Jörg Löwer Geschrieben am 2 Februar, 2012

1. Europäischer Theatertag der Toleranz

Wir hatten bereits auf unserer Facebook-Seite mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass in Ungarn zur Zeit ein Kulturkampf geführt wird. Am 1.2.2012 wurde das „Neue Theater Budapest“ an den rechtsnationalen und rechtsradikalen Intendanten  György Dörner und seinen Dramatiker István Csurka übergeben. Letzterer war Gründer einer rechtsextremen Partei und betreibt heute noch eine Zeitschrift, in der antisemitische, antiziganistische und rassistische Hetzschriften veröffentlicht werden. In Ungarn wurde diese Übergabe eines subventionierten Theaters einer europäischen Hauptstadt durch den Oberbürgermeister im Alleingang initiiert. Gemeinsam haben Markus Kupferblum, C.Bernd Sucher und eine Reihe von Theatermachern und Schauspielern eine Initiative gestartet, die sich gegen die schleichende Akzeptanz von Faschisten im öffentlichen Leben richtet. Die Initiative wird vom  ITI Action Committee for Artist Rights unterstützt (mehr hier).

Deshalb sollte aus Protest in vielen Theatern Europas (Burgtheater Wien, Volkstheater Wien, Schauspielhaus Wien, sämtliche Wiener Mittelbühnen und Kellertheater, Linzer Landestheater, Klagenfurter Stadttheater, sämtliche Theater in Budapest, das Théâtre National in Brüssel, einige Theater in Slovenien, Tschechien, Polen, Finnland, Griechenland, England, Spanien, Frankreich, Deutschland, Belgien und Chile, dann die Université de Paris Nanterre und die Columbia University, New York, die Bayrische Theaterakademie München, die Hochschule für Film und Fernsehen München, das Max Reinhardt Seminar, Wien und das Konservatorium der Stadt Wien) vor der jeweiligen Vorstellung folgendes Memorandum durch einen Schauspieler oder eine Schauspielerin verlesen werden:

Ich verlese ein Memorandum, das heute in den meisten Theatern Europas vor der Vorstellung in der jeweiligen Landessprache verlesen wird:

Heute ist der 1. Februar 2012. An diesem Tag wurde in Budapest eines der bedeutenden Theater der Stadt einem neuen Intendanten übergeben, der mit seinem “ideoligischen Paten”, dem Gründer einer rechtsextremistischen Partei seit vielen Jahren öffentlich rechtsradikales Gedankengut vertritt. Sie publizieren antisemitische, antiziganistische und rassistische Hetzschriften und leiten ab heute ein subventioniertes Theater einer europäischen Hauptstadt.

Das ist ein Tabubruch.

Wir wollen das nicht zum Anlass nehmen, Steine nach Budapest zu werfen, sondern uns in unserem eigenen Land und in unserer unmittelbaren Umgebung für Toleranz, Vielfalt und Solidarität für die Schwächeren einzusetzen.

Wir sind bestürzt darüber, dass in vielen Europäischen Ländern politische Kräfte wirken, die Hass, Verachtung und Neid zwischen den Menschen schüren. Wir wollen mit unserer Theaterarbeit das Trennende in der Gesellschaft überwinden, Neugierde erwecken und die Sinne für gesellschaftliche Wahrheiten schärfen – für das gemeinsame Wohl aller Menschen, den Frieden und die Freiheit in Europa. Sind wir Menschen doch alle frei und gleich an Würde und Rechten geboren, sind wir doch alle Bürger einer Welt.

Heute ist der 1. Februar 2012. Begehen wir heute gemeinsam den 1. “ Europäischen Theatertag der Toleranz“.

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