Jörg Löwer Geschrieben am 23 Mai, 2012

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg: Offener Brief des Landesverbandes NRW der GDBA

Der Landesverband NRW der GDBA setzt sich in einem offenen Brief an alle Fraktionen im Rat der Stadt Duisburg für den Fortbestand der Deutschen Oper am Rhein, des Balletts am Rhein und des Kulturlebens der Stadt Duisburg ein. Hier der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

seit der Eröffnung des Duisburger Theaters 1912 wurde dort in Kooperationen mit verschiedenen Städten ein fantastisches künstlerisches Angebot geboten. Seit 1956 profitieren die Duisburger Bürger dank des Theater-Kooperationsvertrags mit Düsseldorf von einer international renommierten Oper und einem hoch gelobten Ballett und werden deswegen vielerorts beneidet. Ihr Theater bereichert das Leben der Stadt und ist ein unverzichtbarer Standortfaktor. All dies ist nun gefährdet.

Der finanzielle Aufwand für Ihr Theater hat ja nicht zu der desaströsen Finanzlage Duisburgs geführt. Die Verursacher Ihrer bedrohlichen Situation sind die Entscheidungsträger auf Bundesebene, die Gesetze beschließen, die Sie auf kommunaler Ebene finanzieren müssen. Seien Sie mutig, wehren Sie sich gegen die Verursacher! Sie brauchen eine Lösung, die Ihrer Stadt dauerhaft hilft. Machen Sie es sich nicht leicht und lassen sie es nicht zu, dass sich an den lobbylosen und schwächsten Bereichen, Ihren Kultureinrichtungen, vergriffen wird! Selbst wenn Sie alle Kultureinrichtungen Ihrer Stadt schließen, wäre die Finanzsituation in Ihrer Stadt Duisburg nicht gelöst.

Kürzungen im Theater, die zur Vernichtung von Kunst und Kultur führen, haben für Ihre Stadt verheerende Folgen. Der Deutsche Städtetag warnt in diesem Zusammenhang vor nicht mehr rückgängig zu machendem Schaden:  „Die wirtschaftliche Entwicklung und die Ertragssituation von privatwirtschaftlichen Unternehmen, stabilisiert sich in der Regel nach Krisen. Das gilt aber nicht für die in der Finanzkrise verlorene Kunst und kulturelle Infrastruktur. Im Kulturbereich einmal „abgewickelte“ Einrichtungen und aufgelöste Netze bleiben für die Menschen verloren. Anders ausgedrückt: „Materielle Werte können nach deren Verlust wieder geschaffen werden, immaterielle hingegen nicht“. Eine Zuschussreduzierung des Kulturetats, wie sie jetzt geplant ist, schädigt das kulturelle Leben in Duisburg nachhaltig!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland aus dem Nichts der Wiederaufbau der Theater mit großer Leidenschaft vorangetrieben; das hat die Entwicklung unseres Landes sehr positiv beeinflusst und hatte auch dem Ausland gegenüber eine wichtige Signalwirkung. Unsere Theaterlandschaft wird auf der ganzen Welt als etwas Besonderes angesehen und findet immer mehr Nachahmer.

Sie sind dabei, die Axt an ein unverzichtbares Kulturgut zu legen. Als föderaler Staat darf die Kulturversorgung nicht nur auf temporäre Leuchttürme und Events beschränkt werden! Das Recht auf gleiche Lebensbedingungen, die uns unsere Verfassung garantiert, ist bei den vorgeschlagenen Kürzungen in Duisburg nicht mehr gewährleistet. Kultur ist kein Luxus, sondern eine zwingende Notwendigkeit und eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und die Zukunft unserer Kinder! Gerade eine Stadt wie Duisburg darf auf den sozialen Input kultureller Werte nicht verzichten.

Im Vergleich zu allen anderen Städten der Region ist die Finanzierung des Duisburger Theaters dank der Theaterehe mit Düsseldorf gering. Für nur 10,6 Mio. € kann sich die Duisburger Bevölkerung über ein vielfältiges und hervorragendes Angebot verschiedener Kunstgattungen freuen. Dies haben wir in erste Linie dem besonderen Einsatz und der hohen Kompetenz aller Mitarbeiter dieses Institutes zu verdanken, die mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben.

In dieser Situation fragt es sich doch:

  • Wie soll die Gesellschaft von Morgen in Duisburg aussehen?
  • Welche Prioritäten setzen Sie als verantwortliche Politiker?
  • Welche Orientierungshilfen kultureller Art wollen Sie ihren Bürgerinnen und Bürgern anbieten?
  • Wie soll das Theater mit solchen finanziellen Sorgen planen und erfolgreich sein?
  • Wollen Sie als Totengräber des Theaters in Erinnerung bleiben?

Wir fordern Sie auf, mutig und offensiv für den Stellenwert der Kultur in Ihrer Stadt einzustehen und für den Erhalt ihres Theaters zu kämpfen! Ein klares „JA“ für Ihr Theater wird sich auszahlen! Die letzten 100 Jahre sind ein Beleg dafür. Wir brauchen mehr Kultur und nicht weniger!

Nicht zuletzt: Vergessen Sie nicht, dass die Existenz aller Mitarbeiter des Theaters und deren Familien, die eine wertvolle Aufgabe in unserer Gesellschaft erfüllen, von Ihrem Handeln abhängig ist!

Wir wünschen Ihnen und uns weise Entscheidungen für eine Zukunft, in der kulturelle Werte wieder Bestand haben können.

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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