Jörg Rowohlt Geschrieben am 2 Juli, 2020

Chorsingen in Berlin und anderswo: Verunsicherung verhindern!

Der Berliner Senat hat in seiner jüngsten Infektionsschutzverordnung das Singen in geschlossenen Räumen verboten und unter Strafe gestellt. Das hat nicht nur in Berlin für Verunsicherung gesorgt, sondern auch bundesweit Zweifel gesät.

Die Chöre in Berlin waren gerade zur Probenarbeit zurückgekehrt – mit entsprechenden Hygienevorschriften und Abstandsregeln. Soweit bekannt, gab es dabei keine einzige Infektion. Warum es trotzdem solcher einschneidender Maßnahmen bedurfte, bleibt das Geheimnis der entscheidenden Politikerinnen und Politiker in Berlin. Diese müssen darüber hinaus verstehen, dass ihre Zurücksetzung einer ganzen Berufsgruppe dazu führt, dass sich Chormitglieder auch anderswo fragen, wie verantwortbar ihre Tätigkeit eigentlich ist. Der Berliner Senat selbst hat mit einer Update-Möglichkeit seiner Verordnung Ende Juli die Möglichkeit für Nachbesserungen geschaffen. Davon sollte dringend Gebrauch gemacht werden.

Zur Verunsicherung trägt aber auch bei, dass die umstrittene Verordnung ausschließlich für das Land Berlin gilt – andere Bundesländer haben eigene Vorschriften entsprechend ihrer jeweiligen Corona-Verordnungen.

Bleibt die Frage, warum in Berlin andere Vorsichtsregeln gelten müssen als anderswo. Außerdem bleibt unklar, weshalb etwa für Solisten Ausnahmen gelten sollen und zum Beispiel Duette durchaus gesungen werden dürfen.

Das Corona-Virus lässt sich von Bundesländer-Grenzen nicht beeindrucken. Was in Stuttgart oder München praktikabel ist, kann in Berlin nicht problematisch sein. Wir fordern daher ein einheitliches Verhalten der Bundesländer: Ein Rückschlag für den kulturellen Neuanfang kann nicht die richtige Antwort sein.

Dabei muss klar sein, dass Corona nicht verschwunden ist und weiterhin klare Sicherheits- und Gesundheitsregeln erforderlich bleiben. Ein jüngster Fall am Staatstheater Nürnberg hat das neuerlich deutlich gemacht. Dort sind größere Teile des Ensembles in Quarantäne geschickt worden, nachdem ein Theaterbeschäftigter im häuslichen Umfeld Kontakt mit einem Infizierten hatte.
Allerdings sollte anstelle pauschaler Allgemeinverfügungen auf die Gegebenheiten des einzelnen Theaters oder Opernhauses abgestellt werden. Wichtiger Faktor dabei ist etwa die Kubikmeterzahl des Raumes im Verhältnis zur Zahl der anwesenden Personen. Auch geht es um die konkrete Belüftungstechnik vor Ort.

Der Berliner Senat sollte seine Infektionsschutzverordnung überprüfen.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Kategorien

Archive