Jörg Rowohlt

#ActOut-Manifest

185 lesbische, schwule, bisexuelle, queere, nicht-binäre und trans* Schauspieler*innen haben sich im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 5. Februar geoutet – und fordern mehr Anerkennung in Theater, Film und Fernsehen. Ein bisher einmaliger Schritt, weil er über die individuellen Coming-Outs der letzten Jahre weit hinaus weist und so die Gesellschaft insgesamt voranbringt.
Parallel zur Veröffentlichung in der Presse haben die Künstler*innen ein Manifest #ActOut online gestellt und begründen dort ihren Schritt: „Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten. Noch zu oft haben viele von uns die Erfahrung gemacht, dass ihnen geraten wurde…die eigene sexuelle Orientierung, Identität sowie Gender geheimzuhalten, um unsere Karrieren nicht zu gefährden.“ Geäußert haben sich Schauspieler*innen, die in der Vergangenheit mutig im Alleingang das Coming-out gewagt haben, als auch die, die sich jetzt dafür entscheiden und aus ganz verschiedenen Generationen stammen. Die Autor*innen sind People of Color, Menschen mit Migrationserfahrung und Menschen mit Behinderung – keine homogene Gruppe. Als solche wollen die Autor*innen „nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf.“ Im Gegenteil: „Wir spielen Ehefrauen und Familienväter, Liebende und Staatsleute, Sympathieträger*innen und Ekel. Und häufig auch Figuren, mit deren Überzeugungen wir privat nie übereinkämen. Dabei können wir Mörder*innen spielen, ohne gemordet zu haben. Wir können Leben retten, ohne Medizin zu studieren. Wir können Menschen mit anderen sexuellen Identitäten spielen, als die, die wir leben. Und wir tun es längst, die ganze Zeit schon, weil es unser Beruf ist.“
Wer sich im #ActOut-Manifest äußert, will „Verantwortung übernehmen für ein freies und offenes Zusammenleben und Zusammenarbeiten“ – Solidarisierung mit allen Menschen steht im Vordergrund, die Stereotypisierung und Marginalisierung durch Ableismus und Altersdiskriminierung, Antisemitismus, Klassismus, Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung ausgesetzt sind: „Wir fühlen uns auch mit den Kolleg*innen verbunden, die zu unserem Schritt zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit sind.“

Das komplette Manifest findet sich unter http://act-out.org/

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