Jörg Rowohlt Geschrieben am 4 Mai, 2017

EuroFIA in Kopenhagen

Das halbjährliche Treffen der EuroFIA fand vom 3. bis 6. April in Kopenhagen statt. Für die GDBA nahm Präsident Jörg Löwer teil. Wie einmal jährlich inzwischen üblich, war dem eigentlichen Treffen der europäischen Mitglieder der International Federation of Actors (FIA) am 5. + 6. April eine Zusammenkunft mit den nationalen Verwertungsgesellschaften vorgeschaltet – in Deutschland ist das die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL). Außerdem trafen sich im Vorfeld verschiedene Arbeitsgruppen der FIA – in Kopenhagen unter Beteiligung der GDBA eine zur Arbeitssituation von OpernsängerInnen.

Das Thema Urheberrechte stand im Mittelpunkt der Diskussionen mit den Verwertungsgesellschaften. Zu der gegenwärtig auf europäischer Ebene diskutierten Urheberrechts-Reform wollen die verschiedenen Gewerkschaften ihren Standpunkt einbringen, um deutliche Verbesserungen für DarstellerInnen zu erreichen – insbesondere was die Vergütung der Online-Nutzung ihrer Arbeit angeht. Die Vernetzung der nationalen Gewerkschaften bildete dabei naturgemäß einen Schwerpunkt. Andere Themen betrafen die Bekämpfung von Online-Piraterie und der Fortgang des Pekinger Vertrages der WIPO.
Der Vertrag von Peking ist inzwischen fünf Jahre alt. Damals hatten 122 Mitgliedsstaaten der UN-Unterorganisation World Intellectual Property Organization (WIPO) nach 20jährigen Verhandlungen ein Abkommen geschlossen, das zum ersten Mal modernisierte und aktualisierte Standards in Bezug auf die Urheberpersönlichkeitsrechte und die digitale Verwendung der Arbeit von DarstellerInnen im audiovisuellen Bereich beinhaltet. Weil aber bis heute noch längst nicht alle Staaten den Vertrag auch ratifiziert haben, bot der am 26. April anstehende Welt-IP-Tag Anlass für eine besondere Aktion: Die FIA rief alle ihre Mitglieder und Unterstützer auf, in sozialen Netzwerken mit Selfies und dem Slogan „Ratify now“ für eine Umsetzung durch die nationalen Parlamente zu werben. Ohne eine solche Ratifizierung sind die Rechte einzelner nicht durchsetzbar. Auch Deutschland, obwohl Mitunterzeichner, hat den Vertrag bislang nicht ratifiziert.

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Begrüßt wurden die Delegierten des regulären Euro-FIA-Treffens von Lisette Risgaard, der ersten weiblichen Präsidentin des dänischen Gewerkschaftsdachverbandes LO. Sie stellte fest, dass die Agenda für die EuroFIA-Sitzung viele wichtige gemeinsame Themen umfasst. Die Gleichstellung der Geschlechter sei sicherlich von hoher Priorität und die Gewerkschaften hätten viel zu tun, um gleiches Entgelt oder die genügende Repräsentation von Frauen in Führungspositionen zu erreichen. Atypische Arbeitsverhältnisse seien außerdem eine klare Herausforderung für die Zukunft, auch was die Herausforderung beträfe, solche KollegInnen zu organisieren. Sie schloss ihren Vortrag, indem sie allen EuroFIA-Mitgliedern ein sehr produktives Treffen wünschte.

Danach folgten zwei dänische Gastrednerinnen: Die Wissenschaftlerin Tess Skadegard Thorsen erläuterte den Delegierten UN-Bestimmungen, die genutzt werden können, um Druck auf solche Unternehmen auszuüben, die ihre soziale Verantwortung in Sachen Gleichstellung nicht erfüllen. Marianne Aelund Sig von der Nordea Bank beschrieb die Herausforderungen im Finanzsektor und wie hier bessere inklusive Bedingungen geschaffen werden sollen. Veränderung müsse von oben kommen, unter Mitarbeit der höchsten Stellen. Bei allen Beteiligten des Systems und in der Wertschöpfungskette müsse ein Bewusstsein hierfür aufgebaut werden.
In einem weiteren Panel berichteten verschiedene TeilnehmerInnen über die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegungen für den Bereich der darstellenden Künste. Hier ging es vor allem um Fragen, wie die KünstlerInnen unter den Flüchtlingen überhaupt erreicht und praktisch unterstützt werden können.

Das nächste Treffen der Euro-FIA-Gruppe findet dann Ende September statt.

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