Jörg Löwer Geschrieben am 30 März, 2012

Appell zur Verteidigung der Kultur: Prominente Künstlerinnen und Künstler der Akademie der Künste beziehen Stellung zur Kulturförderung

Mehr als 50 bekannte KünstlerInnen haben in einer Pressemitteilung der Akademie der Künste einen gemeinsamen „Appell zur Verteidigung der Kultur“ in Deutschland veröffentlicht. Hier der Appell im Wortlaut:

Ausgelöst durch das Pamphlet „Der Kulturinfarkt“ erleben wir gerade einen in den Jahren seit der deutschen Vereinigung beispiellosen Versuch, die Förderung der Kultur durch die öffentliche Hand zu diskreditieren und pauschal als Subvention zu diskriminieren.

Warum verbreitet ein Nachrichtenmagazin eine fahrlässige, von Ungereimtheiten strotzende Polemik als Kampfinstrument gegen eine Gesellschaft, die sich dazu bekennt, Kulturinstitutionen als für unser Gemeinschaftsleben notwendige Errungenschaften zu erhalten und zu verteidigen?

Als später Ausbruch neoliberalen Denkens wird empfohlen, die Hälfte der geförderten Theater, Museen, Archive, Galerien und Bibliotheken zu schließen. Eine Halbierung der kulturellen Infrastruktur – ohne Ansehen deren historischer Verwurzelung in den Städten und Regionen – soll auf rätselhafte Weise dazu dienen, im Wege der Umverteilung die andere Hälfte am Leben zu erhalten.

Danach hätten sich Kunst und Kultur dem Diktat der Quote zu stellen. Gefragt ist Massentaugliches – alles andere erhält keine festen Förderzusagen mehr. Statt „Kultur für alle“ soll die Kultur offenbar wieder zu einem elitären Gut werden.

Die Akademie der Künste protestiert gegen diesen mit klarer Absicht inszenierten Tabubruch, die Grundlagen einer öffentlichen Kulturförderung zu zerstören.
Die Fragen nach notwendigen Strukturveränderungen für eine zukunftsorientierte Kulturpolitik bedürfen einer ernsthaften und verantwortungsbewussten Debatte, die auf breiter Front schon längst im Gange ist. Auf eine alternativlose Kahlschlag-Diskussion werden wir uns nicht einlassen. Sie würde unsere Kulturnation nachhaltig schädigen.“

Bisherige Unterzeichner:
Mario Adorf, Iris Berben, Senta Berger, Eberhard Blum, Lothar Böhme, Volker Braun, Jutta Brückner, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Peter Ensikat, Harun Farocki, Dominik Graf, Günter Grass, Erhard Grosskopf, Monika Hansen, Gert Heidenreich, Birgit Hein, Hans W. Geißendörfer, Jochen Gerz, Reinhild Hoffmann, Nina Hoss, Georg Katzer, Thomas Kessler, Burghart Klaußner, Barbara Klemm, Wolfgang Kohlhaase, Michael Krüger, Hanspeter Kyburz, Helmut Lachenmann, Peter Lilienthal, Luca Lombardi, Dagmar Manzel, Terézia Mora, Isabel Mundry, Olga Neuwirth, Helmut Oehring, Wolfgang Petrick, Christian Petzold, Edgar Reitz, Wolfgang Rihm, Karin Sander, Otto Sander, Helma Sanders-Brahms, Volker Schlöndorff, Dieter Schnebel, Ingo Schulze, Mathias Spahlinger, Tilman Spengler, Klaus Staeck, Johano Strasser, Rosemarie Trockel, Manos Tsangaris, Margarethe von Trotta, Andres Veiel, Michael Verhoeven, Günter Wallraff, Wim Wenders, Walter Zimmermann

Pressekontakt: Anette Schmitt, Tel. 030 20057-1509, schmitt@adk.de

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