Jörg Rowohlt Geschrieben am 30 März, 2015

Kommentar: Verbale Abrüstung ist gefordert

Die Künstlergewerkschaften Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) äußern sich in einem gemeinsamen Kommentar zu der geplanten fristlosen Entlassung des Rostocker Intendanten, Sewan Latchinian:

Kombo_GDBA_VdO

Der Hauptausschuss der Rostocker Bürgerschaft will am morgigen 31. März über eine fristlose Abberufung des Intendanten des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, entscheiden. Als Entlassungsgrund wird im Rathaus eine Rede genannt, die Latchinian am 9. März in Neustrelitz anlässlich einer Demonstration gegen die Fusionspläne des Kultusministeriums gehalten hat. Dabei habe er die Zerstörung von Kulturdenkmalen durch den sog. IS und die Sprengung der Leipziger Universitätskirche durch die SED mit dem Kulturabbau in Mecklenburg-Vorpommern in Verbindung gebracht. Als weiterer Grund werden Äußerungen von Sewan Latchinian in einem Interview für die Zeitschrift „Oper & Tanz“ zu dem Spar-Beschluss der Bürgerschaft genannt. Dort sagt er über den Beschluss: „Wir wollen ihn kippen. Sicher werden wir erst einmal Zuarbeiten leisten. Aber dass wir diesen Beschluss kreativ unterstützen werden, davon kann niemand ausgehen.“

Sewan Latchinian gehört sicherlich zu den Freunden einer deutlichen Aussprache – nicht immer zum Wohlgefallen seiner Aufsichtsgremien. Auf der anderen Seite wird einem gerade eingestellten Mitarbeiter die vertraglich vereinbarte Arbeitsgrundlage entzogen. Das hat die Rostocker Bürgerschaft mit ihrem Sparten-Abbau-Beschluss auf Druck aus Schwerin getan. Warum soll kurz nach der Einstellung eines Intendanten, der für ein Vierspartenhaus steht, plötzlich eine Reduzierung auf zwei Sparten erfolgen? Ein Vierspartenhaus war offenbar die Grundlage der Anstellung des Intendanten Latchinian im letzten Herbst. Die Bemerkungen Latchinians als Entlassungsgrund wirken in diesem Kontext zusammengesucht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und welche Lösung für Rostock wird angestrebt? Nach Latchinian käme im besten Falle ein willfähriger Nachfolger, der die Zwei-Sparten-Strategie exekutiert. Oder schlimmer noch: Der Intendanten-Posten in Rostock wird gar nicht wieder besetzt, vielleicht eine gemeinsame Intendanz Schwerin-Rostock installiert – das Rostocker Volkstheater würde dann als Bespieltheater aus der Landeshauptstadt mitversorgt werden. Dies käme einer faktischen Fusion gleich. Diese Variante war schon einmal im Gespräch und ist von der Rostocker Bürgerschaft eindeutig abgelehnt worden.

Für den Fall einer fristlosen Entlassung Latchinians gäbe es am Volkstheater Rostock keine künstlerische Leitungsfunktion mehr. Ein Haus ohne Intendanz, Generalmusikdirektion, Operndirektion und Schauspieldirektion zu belassen, wäre eine unverantwortliche Entscheidung.

GDBA und VdO fordern deshalb die Rückkehr zu sachorientierter Arbeit. Wir haben uns mehrfach deutlich für den Erhalt des Volkstheaters Rostock als produzierendes Vierspartenhaus ausgesprochen. Hierfür ist konstruktiver Dialog nötig und nicht neuerliche bundesweite Schlagzeilen über eingeschränkte Meinungsfreiheit, Intendantenentlassungen am laufenden Band und horrende Abfindungszahlungen wie in der Vergangenheit.

Sabine Nolde, Vorsitzende GDBA-Landesverband Nord
Gerrit Wedel, stv. Geschäftsführer VdO

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