Jörg Rowohlt Geschrieben am 21 Dezember, 2018

Kolumne Januar 2019

Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen – Wer sie ist und was sie für ihre Versicherten leistet

Maßgeschneidert

Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen ist eine berufsständische Pflichtversorgungseinrichtung. Ihre Aufgabe ist es, den an den Theatern in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten Bühnenangehörigen und deren Hinterbliebenen eine zusätzliche Versorgung zu gewähren (Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung).
Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, auch kurz VddB, Bühnenversorgung, „Bayerische“ oder „Münchner“ genannt, wurde am 1. September 1925 als Versorgungsanstalt deutscher Bühnen gegründet.

Warum Zusatzversorgung?
Der Lebenslauf eines Bühnenangehörigen verläuft zumeist anders als der des klassischen Festangestellten. Die Versicherung bei der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen trägt den Besonderheiten Rechnung und hilft, Lücken bei der gesetzlichen Rentenversicherung zu schließen. Eine Zwecksetzung, die mit der „Riester-Rente“ auch staatlich gefördert wird. Daneben wird dem erhöhten Berufsunfähigkeitsrisiko von Bühnenkünstlern Rechnung getragen.

Organisiert ist die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen als öffentlich-rechtliche Pflichtversorgung mit Selbstverwaltung durch die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter des Berufsstands im Verwaltungsrat. Die Geschäfte führt die Bayerische Versorgungskammer. Finanziert werden die Leistungen aus den Beiträgen der Versicherten und ihrer Arbeitgeber sowie aus den Erträgen der Vermögensanlagen, es gibt keine staatlichen Zuschüsse. Die für den einzelnen Versicherten entrichteten Beiträge dienen zur Ansparung seines Ruhegeldes (Kapitaldeckungsverfahren).

Antje Tetenborg


Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen:
Geld anlegen in Zeiten niedriger Zinsen

„Wir mischen uns ein“

Ein Interview mit Daniel Just (Vorsitzender des Vorstands bei der Bayerischen Versorgungskammer)

Daniel Just: Vorsitzender des Vorstands bei der Bayerischen Versorgungskammer – Copyright: Jens Schnabel

Wie lange hält die Niedrigzinsphase noch an? Diese Frage wird seit ihrem Beginn in regelmäßigen Abständen von Politikern, Ökonomen und in den Medien diskutiert. Mittlerweile ist sie eher zu einem Dauerzustand geworden. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen für Anleger – auch für die Bayerische Versorgungskammer. Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger fragte den Vorsitzenden des Vorstands der Bayerischen Versorgungskammer, Daniel Just, was die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen unternimmt, um das Kapital der Versicherten auch in der aktuellen Niedrigzinsphase sicher und nachhaltig anzulegen.

Was macht die Bayerische Versorgungskammer genau?
Als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe führen wir gemeinschaftlich die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen – darunter auch der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen. Für die deutschen Bühnenkünstler sichert die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung deutschlandweit. Mit mittlerweile 81 Milliarden Euro Marktwert an Kapitalanlagevolumen sind wir einer der großen institutionellen Investoren in Deutschland. Wir legen Wert auf eine sichere und nachhaltige Anlage mit breiter Streuung und Mischung der Anlageformen. Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, die rund 105.460 Versicherte zählt, verfügte in 2017 über ein Kapitalanlagevolumen von etwa 3,05 Milliarden Euro.

Sie erwähnten das Wort „nachhaltig“. Was verstehen Sie bei der Bayerischen Versorgungskammer darunter?
Nachhaltigkeit bedeutet für uns, heute und in Zukunft unseren Versicherten eine sichere und rentable Altersversorgung zu gewährleisten. Mit der Unterzeichnung der Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment der Vereinten Nationen (PRI) als erste öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe in Deutschland nehmen wir in der Kapitalanlage eine Vorreiterrolle ein. Wir sind ein engagierter Investor und mischen uns ein. Das ist ein langfristiger Prozess, aber wir sind überzeugt, dass es der richtige Weg für uns und unser gesellschaftliches Umfeld ist, um auf lange Sicht eine stabile und im Wortsinne gute Wertschöpfung zu erreichen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, um das etwas plastischer zu machen?
Nehmen wir das Beispiel ‚Ölbranche‘. Im Bereich unserer Aktien- und Unternehmensanleihen vertrauen wir auf den kanadischen Vermögensverwalter Bank of Montreal (BMO). BMO fordert Unternehmen in unserem Namen und im Namen vieler anderer Investoren auf, ihre Geschäftspraktiken zu überprüfen: Sind sie vor dem Hintergrund des Pariser Weltklimavertrags und der darin angestrebten Reduktion von Treibhausgasen noch zeitgemäß? BMO ist dabei sehr überzeugend – auf den Hauptversammlungen von Royal Dutch Shell und ENI im Jahr 2015 wurde ein entsprechender Aktionärsantrag sogar vom Management unterstützt. Ein Ergebnis dieser Überprüfung ist der Stopp des Bohrprojekts von Shell in Alaska.

Durch diese Aktivitäten schlossen sich zum Beispiel auch die europäischen Ölunternehmen zusammen und richteten im Vorfeld des Klimagipfels in Paris einen Appell an die dort vertretenden Staatenlenker, sich auf das Ziel einer maximalen Erderwärmung von zwei Grad zu einigen. Diesen Ergebnissen sind langwierige Diskussionen mit den Unternehmen vorangegangen.

Rentables Kapitalanlagemanagement im Niedrigzinsumfeld, das ist nicht einfach. Wie geht die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen mit dieser Lage um?
Sie haben Recht – und es ist auch noch kein Ende der Niedrigzinsphase in Sicht. Daher ist es wichtig, dass wir für unsere Versicherten die richtige langfristige Lösung für diese Situation erarbeiten und permanent überprüfen. Eine erfolgreiche Strategie für uns ist hier eine breite Diversifizierung, also eine umfassende Streuung des Geldes auf möglichst viele attraktive Anlageklassen.

Der vor mehr als 15 Jahren eingeschlagene Weg, die Kapitalanlagen stärker zu diversifizieren, ist bislang erfolgreich beschritten worden. Dieser Weg wurde eingeschlagen, um eine Alternative zu den jahrzehntelang getätigten Investments in festverzinsliche Anlagen zu schaffen. Durch die vielfältigen Investitionsmöglichkeiten im Masterfonds der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen, die über Aktien-, internationale Renten-, Beteiligungs- hin bis zu internationalen Immobilienfonds reichen, konnte die Anlage in niedrig verzinste Rentenpapiere vermieden werden.

Im Jahr 2017 konnte die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen mit rund 3,9 Prozent wieder eine Nettorendite auf dem Niveau des Vorjahres ausweisen und gleichzeitig noch einmal die Reserven deutlich stärken. Wir haben uns trotz Niedrigzinsphase bereits ein beachtliches Sicherheiten-Polster ansparen können.

Die folgende Grafik zeigt die aktuelle Verteilung der Kapitalanlage der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen und das strategische Zielportfolio:

Müssen wir bei der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen in den kommenden Jahren Rentenkürzungen befürchten?
Klare Antwort – nein! Die anhaltend niedrigen Zinsen stellen die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen wie auch alle anderen Versorgungswerke und institutionelle Investoren natürlich vor beträchtliche Herausforderungen. Aber die Renten der Versorgungswerke bei der Bayerischen Versorgungskammer sind beständig und trotz der schwierigen Rahmenbedingungen entwickelt sich die Bayerische Versorgungskammer und damit auch die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen stabil und erfolgreich. Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen ist aktuell deutlich über 100 Prozent kapitalisiert. Klar ist aber auch, dass die Erwartungen über die künftige Verzinsung des bisher aufgebauten Kapitalstocks an die Marktentwicklung angeglichen werden müssen. Bereits in der Vergangenheit haben die Verantwortlichen bei der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen bewiesen, dass sie Notwendigkeiten des Marktes Rechnung tragen können. Wir können uns nicht von der Marktentwicklung vollkommen abkoppeln und die Insel der Glückseligen hat bisher leider noch keiner gefunden. Ich befürchte auch, dass es sie nicht gibt. In den vergangenen Jahren haben wir zusammen mit dem Verwaltungsrat der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen entsprechende Anpassungen vorgenommen: Die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen hat den Rechnungszins von einst 4,0 Prozent über 3,25 Prozent auf nunmehr 2,0 Prozent gesenkt. Das hat die langfristige Finanzierung des Versorgungswerkes deutlich gestärkt und für ein weiter langfristiges Niedrigzinsumfeld fit gemacht. Bemerkenswert ist zudem, dass der Verwaltungsrat der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen in der Regel aufgrund der erzielten Überschüsse den Rechnungszins des Anwartschaftsverbandes drei mit dem abgesenkten Rechnungszins von 2,0 Prozent für alle Versicherten seither auf 3,25 Prozent angehoben hat. Das zeigt, dass wir trotz des niedrigen Zinsumfeldes weiterhin attraktive Ergebnisse erzielen konnten und diese auch an die Versicherten weitergeben.

Was ist Ihr Fazit mit Blick auf die Niedrigzinsphase?
Bei allen Bemühungen um eine stabile, diversifizierte und risikoarme Kapitalanlage wird deutlich, dass man die aktuelle Niedrigzinsphase nicht durch eine noch so intelligente Kapitalanlage kompensieren kann. Wir richten uns so aus, dass wir nachhaltig ein bisschen besser sind als der Marktdurchschnitt, aber wir gehen gleichzeitig keine hohen Risiken auf Kosten der Sicherheit ein. Das dürfen wir als Dienstleister für die zweite Säule der Altersvorsorge auch gar nicht. Unser wichtigstes Kapital ist das Vertrauen unserer Versicherten. Das verdienen und erhalten wir nur durch unsere langfristig solide Arbeit und Transparenz in unseren Entscheidungen. Dazu gehört auch, dass wir uns auf verschiedene Szenarien an den Kapitalmärkten vorbereiten und wenn nötig rechtzeitig Anpassungen vornehmen, damit wir unseren Versorgungsauftrag für die bei uns versicherten Bühnenkünstler dauerhaft zufriedenstellend erfüllen können.

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