Jörg Rowohlt Geschrieben am 25 April, 2019

GDBA zur Europawahl: Jetzt kommt‘s drauf an

Am 26. Mai sind Europawahlen. Und Kommunalwahlen in den ostdeutschen Bundesländern. Und Bürgerschaftswahlen in Bremen. Im Herbst gibt es außerdem Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Selten war Beteiligung so wichtig.

Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, denn das Ergebnis der Europawahl wird zu einer wichtigen Standortbestimmung: Demokratische Parteien stehen für eine freie und offene Gesellschaft, nationalistische und populistische Organisationen wollen die Axt an die Wurzeln der EU legen. Diese europaskeptischen Strömungen stellen den Zusammenhalt der Union auf die Probe. Deshalb ist die Europawahl die Gelegenheit, dringend nötige politische Richtungsentscheidungen breit auch in der deutschen Gesellschaft zu diskutieren. Könnte beispielsweise mehr Demokratisierung der EU nicht auch zur deren Imageverbesserung beitragen?

Ob ausweisfreies Reisen, Telefonieren aus dem EU-Ausland ohne Mehrkosten, gerade für Kulturschaffende Möglichkeiten des problemlosen Arbeitens im EU-Ausland oder Studienaufenthalte jenseits der Grenzen: Diese praktischen Vorzüge der Europäischen Union bedürfen mindestens ebenso unseres Engagements wie die Grundwerte Freizügigkeit und Solidarität.
Am gleichen Tag wie die Europawahl gibt es in allen ostdeutschen Bundesländern Kommunalwahlen. Errungene Freiheiten müssen hier genauso verteidigt werden wie bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen im Herbst. Die Abstimmungen sind diesmal stärker von Bedeutung als oft in der Vergangenheit, denn jetzt geht es konkret darum, welchen Einfluss die rechtspopulistische AfD auf das tägliche Leben bekommt. In mancher Kommune dürfte der bedrohlich werden, insbesondere dort, wo die AfD stärksten Partei werden könnte. Kulturschaffende werden nicht damit einverstanden sein, wenn die Rechtspopulisten auf diese Weise über Theaterzuschüsse mitentscheiden – nachdem sie immer wieder angekündigt haben, politisch unliebsame Inszenierungen zu unterbinden.

Die GDBA ruft ihre Mitglieder ausdrücklich zur Teilnahme an diesen Wahlen – auch an der Bürgerschaftswahl in Bremen – auf. Denn: Es mangelt nicht an klugen Ratschlägen, was jeweils vor und nach solchen Abstimmungen zu tun sei. Das reicht aber nicht. Jede und jeder Einzelne muss aktiv werden – idealerweise noch über das Kreuzchen auf dem Wahlzettel hinaus. Sprecht mit Euren Freundinnen und Freunden! Sensibilisiert die Menschen für die kommenden Wahlen! Wir können uns nicht gemütlich im weichen Ohrensessel der Demokratie zurücklehnen, die Fernbedienung in der Hand, und Politik einfach delegieren. Wir müssen uns bewegen. Selbst wenn wir unser Kreuz bei einer demokratischen Partei machen, die unseren Werten entspricht: Leben müssen wir diese Werte selbst! Dabei ist der Rückzug ins Private keine Alternative – auch wenn Politik anstrengend ist: Gerade Künstlerinnen und Künstler bringen schon von Berufs wegen jenes Maß an Toleranz mit, das dort gegenwärtig manchmal eher zu fehlen scheint.

Außerdem haben die Verbände der Aktion 40.000 (Dramaturgische Gesellschaft, Bund der Szenografen, Konferenz Konkret, ensemble-netzwerk, Deutscher Bühnenverein, GDBA und DTHG) die neuen Kampagne „40.000 Theatermitarbeiter*innen rufen das Publikum zur Europawahl auf“ gestartet.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Kategorien

Archive