und freundlichen Grüßen

gez. Adil Laraki
Betriebsratsvorsitzender Theater und Philharmonie Essen

(Anmerkung: Adil Laraki ist der Landesvorsitzende der GDBA in NRW)

Lesen Sie zu den Vorgängen in Essen und allen anderen Kulturkrisenherden auch die Resolution des Deutschen Kulturrats „Krise der kommunalen Kulturfinanzierung: Nothilfefonds Kultur – Kulturstiftung des Bundes oder Kulturstiftung der Länder sollten Träger sein“.

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