Jörg Löwer Geschrieben am 18 Dezember, 2009

Vom Bund zur Kommune oder „Den letzten beissen die Hunde“

Ludwig BarnayEs gibt sie also noch – die gute Kulturnachricht: das Bundeskabinett hat die Erhöhung des Etats des Kulturstaatsministers um 17 Millionen Euro (1,5%) auf 1,2 Milliarden Euro beschlossen.

www.kulturrat.de/detail.php?detail=1712&rubrik=2

Dafür sollte man Kulturstaatsminister Neumann sicherlich dankbar sein, schließlich hätte es auch anders kommen können. Es wird ein positives Zeichen gesetzt, das für Theaterschaffende allerdings ein wenig verpufft, da die Theater aus diesem Brunnen nicht schöpfen können. Deren Brunnen liegen – Achtung Metapher – eher in der Sahelzone, nämlich den Kulturetats der Kommunen. Diese Kommunen werden  aber gleichzeitig durch die Steuerpolitik der Bundesregierung ausgetrocknet.

www.welt.de/die-welt/kultur/article5556551/Immer-wieder-Neumann.html

Hierarchisch kommen nach dem Bund die Länder. Vor allem Städte in NRW – Stichwort Wuppertal – wurden in der Presse der letzten Zeit häufiger erwähnt. Da könnte aus der Sahel-Zone schnell die Sahara werden, wenn man liest, dass der Kulturausschuss des Landtags vor allem auf die Verantwortung der Kommunen für die Theaterfinanzierung verweist. Man kann es sich natürlich einfach machen und die Probleme nach unten durchreichen.

www.ad-hoc-news.de/probleme-staatssekretaer-sieht-staedte-wegen-theaterkrise–/de/Kultur/20783951

Womit wir unten angekommen wären. Bei den Kommunen. Und schon wieder gibt es unschöne Beispiele aus NRW. In Köln wird diskutiert, ob man:

– die Oper saniert, das Schauspielhaus abreißt und an anderer Stelle neu aufbaut – bei gleichzeitiger Kürzung der Theaterbudgets
oder
– die Oper saniert, das Schauspielhaus saniert und den gesparten Betrag für das Budget nutzt

Die Kulturverwaltung lehnt Zweiteres ab. Möchte also eine teure Hülle ohne Inhalt lieber als eine funktionierende Hülle mit Füllung.

Beitrag „Kulturpolitik in Köln“ aus der Sendung Kulturzeit. (Anm. d. Verf.: Video ist leider nicht mehr in der Mediathek)

Wenn also von oben kein Regen mehr kommt, kann sich der Kulturschaffende dann nur noch an den Verteilungskämpfen um die letzten Tropfen beteiligen. Ist also Selbstzerfleischung das Ende vom Lied in der Finanzkrise? Der Ruf nach mehr Sponsoring ist in der jetzigen Lage nämlich albern, da gerade Sponsorengeld zuerst wegfällt, wenn alle sparen.

www.neue-oz.de/_archiv/noz_print/feuilleton/2009/12/24235989.html

www.morgenweb.de/service/archiv/artikel/685330903.html

Und wenn dann nichts mehr verteilt werden kann, verweigert der Grosse dem Kleinen den Zugang zum Wasser, indem geltendes Tarifrecht in Frage gestellt wird.

www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/ZWICKAU/ZWICKAU/1644811.html

Einzig Berlin hat wohl eine Oase gefunden, denn dort steigt der Kulturhaushalt 2010. Aber das liegt eher daran, dass die Oase „Hauptstadt“ heißt.

www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article1221539/So-gibt-Berlin-kuenftig-sein-Geld-fuer-Kultur-aus.html

Oder fällt das unter die Rubrik Weihnachtswunder?

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