Jörg Löwer Geschrieben am 22 März, 2010

Demonstration für den Erhalt der TuP in Essen

Ludwig BarnayMehr als 1500 Mitarbeiter/innen der Theater und Philharmonie Essen GmbH, Bürger/innen der Stadt Essen sowie Unterstützer aus dem gesamten Ruhrgebiet (z.B. auch Kollegen vom Schauspiel Bochum oder der Deutschen Oper am Rhein) demonstrierten am 19.03.10 gegen die Sparpläne der Stadtspitze (hier das Demonstrations-Video auf YouTube). Der Betriebsrat der TuP hatte dazu aufgerufen, nachdem schon Protestlisten von mehr als 18000 Unterstützern unterschrieben worden waren. In einem Protestzug liefen Philharmoniker mit Instrumenten, Tänzer/innen, Chorsänger/innen und Schauspieler/innen durch die City, um sich für den Fortbestand ihres erfolgreichen Theaters einzusetzen.

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Die Demonstration startete am Aalto-Theater, am Ende gab es vor dem Rathaus eine Schlusskundgebung. An Zwischenstationen  zeigten Beschäftigte von Schauspiel, Ballett, Oper und Orchester mit künstlerischen Beiträgen ihren Widerstand gegen die Sparpläne.

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Auf der Kundgebung vor dem Grillo Theater hielt TuP-Betriebsrat und Landesvorsitzender der GDBA in NRW, Adil Laraki, folgende Rede:

Adil Laraki Rede vor dem Grillo

Liebe Kulturfreunde, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die letzte Spielzeit war wirtschaftlich die erfolgreichste in der Geschichte unseres Unternehmens: Wir verzeichneten die höchsten Einahmen und Zuschauerzahlen.

In der gleichen Spielzeit – genau vor einem Jahr – hat der Rat unserer Stadt Einsparungsauflagen beschlossen, die für uns bis 2013 4 Mio. € jährlich ausmachen. Alle Parteien hatten den Erhalt aller fünf Sparten versichert und eine Finanzzusage für fünf Jahre garantiert.

Obwohl dieser Ratsbeschluss immer noch gültig ist, verlangt die Stadtspitze mitten auf einer für uns sehr schwierigen Strecke weitere massive Einsparungen, die zusätzlich 10 Mio. € jährlich ausmachen. Die Verantwortlichen weigern sich aber, die Konsequenzen für uns und für die Bürgerinnen und Bürger zu benennen.

Für unsere Stadt, die in der Finanznot ist, müssen wir sparen. Wir wollen und werden auch viel sparen. Wir lassen uns aber nicht kaputtsparen! Wer uns kaputtspart, beschädigt nicht nur unser Theater, sondern auch die ganze Stadt und dies gilt für alle Bereiche, die unsere Stadt lebenswert machen.

Wir lassen nicht zu, dass von überforderten Entscheidungsträgern die seit Jahrzehnten mühsame Theateraufbauarbeit, die weit über die Grenzen hinaus ein hohes Ansehen genießt, über Nacht zerschlagen wird!

Unser Protest heute gilt auch dem Land und dem Bund – beide lassen unsere Kommunen völlig im Stich. Sie gefährden damit unser demokratisches System.

Solange für Verteidigung und Rüstung über 31 Milliarden € Jahr für Jahr ausgegeben werden und für Kultur von Bund, Ländern und Kommunen nur 8 Milliarden €, kann niemand sagen, dass für die Kultur kein Geld mehr da ist!

Für die über 400.000 Menschen allen Alters und aller Sozialgruppen, die Jahr für Jahr unsere drei Häuser aufsuchen und Schauspiel, Oper, Operette, Musical, Ballett und Konzert erleben und genießen möchten, wollen wir unbedingt weiterspielen. Diese Menschen haben das Recht auf Kultur und auf ihr Theater.

Während auf Parteitagen und in Parteiprogrammen das Bekenntnis für Kultur immer breitere Zustimmung findet, begegnet der Kultur vor Ort eine Zerstörungswut in nie zuvor da gewesenem Ausmaß.

Wir Bürger dieser Stadt werden solange das Recht auf Kunst und Kultur verteidigen, bis sich die Verantwortlichen verantwortlich verhalten.

Die Verantwortlichen sitzen im Rathaus. Deshalb gehen wir jetzt entschlossen dorthin und erheben unsere Stimme!

Adil Laraki
Essen, 19.03.2010

Das Medienecho auf die Demonstration war entsprechend groß, DerWesten z.B. berichtet in seinem Artikel „1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne“ darüber und zeigt auch ein Video der Veranstaltung.

Eine Zusammenfassung über die Lage der Kultur in NRW im Jahr der Kulturhauptstadt bietet Stefan Keim auf FR-online.de mit dem Artikel „Früher baute man Kohle ab, heute Kultur“.

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