Jörg Rowohlt Geschrieben am 31 Januar, 2020

Kolumne Februar 2020

FAMILIE UND THEATERBERUF

Babysitter & Bühne?

Einige größere Theater bieten die Betreuung von Kindern an, um deren Eltern als Publikum zu gewinnen. Das ist lobenswert. Aber bei den eigenen Beschäftigten hakt es weiter an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Trotz mancher Ansätze ist die Situation für theaterschaffende Mütter oder Väter noch immer unbefriedigend.

Zwar hat es da und dort Fortschritte gegeben, aber in der Praxis lassen sich Theaterberuf und Kinder weithin nur schwer unter einen Hut bringen. Hauptproblem sind die ungewöhnlichen Arbeitszeiten: Künstlerisch Beschäftigte arbeiten häufig dann, wenn Kitas oder andere Betreuungseinrichtungen längst geschlossen haben. Gleichzeitig werden die theaterschaffenden Eltern selten so honoriert, dass private Alternativen wie etwa bezahlte Babysitter möglich wären. Und auch Oma und Opa, sonst schon mal als Notlösung genutzt, stehen wegen der Entfernung zum Beschäftigungstheater oft nicht zur Verfügung.

Was schon bei nine-to-five-Berufen eine Schwierigkeit darstellt, wird so für künstlerisch Beschäftigte nahezu unlösbar. Insgesamt hat zwar eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums von 2018 unter Beschäftigten und Managern eine positivere Einschätzung der Familienfreundlichkeit ihrer Firmen als noch drei Jahre zuvor ergeben.

Reale Verbesserungen der Situation folgen aber noch immer viel zu langsam den verbalen Ankündigungen von Kulturpolitikern und Arbeitgebern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern zu wollen. Beispiel Kiel: Dort wurde ein Programm auf den Weg gebracht, das den Theaterberuf familienfreundlicher gestalten soll. Dazu gehören: der probenfreie Samstag, höhere Einstiegsgagen und die gleiche Bezahlung für Männer und Frauen. Das klingt erstmal gut, löst die Probleme aber nicht wirklich. Die auf 2.200 Euro gestiegene Einstiegsgage und das geplante Schließen des Gender Pay Gap sind ein Tropfen auf den heißen Stein zusätzlicher Kinderbetreuungskosten: Diese sollten bestenfalls schon bei Vertragsverhandlungen berücksichtigt werden.

Insgesamt gehört das Kieler Beispiel zu den Erfreulicheren – wobei auch Generalintendant Daniel Karasek einräumt, dass die eingeleiteten Maßnahmen keineswegs das Ende des Prozesses bedeuten können. Hauseigene Kindergärten zum Beispiel blieben ein Wunsch, der auch wegen der räumlichen Strukturen des Mehrspartenhauses und der ungewöhnlichen Arbeitszeiten nicht so einfach zu erfüllen sei. Etabliert habe sich, so Karasek im Deutschlandfunk Kultur, hingegen der probenfreie Samstag, den Kiel schon zur vergangenen Spielzeit einführte: „Ich kann definitiv sagen, dass die Motivation (des Ensembles – Red.) um ein Vielfaches gesteigert wird.“ Positiv seien inzwischen auch die Reaktionen vieler zunächst skeptischer Regisseurinnen und Regisseure, die aber inzwischen auf Beschäftigte träfen, „die am Montag besser gelaunt zur Probe kommen.“

Eine Regelung, die viele für kaum möglich halten, liefert schon seit Jahrzehnten das Saarländische Staatstheater Saarbrücken: Dort hat das künstlerische Personal montags komplett frei. Die seinerzeit gegen Widerstände durchgesetzte Regelung hat sich längst als außerordentlich praktikabel erwiesen. Der dortige Personalrat steht potenziellen Nachahmern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Kulturschaffende mit Kindern anderswo vermuten ihre Theater aber zu Recht noch weit entfernt vom Ziel. In den meisten Häusern bleibt die Situation unbefriedigend. Bei einigen haben wir uns umgehört:

Für das Schauspielhaus Bochum antwortet die stellvertretende Intendantin Susanne Winnacker auf die Frage nach konkreten Maßnahmen, „das ganze Bündel von Themen wie Familienfreundlichkeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Barrierefreiheit, Inklusion und Klimaneutralität” spiele eine große Rolle: „Wir engagieren uns auf all diesen Gebieten und versuchen, was wir können, sie in unserem Haus zu realisieren. Künstlerische Mitarbeiter*innen können oft von zu Hause aus arbeiten, um Familie und Beruf in Einklang bringen zu können; vor allem die Familienstücke legen wir auf Zeiten, an denen möglichst viele Menschen auch in das Theater gehen können; unsere Kontakte zu Eltern, Großeltern, Lehrer*innen und Schüler*innen sind sehr gut und werden immer weiter ausgebaut. Wir beantworten alle Zuschauerwünsche, die an uns herangetragen werden, weil wir daran glauben, dass wir gutes Theater nur machen können im direkten Kontakt mit den Menschen, für die und mit denen wir es machen.”

Zu der vielfachen Forderung nach einem probenfreien Samstag habe man sich entschieden, „ab der nächsten Spielzeit dem künstlerischen Personal den Montag freizugeben anstatt den Samstag, weil der Montag ein „richtiger“ Tag ist, an dem auch persönliche Termine wahrgenommen werden können. Statt Schauspiel wird also, und damit beginnen wir schon ab März, ab der nächsten Spielzeit klassische Musik in den Kammerspielen geboten werden und wir hoffen, dass dieses neue Angebot vielfach wahrgenommen werden wird.“

FAMILIENFREUNDLICHKEIT: SENSIBILITÄT STEIGT

„Selbstverständlich“ werde bei den Arbeitszeiten auf Kitaöffnungen Rücksicht genommen. Erfreulicherweise gebe es einen „starken und aktiven Personalrat, der sehr genau darauf achtet, dass alle Ruhezeiten eingehalten werden“. Auf die Frage, ob Anproben und dergleichen außerhalb der regulären Probenzeiten stattfinden, antwortet Susanne Winnacker wiederum mit einem Verweis auf den Personalrat, der dafür einstehe: „Wenn das manchmal nicht gelingt, gestattet oder untersagt er das.“

Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld betonen ebenso ein „Miteinander der Mitarbeiter*innen auf Augenhöhe”. Respektvoller Umgang sei ein gelebter Wert.
Konkret nach Zuschüssen für Kinderbetreuung als Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt, wird von einer Sprecherin des Theaters auf frühere Überlegungen zu einem Betriebskindergarten verwiesen. Allerdings habe sich im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung gezeigt, dass es dafür keinen ausreichenden Bedarf gibt. Unabhängig davon habe das Thema generell einen hohen Stellenwert. So seien nach einer Klausturtagung im letzten Sommer mehrere Arbeitsgruppen ins Leben gerufen worden, „in denen sich Mitarbeiter*innen aus allen Abteilungen mit unterschiedlichen Fragestellungen über unsere Arbeitsweisen in der Zukunft beschäftigen, um konkrete Strategien und Maßnahmen für unser Haus zu entwickeln. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört in diesem Rahmen zu den Schwerpunktthemen.“ Im Übrigen würden individuelle Lösungen entwickelt, „die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen zugeschnitten sind“. So habe man in dieser Spielzeit im künstlerischen Bereich eine ganze in zwei halbe Stellen umgewandelt, um dem Wunsch zweier Kolleginnen nach mehr Zeit für die Familie nachzukommen.

In Bielefeld hängt der probenfreie Samstag nicht nur „von der Arbeitsweise einzelner Regisseure ab, sondern vor allem von den Möglichkeiten der Disposition“. Wenn in einer Inszenierung mit Laien oder Kindern szenisch gearbeitet wird, die an den anderen Wochentagen selten Zeit hätten, zumal wenn die Original-Bühne zur Verfügung steht, werde auch Samstagvormittag geprobt. Die neue Regelung zu den freien Tagen im NV Bühne werde in jedem Fall eingehalten (Anspruch auf einen freien Tag wöchentlich und einen halben freien Tag je Woche). Ein beschäftigungsfreier Werktag nach der Premiere wird ebenso selbstverständlich gewährt. Im Übrigen bemühe man sich jedenfalls darum, Anproben innerhalb der Probenzeiten stattfinden zu lassen.

Das Theater Bremen berichtet von individuellen Zuschüssen für Kinderbetreuung. Man bemühe sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – was die Arbeitszeiten angeht soweit das im künstlerischen Betrieb möglich sei: „Generell diskutieren wir im Haus darüber, wie man das noch verbessern und ausbauen kann”, so eine Sprecherin. Nach eigenen Angaben gibt es am Theater Bremen den probenfreien Samstag – nur in den Endproben dürfe samstags geprobt werden. Was die Rücksicht auf Kitazeiten angeht, müsse man zwischen den Gewerken und der künstlerischen Seite unterscheiden. „In den Abteilungen mit Mitarbeiter*innen mit NV Bühne-Verträgen, die nicht auf der Bühne stehen, haben wir häufig Gleitzeit, so dass die Arbeitszeit an die Kitazeit angepasst werden kann.“

Zur Vereinbarkeit Familie und Beruf versucht das Schauspiel Frankfurt Modelle zu entwickeln: Im künstlerischen Bereich bedeute dies konkret, Hilfestellung zu geben und Lösungen zu finden, um Probenzeiten und Kitaöffnungszeiten zu vereinbaren und individuell auf die Künstler einzugehen.
Die Oper Frankfurt bietet Teilzeitmodelle in den Kollektiven Chor und Orchester. In den Abteilungen Maske und Kostüm gibt es ebenfalls zahlreiche Teilzeitmodelle, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen sollen. Die Städtischen Bühnen arbeiten nach den Richtlinien des Frauenförder- und Gleichstellungsplanes der Stadt Frankfurt.
Am dortigen Schauspiel gibt es den probenfreien Samstag ebenfalls – Ausnahme auch hier: Endproben.
Eine Kinderbetreuung im Haus für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei derzeit wegen fehlender räumlicher Gegebenheiten nicht möglich. Wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten wäre eine Betreuung bis mindestens 22.30 Uhr vonnöten und damit zusätzliche Maßnahmen wie die Bereitstellung von Schlafplätzen. Mehrere Versuche und Initiativen seien bereits aus unterschiedlichsten Gründen gescheitert. Ein Sprecher: „Die Machbarkeitsstudie, die im Rahmen der Untersuchung des Gebäudes entstanden ist und die im Juni 2017 veröffentlicht wurde, sieht in ihrem Raumprogramm daher einen Betriebskindergarten für zwei Gruppen vor.“ Die vom Büro M.O.O.CON erarbeitete Nutzerbedarfsanalyse, in der unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Städtischen Bühnen befragt wurden, spiegele somit einen zentralen Wunsch der Städtischen Bühnen wider.

Heraus sticht das Staatstheater Nürnberg. „Eine Gruppe Schauspieler*innen”, so schildert es die GDBA-Obfrau Lisa Mies, „hat die Intitiative zur Vereinbarkeitsoffensive ergriffen.” Diese „Betroffenen-AG” wurde von der Leitung unterstützt. Anschließend kam es zur Gründung des GDBA-Lokalverbands, der das Thema innerhalb der Gewerkschaft stärken will. Inzwischen gab es ein erstes Treffen mit den darstellenden Ensemblevertretern, Mitgliedern des städtischen Trägers für Pflegepersonal, dem geschäftsführenden Direktor, der Personalabteilung sowie Vertretern von Betreuungseinrichtungen der Stadt. Die Theaterleitung ist nach Teilnehmerangaben durchaus willens zu Veränderungen gegenüber dem bisherigen Zustand – wie diese am Ende aussehen werden, bleibt zwar zunächst offen. Aber auf Anforderung der Theaterleitung hat der GDBA-Lokalverband eine vorläufige Berechnungsformel für die Ausgaben pro Monat nach Ende Elternzeit entwickelt. Der Lokalverband hält pro Ensemble ein bis zwei beim Theater festangestellte „Babysitter“ für die beste Lösung, weil die Kinder abends zu Hause betreut werden müssen: So sollten pro Monat wenigstens ein paar private „Babysitterschichten“ übernommen werden. Natürlich wäre auch ein Kinderbetreuungszuschuss denkbar – aber nicht so effektiv wie diese Form der Unterstützung.

Nach Redaktionsschluss erreichten uns noch Reaktionen weiterer Theater, die wir unseren Online-Lesern nicht vorenthalten wollen:

Das Theater Lübeck weist daraufhin, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie am Theater eine besondere Herausforderung darstellt, weil „am Theater regelmäßig auch dann gearbeitet wird und werden muss, wenn in anderen Berufen Freizeit zur Verfügung steht“. Vor allem der Vorstellungsbetrieb an Abenden, Wochenende und Feiertagen bedeute für das künstlerische und bühnennahe Personal und seine Familien eine organisatorische Herausforderung, der mit klassischen Mitteln wie Kita, Nachmittagsbetreuung von Schulkindern etc. allein nicht zu begegnen sei. Auch der Probenbetrieb konzentriere sich neben den Vormittagen weitgehend auf die Zeit zwischen 18 und 22 Uhr. Insgesamt habe das Thema am Theater Lübeck einen großen Stellenwert. Eine Sprecherin verweist beispielsweise darauf, dass es seit fast 25 Jahren eine Betriebsvereinbarung gebe, die die tägliche Probenzeit auf 7,5 Stunden begrenzt.
Am Theater Lübeck wird in der Sparte Schauspiel der „probenfreie Samstag“ angestrebt, ist aber nicht verbindlich zugesichert – hier entscheidet die künstlerische Leitung, die Regisseurin, der Regisseur, ob die Probenzeit am Samstag genutzt wird. Im Musiktheater ist ein probenfreier Samstag derzeit kein Thema, da auf der Bühne mit vielen externen Mitarbeiter*innen (Statisterie, Extra- und Kinderchor etc.) gearbeitet wird, die während der Woche tagsüber beruflich und schulisch gebunden sind. Eine vollständige Verlagerung des Probenbetriebs in die Woche würde, so die Sprecherin, längere Probenzeiten und somit höhere Ausgaben erfordern, die zurzeit nicht leistbar wären.
Die Mindestgage beträgt am Theater Lübeck 2.300 Euro. Ein Gender-Pay-Gap gibt es im Theater Lübeck nach eigenen Angaben nicht, weder im künstlerischen noch im nichtkünstlerischen Bereich.
Im Schauspiel des Theater Lübeck arbeiten paritätisch Regisseurinnen und Regisseure. Das Ensemble des Musiktheaters besteht aus fünf Sängerinnen und drei Sängern, im Internationalen Opernelitestudio sind jeweils drei Sängerinnen und drei Sänger beschäftigt.
„Selbstverständlich“ gebe es am Theater Lübeck keine Nichtverlängerungen aufgrund von Schwangerschaften oder Elternzeiten: „Nicht nur, dass eine solche Vorgehensweise ungesetzlich wäre, sie widerspricht auch dem ethischen Selbstverständnis unserer Arbeit.“ Eine Re-Integration der betreffenden Eltern in das Ensemble sei immer problemlos. Hervorgehoben werden könne besonders, dass auch viele Männer in allen Bereichen des Theaters das Angebot der Elternzeit in Anspruch nehmen.
Die Arbeitszeiten am Theater Lübeck seien so geregelt, dass tagsüber die jeweiligen Vereinbarungen mit Kitas Bestand haben. Ruhezeiten würden strikt eingehalten, Anproben fänden zwar auch außerhalb der Probenzeiten statt, aber nur nach individueller Absprache. Anders verhält es sich mit Abendproben und Vorstellungen. Sie sind naturgemäß durch Kitas nicht abzudecken. Hier müssten insbesondere alleinerziehende oder in Fernbeziehung lebende Elternteile individuelle Lösungen finden: „Eine betriebliche Kinderbetreuung ist im Rahmen der öffentlichen Theaterfinanzierung weder leistbar noch sinnvoll, denn kleine Kinder gehen abends früh ins Bett und zwar ins eigene.“ In einzelnen Härtefällen, so das Theater, seien Zuschüsse für Kinderbetreuung realisierbar.

Auch das Staatstheater am Gärtnerplatz in München betont durch seinen Sprecher das zusätzliche Gewicht des Themas in den letzten Jahren – so sei zum Beispiel die Nachfrage nach Teilzeitverträgen gewachsen: „Aber auch die Erkenntnis, dass die Arbeit am Theater für potenzielle Mitarbeiter durch eine ausgewogene „Work-Life-Balance“ attraktiv bleibt.“ Konkret werde – vor allem im künstlerischen Bereich – auf gute, direkte Kommunikation gesetzt, um die familiären Bedürfnisse mit den Erfordernissen des Theaterbetriebes abzugleichen. Als finanzieller Anreiz für Familien bestehe die Möglichkeit, sich für eine Staatsbediensteten-Wohnung zu bewerben.
Zum Stichwort „probenfreier Samstag“ verweist der Sprecher des Gärtnerplatztheaters darauf, seit Jahren sei „an den Wochenenden eine stark reduzierte Probentätigkeit die Regel“. Grundsätzlich werde auf Kitazeiten Rücksicht genommen, im künstlerischen Bereich sei das aber nur bedingt möglich. Chor und Orchester stimmten den regelmäßigen Beginn ihrer Probenzeiten individuell ab und richten sich hierbei nach den Bedürfnissen der Mitglieder. Bei Ruhezeiten zwischen Probenzeiten und Vorstellungen richte man sich „nach gesetzlichen und tariflichen Vorgaben und Richtlinien“.
Auf die Frage nach Kinderbetreuungszuschüssen verweist der Sprecher darauf, dass ein „erweiterter Zuschuss für Kinder mit der Ballungsraumzulage gewährt“ werde.

Das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ hat für die Staatstheater Stuttgart einen sehr hohen Stellenwert. Demnach gibt schon seit ca. 2006 die Möglichkeit für die Mitarbeiter im Zentralbereich der Staatstheater Stuttgart, ihre Arbeitszeit anzupassen. Es sind verschiedene Teilzeitmodelle möglich von 4 bis 40 Stunden in der Woche, je nachdem wie die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind. Eine 4 Stunden Woche ist z.B. für Eltern mit sehr kleinen Kindern wichtig, um nicht den Anschluss an den Arbeitsprozessen zu verlieren. Entsprechend gibt es auch Verständnis bei Verletzung der Kernzeit, wenn z.B. dies der Fall ist bei der Abholung der Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule. Diese Teilzeitmodelle sind auch für Führungspositionen möglich.
Eine Sprecherin der Staatstheater in Stuttgart betont gleichfalls: „Auch für unsere Künstler soll Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer möglich sein.“ Ruhezeiten zwischen Probenzeiten und Vorstellungen würden strikt eingehalten: „Darauf wird geachtet.“ Auch Anproben der Künstler fänden in den vorgegeben Arbeitszeiten statt. „Unsere Kindertagesstätte „Spielzeit Stuttgart“ spielt hier auch eine wichtige Rolle. Sie bietet eine flexible Kinderbetreuung, die stundenweise in Anspruch genommen werden kann.“ Aufgenommen würden insbesondere Kleinkinder ab vier Monaten, aber auch Schulkinder bis zu zehn Jahren. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag zwischen 7.00 und 18.30 Uhr, eine Anpassung bis 20.30 Uhr wurde bei Bedarf auch schon realisiert. Die langen Öffnungs- sowie die individuell zu gestaltenden Betreuungszeiten, auch während der Schulferien, machen die „Spielzeit“ nach Angaben der Sprecherin deshalb besonders für Orchestermusiker und Theaterangestellte interessant. Gegründet wurde die „Spielzeit“ im Jahr 2006 von von einer selbständigen Trägerin in Kooperation mit den Staatstheatern Stuttgart: „Die Einrichtung entspricht in ihrem Angebot exakt den Bedürfnissen von Theatermitarbeitern. Das Angebot können sogar Gast-Künstler annehmen, die über eine längere Zeit an Produktionen der Staatstheater Stuttgart teilnehmen.“

Joachim Klement, Intendant des Staatsschauspiels Dresden, setzt auf individuelle Absprachen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Konkret seien zum Beispiel „Rollenbegrenzungen in der Vertragsabsprache“ möglich.
Die ersten Samstage einer Neuproduktion beziehungsweise die Samstage außerhalb der Endprobenzeit würden probenfrei gehalten.
Generell würden Probenzeiten „außerhalb einer Regelzeit am Vormittag und Abend“ nur in Ausnahmefällen und nach Absprache mit den Produktionsensembles anberaumt. Darüber hinaus würden „individuelle Absprachen zwischen künstlerischen Produktionsteams und Schauspieler*innen getroffen“.
Die Ruhezeiten zwischen Probenzeiten und Vorstellungen würden eingehalten.
Anproben fänden „in der Regel“ innerhalb der Probenzeiten statt.
Auf die Frage nach Zuschüssen für Kinderbetreuung bzw. einen Betriebskindergarten antwortet Klement, das sei „schwierig, weil wir ein Staatsbetrieb sind“ und verweist auf das sogenannte Besserstellungsverbot: Wenn das Staatsschauspiel hier vorangehen würde, „müsste gleichzeitig eine Regelung für alle Staatsbetriebe“ geschaffen werden. Aus diesen Gründen sei bereits vor Jahren der Versuch, einen Betriebskindergarten einzurichten gescheitert – „aber auch am Anforderungsprofil für eine solche Einrichtung.“

Auch das Staatstheater Oldenburg betont auf Anfrage den hohen Stellenwert von Familie und Beruf, die Vereinbarkeit werde „bei entsprechenden Entscheidungen immer mitgedacht“. Hingewiesen wird aber auch auf den „Fakt, dass wir dann Theater spielen, wenn die Besucher*innen ihre Freizeit dazu nutzen, ins Theater zu gehen.“ Konkret gebe es Gespräche mit dem Personalrat zu einer Dienstvereinbarung über Arbeitszeiten, in der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gestärkt werden solle: „Darüber hinaus sind unsere Regieteams bereits angehalten längerfristige Probenpläne zu erstellen, damit für die Künstler*innen eine bessere Wochenplanung möglich ist.“
Der probenfreie Samstag ist in Oldenburg nach Angaben einer Sprecherin des Theaters „vertraglich nicht festgehalten, wird aber in der Regel eingehalten“.
Ob auf Kitazeiten Rücksicht genommen werde, lasse sich pauschal nicht beantworten, „denn Kitazeiten können je nach Einrichtung und Betreuungsvertrag variieren und die benötigte Betreuungszeit hängt stark vom Arbeitsbereich und der jeweiligen Familienstruktur ab“.
Ruhezeiten zwischen Proben und Vorstellungen würden eingehalten – ebensowenig fänden Anproben außerhalb der Probenzeiten statt.
Auch das Oldenburgische Staatstheater verweist bei Kinderbetreuungszuschüssen oder einem Betriebskindergarten darauf, dass es einer landeseinheitlicher Regelungen bedürfe, um derlei anbieten zu können.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken