Jörg Löwer Geschrieben am 24 Februar, 2011

Bonn packt´s an! – Theater und Ressentiment

Eigentlich sollte man so einer Farce wie der Bürgerbefragung Bonn packt´s an! gar keinen Raum mehr bieten. Denn das Sprichwort „Ehre, wem Ehre gebührt“ trifft auf die Verantwortlichen der  Stadt Bonn definitv nicht zu. In diesem Blog wurde bereits über den missglückten Versuch einer Bürgerbefragung in Lübeck und den eher geglückten Versuch in Solingen berichtet. Auch über die Bürgerbefragung in Aachen wurde hier geschrieben. Die dortige Befragung war einfach ausgestaltet und beschränkte sich auf Verwaltungsvorschläge, die mit einem Kreuzchen bei „stimme zu“ / „stimme nicht zu“ / „weiß nicht“ bewertet werden konnten. Die Befragung fiel pro Theater aus und man ärgert sich über diesen Sturm im Wasserglas. Die nicht repräsentativen Ergebnisse und deren Auswertung sind auf den Seiten der Stadt hier in einem Abschlussbericht nachzulesen.

Der eigentliche Skandal ist das Vorgehen in Bonn. Jeder noch so abseitige Sparvorschlag wurde in die Liste zur Abstimmung aufgenommen und konnte kommentiert/bewertet werden. Folge waren doppelte und dreifache Vorschläge, was in der Gesamtwirkung ein einziges Chaos ergab. Wütende Teilnehmer fingen sogar an, Vorschläge einzustellen, die Geld kosten würden. Auch bei Bonn packt´s an! fiel das Ergebnis zwar eindeutig pro Theater und Kultur aus (hier die Theater-Sparvorschlagsergebnisse). Viel schlimmer ist aber, dass mit der Ausgestaltung der Befragung Raum gegeben wurde für kleingeistige Ressentiments und billigste Stammtischparolen gegen Kultur im Allgemeinen und Theater im Besonderen.

Beispiele für Sparvorschläge und Kommentare der Bürger:

„In Zeiten leerer Kassen sollten sämtliche Institutionen wie z.B. Bonner Oper etc. ausschließlich von privaten Investoren betrieben werden – ganz oben steht das WCB !!! – diese arbeiten in der Regel wenigstens wirtschaftlich – Angebot und Nachfrage werden dann ganz schnell den Markt regeln. Der gemessen an der gesamten Bürgerschaft verschwindend geringe Teil der Bonner Einwohner kann auch durchaus höhere Kosten für sein privates Luxushobby aufbringen. Dies gilt natürlich auch für alle übrigen Dinge, die nur wenige in Anspruch nehmen: u.a. Büchereien, Musikschulen … um nur einige zu nennen. Lediglich elementare Dinge wie Schwimmbäder oder Sportplätze sollten städtisch betrieben und subventioniert werden – das dient immerhin der Gesundheit. Also weg mit allem unnötigen Ballast – man konzentriere sich bitte auf das wesentliche, für das wir mit unseren Steuern und Abgaben als Bürger schon immer aufkommen.“

„Keine öffentliche Gelder mehr an diese Einrichtungen. Wer sich einen Besuch dieser Einrichtungen leisten will, sollte den entsprechenden Preis dafür zahlen. Andere öffentliche Vorführungen (Kino, Zirkus usw.) werden auch nicht gefördert. Man muss diese Einrichtungen als Dienstleister sehen die wie Firmen kostendeckend bzw. gewinnbringend arbeiten müssen.“

„Wer bestimmt denn was Hochkultur ist ! Eine kleine Schicht sich elitär dünkender Menschen, welche sich Ihr „Vergnügen“ von der breiten Masse hochsubventionieren lassen? Wenn man z.B. ins Bonner Kunstmuseum geht überkommt einem das Krausen! Dabei gibt es soviel Schöneres und Gelungeneres. Wieso müssen und mußten Veranstaltungen z.B. von den Beatles, Elvies Presley, Elton Jones oder Kaberetts wie von dem schon erwähnten Hirschhausen und vielen anderen vom Publikum voll bezahlt werden während viel Schwachsinniges und Häßliches als das Non Plus Ultra hingestellt wird? Offenbar gibt es einen neuen Kulturrassismus einer einflußreichen Schicht in unserer Gesellschaft. Schon in der Nazidiktatur hat eine „elitäre“ Schicht bestimmt was entartet sei und was nicht. Heute heißt es „Hochkultur“ die hofiert wird und der „minderwertige“ Rest soll sich selber tragen.“

Alles in originaler Rechtschreibung.

Angesichts solcher Äußerungen sollten Bildungs- und Kulturetat sofort verdoppelt werden…….

Einer der Vorschläge mit der höchsten Zustimmung war übrigens das Abstellen einer Heizung im Treppenhaus eines öffentlichen Gebäudes.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Kategorien

Archive