Jörg Löwer Geschrieben am 1 März, 2010

Demonstration für das Landestheater als solidarisches Zeichen für alle Theaterschaffenden in Schleswig Holstein

Ludwig BarnaySiegfried Jacobs, Obmann des GDBA Lokalverbands Kiel + stellv. Vorsitzender des Landesverbands Nord hat für dieses Blog einen Bericht über die Demonstration für den Erhalt des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters vor dem Kieler Landtag verfasst:

Hier ein Beitrag aus dem Online-Portal der Kieler Nachrichten + hier das Video auf You Tube:

Eine Demonstration für das Landestheater als solidarisches Zeichen für alle Theaterschaffenden in Schleswig Holstein

Mit einem großen Foto des Demonstrationsmarsches für den Erhalt des Landestheaters auf der ersten Seite und einem Artikel unter der Überschrift „Totengräberstunde für das Landestheater“ und einem Kommentar des leitenden Redakteurs für Kultur Christoph Munk widmeten die Kieler Nachrichten den gemeinsamen Aktivitäten des Landestheaters und der Theater Lübeck und Kiel große Aufmerksamkeit. Auch verschiedene Fernsehanstalten waren vertreten.

In Kiel hatten am Tag vorher die Gewerkschaften GDBA, DOV, VdO und VERDI, die Personalräte und die Leitung des Theaters zur Beteiligung an der von den Beschäftigten des Landestheaters organisierten Demonstration vor dem Landtag aufgerufen. Es herrschte große Freude bei allen Beteiligten wegen der beachtlichen Schar von Demonstranten. Es mögen so um die 500 gewesen sein.

Die Versammlung vor den Treppen des Landtages wurde eröffnet aus Wagners Meistersingern mit dem „Wach-auf-Chor“. Mitglieder des Flensburger und Kieler Chores und Bläser des Sinfonieorchesters Flensburg sorgten tongewaltig und mit künstlerischen Mitteln für gespannte Aufmerksamkeit.

Heiko Constien, Personalvertreter des Flensburger Theaters, gab in einer Rede nicht nur ein sehr umfassendes Bild der katastrophalen finanziellen Situation des Landestheaters wider, sondern auch einen Überblick über die landesweite Arbeit und Bedeutung der gesamten Theaterbühnen Schleswig Holsteins. Die Auswirkungen der Anträge der Regierungsparteien zum Einfrieren der FAG-Mittel schilderte er realistisch und deshalb sehr drastisch. Alle Kernaussagen seiner Rede wurden mit lautstarkem Beifall und Rufen begleitet.

Die regierenden Landesvertreter ließen sich zunächst nicht blicken. Es antwortete die Abgeordnete des SSW Frau Sporendonk. Sie erläuterte den Antrag, den GRÜNE, SPD, LINKE und SSW auf der folgenden Sitzung einbringen würden, nämlich die Dynamisierung der FAG-Mittel auf bestimmte Zeit. Auch das wurde mit großem Beifall kommentiert.

Und dann trat tatsächlich der Kultusminister Dr. Ekkehard Klug ans Mikrofon. Er verkündete nur das, was der gemeinsame Antrag von FDP und CDU beinhaltete: keine Angleichung der FAG-Mittel! Dafür erntete er ein anhaltendes Buh- und Pfeifkonzert. Er ließ sich dadurch nicht beirren und versprach bei zukünftigen Gesprächen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auf Zwischenrufe, dass in der Vergangenheit von den Theatern schon erhebliche Sparmaßnahmen umgesetzt wurden, reagierte er nicht.

Noch einmal wurde der „Wach-auf-Chor“ intoniert. Jetzt, nach fast einer Stunde passierte erst mal gar nichts, bis jemand den Vornamen unseres Ministerpräsidenten immer wieder in die Menge rief. Und diesem „Harry-Harry“-Ruf schlossen sich alle an. Man wollte, dass der oberste Chef des Hauses, der ja bisher die Kultur als Chefsache vertreten hatte, sich blicken ließ. Aber der kam nicht, auch nicht als sich der Ruf in ein rhythmisches „Harry, komm doch raus!“ veränderte.

Kurz entschlossen gingen dann alle um den Landtag herum zur Kieler Förde, wo der Landtag einen gläsernen Anbau hat, durch dessen Glasfassade die Parlamentarier gut zu sehen waren. Leider verhinderten Wachpolizisten mit scharfen Hunden den erwünschten Zugang zu den durchsichtigen Fassadenseiten. Aber als dann deutlich Harry Peter Carstensen sichtbar wurde, da erhob sich ein tosender Lärm der sogar durch die schalldämmenden Fenster gedrungen sein muss.

Danach löste sich die Demonstration langsam auf. Das niederschmetternde Ergebnis der Abstimmung wissen wir inzwischen. Aber dennoch werden wir weiter kämpfen. So leicht lassen sich engagierte Kulturschaffende nicht abspeisen.

Siegfried Jacobs
Obmann des GDBA Lokalverbands Kiel + stellv. Vorsitzender des Landesverbands Nord

Demo Kiel

Hier die Rede des Personalvertreters des Flensburger Theaters Heiko Constien:

Resolution vor dem Landtag am 26.02.2010

Vor dem Landeshaus, als Sitz der gewählten Volksvertreter für Schleswig-Holstein stehen besorgte Bürgerinnnen und Bürger unseres Bundeslandes, um auf einen drohenden Abbau einer traditionellen, im Ergebnis gut gewachsenen, erfolgreichen Kultur hinzuweisen. Wir demonstrieren für den Erhalt und den Ausbau dieser identifikationsstiftenden Kultur in Schleswig-Holstein, wie sie im Falle des Schleswig-Holsteinischen LandesTheater seit mehr als 36 Jahren erfolgreich umgesetzt wird.

Das Schleswig-Holsteinische LandesTheater und SinfonieOrchester spielt in über 120 Orten in Schleswig-Holstein ganzjährig abwechslungsreiches, unterhaltsames und überaus erfolgreiches Theater.

Das Schleswig-Holsteinische LandesTheater und SinfonieOrchester trägt damit zum wesentlichen Teil zu einer kulturellen Grundversorgung auf einem hohen Niveau in unserem Bundesland bei.

Wir werden getragen von einer großen Welle der Sympathie und breiten Unterstützung auch der Bevölkerung, unserem Publikum und Förderern, Bürgerinnen und Bürger in Schleswig-Holstein. Innerhalb von 14 Tagen haben sich knapp 30.000 Menschen in die Unterschriftenlisten eingetragen und sich somit für den Erhalt des erfolgreichen Kulturlebens in Schleswig-Holstein und für den Erhalt des LandesTheaters ausgesprochen. Diese überwältigende Zustimmungsbekundung wurde heute morgen dem Landtagspräsidenten, Herrn Torsten Geerdts überreicht, mit dem klaren Auftrag, sich für die Kultur im Landtag einzusetzen.

Die Schauspieler, die Sänger, die Bühnentechniker, die Werkstätten, die Orchestermusiker arbeiten an einem Theater, weil sie ihre Tätigkeiten als eine Berufung sehen und die Kulturarbeit in ihren Augen ein unverzichtbarer gesellschaftlicher Bestandteil unserer Bevölkerung in dem Land der Dichter und Denker ist. Diese Tradition muss an unsere nächste Generation weitergegeben werden können, so wie wir sie von unseren Eltern bekommen haben.

Auch deshalb haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schleswig-Holsteinischen LandesTheaters bereits 2004 bis 2009 mit einem Haustarifvertrag dazu beigetragen, dass die Struktur des LandesTheaters zugunsten unseres wichtigen kulturellen Auftrages für unsere Gesellschaft und Publikum erhalten bleibt.

Klar und eindeutig muss hier gesagt werden, dass die Finanzierungsschwierigkeiten damals wie heute nicht durch Missmanagement der Geschäftsleitung unseres Theaters entstanden sind, sondern durch kontinuierlich, fehlende, öffentliche Einnahmen.

Der Aufsichtsrat und die Geschäftsleitung haben einem Konzept entwickelt, das dafür sorgen soll, das LandesTheater wieder auf finanziell tragende Beine zu stellen. Die Gesellschafter haben sich diesem Konzept mit großer Anstrengung angeschlossen, da sie in ihrer Region die Kraft spüren, die von unserem LandesTheater ausgeht.

Noch in der letzen Aufsichtsratssitzung haben sich die Vertreter eindeutig hinter ihren Beschluss gestellt, das LandesTheater zu erhalten und nachhaltig zu stärken.

Wir appellieren hier und heute an die verantwortlichen Landespolitiker auch ihren Teil des Finanzierungskonzeptes umzusetzen und die Wiederaufnahme der langfristigen Dynamisierung des Vorwegabzugs des FAGs zu beschließen, damit das Konzept aufgehen kann.

Damit sichert und erhält sich das  Land ein funktionierendes und erfolgreiches Kulturleben in und für ganz Schleswig-Holstein, das notwendig ist, um Aufgaben wie Förderung von nachhaltigem Wirtschaftswachstum, Ansiedelung neuer Wirtschaftszweige in Schleswig-Holstein und damit Schaffung neuer Arbeitsplätze, erfolgreich in Angriff zu nehmen.

Mit dem Erhalt und der Sicherung des erfolgreichen Kulturlebens in Schleswig-Holstein durch die geforderte Dynamisierung wird originäre Politik für die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner umgesetzt, für die Ihnen, verehrte Landespolitiker von der Bevölkerung das Vertrauen ausgesprochen wurde.

Nur ein gesundes Kulturleben in einem Bundesland schafft Identifikationswerte für die Bürgerinnen und Bürger und trägt erheblich dazu bei, dass sich die Gesellschaft in Schleswig-Holstein frei entfalten kann.

Dieses muss zum Wohle Schleswig-Holsteins und ihrer Bürgerinnen und Bürger erhalten bleiben.

Schaffen Sie, verehrter Landespolitikerinnen und verehrte Landespolitiker die Voraussetzungen dafür, setzen Sie sich dafür ein und beschließen Sie die Wiedereinführung des Dynamisierung des Vorwegabzugs der FAG- Mittel für den Erhalt der Kultur in Schleswig-Holstein!

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