Jörg Rowohlt Geschrieben am 5 August, 2016

FIA: Ergebnisse der LGBT-Umfrage und EuroFIA-Treffen in Lissabon

LGBT-Umfrage der FIA: Zu wenig Gleichstellung

EuroFIA-Lisbon-Full-Group

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sind noch immer von Diskriminierung bedroht. Das ist Ergebnis einer Umfrage, die eine Arbeitsgruppe der FIA im vergangenen Jahr gestartet hat (Bühnengenossenschaft 8-9/15 und hier im Blog) und die über zehntausend Antworten verzeichnet – allerdings ohne Beteiligung aus Lateinamerika und Afrika. 56,6 Prozent der Befragten bezeichnen sich selbst als heterosexuell. 44,2 Prozent der Antworten kamen von Frauen, 55,7 Prozent von Männern. 68,1 Prozent beschreiben sich als vollzeitbeschäftigt oder auf freischaffender Basis engagiert. 21,9 Prozent sind nur gelegentlich beschäftigt, 3,4 Prozent befinden sich im Ruhestand.
Nur 78 der Antwortenden beschrieben sich selbst als Transgender und nur 60 Prozent von diesen hatten alle transgender-relevanten Fragen beantwortet – aufgrund dieses niedrigen Rücklaufs können die entsprechenden Resultate nur mit Vorsicht interpretiert werden.
Immerhin über 22 Prozent der Betroffenen gaben an, in den letzten fünf Jahren wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität eine Rolle nicht bekommen zu haben.
Und auch 13,2 Prozent aller Darstellerinnen und Darsteller geben an, in den letzten Jahren beobachtet zu haben, dass ein Kollege/eine Kollegin wegen der tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität eine Rolle nicht bekam.
Vorfälle von mündlicher oder schriftlicher Belästigung am Arbeitsplatz sind besorgniserregend hoch: 12,7 Prozent berichten, selbst in den letzten fünf Jahren belästigt worden zu sein – 9,5 Prozent hatten das beobachtet. Immerhin 8,8 Prozent der Befragten berichten auch, körperliche oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beobachtet zu haben.
Angesichts der wenigen sich selbst als Transgender beschreibenden Antwortenden erscheinen Gemeinschaft und Vertrauensbildung in hohem Maße erforderlich. Im Vergleich zu den LGB- Befragten sind die Transgender-Befragten mit geringerer Wahrscheinlichkeit in ihrem Berufsleben geoutet: 12,9 Prozent der LGB sind nicht geoutet, bei Transgender über 45 Prozent.
Zwar ist eine Mehrheit der Darstellerinnen und Darsteller (über 70 Prozent) der Meinung, dass sich ihre sexuelle Identität nicht auf ihre Karriere ausgewirkt – nichtsdestotrotz wird ein wesentlicher Teil von ihnen nach eigenen Angaben und Aussagen Dritter beim Engagement diskriminiert.
Die LGBT-Arbeitsgruppe der FIA kommt zu dem Schluss, die FIA sollte alle Anstrengungen unternehmen, dieses Problemzu überwinden.

EuroFIA: Treffen in Lissabon

Alfama

Das EuroFIA-Meeting fand dieses Jahr vom 22. bis zum 24. Juni in Lissabon statt.
Das Treffen der Künstlergewerkschaften der EuroFIA-Gruppe, die in der International Federation of Actors (FIA) organisiert sind, wurde von der portugiesischen Gewerkschaft Sindicato dos Trabalhadores de Espectáculos (STE) durchgeführt. Den Teilnehmern verschaffte es die neuerliche Gelegenheit, sich über die jeweilige aktuelle Situation der einzelnen Gewerkschaften und über die Herausforderungen, mit denen sie in ihrer Arbeit konfrontiert sind, auszutauschen.
Zu der diesjährigen Veranstaltung gehörte zum wiederholten Mal ein eintägiges Treffen mit Vertretern der europäischen Verwertungsgesellschaften. Hier gab es eine nutzbringende Gelegenheit, Meinungen über die gemeinsame Arbeit in Bezug auf die „Fair Internet for Performers Campaign“ auszutauschen.
Die Delegierten nutzten das Treffen zur Bestandsaufnahme der jüngsten, für den künstlerischen Sektor relevanten, politischen Entwicklungen auf EU-Ebene, wie die Beratung zur neuen sozialen Säule der EU-Politik (European Pillar of Social Rights), das Paket zur Entsende-Richtlinie (Posted Workers Directive), die Einführung der Europäischen Plattform gegen Schwarzarbeit und die Überarbeitung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste, um nur einige zu nennen.
Die Delegierten nutzten das Treffen auch zur Diskussion über Fortschritte des gemeinsamen Projekts zur Einbindung atypischer Beschäftigter und die damit verbundenen Entwicklungen. In dem Zusammenhang gab es eine Podiumsdiskussion unter Teilnahme von Generalsekretärin Christine Stein von der GDBA über den Einsatz von Laien in professionellen Produktionen – einem problematischen Trend, der beunruhigenderweise immer stärker um sich greift.
Gastgeber des EuroFIA-Meetings in Dänemark wird die dänische Gewerkschaft Dansk Skuespillerforbund (DSF) sein, die kürzlich von der französischen Gewerkschaft Syndicat Français des Artistes-Interprètes (SFA) die Koordination der EuroFIA-Gruppe übernommen hat. Das nächste Treffen der EuroFIA-Gruppe findet aber zunächst im September auf dem FIA-Weltkongress in Brasilien statt.

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