Jörg Rowohlt Geschrieben am 17 April, 2018

Theater Bonn soll immer weiter sparen – Kulturell belanglose Bundesstadt?

Ohne Verluste an Qualität und Quantität sollte das Theater Bonn jährlich 3,5 Millionen Euro einsparen. Das hatte die Stadtverwaltung gefordert und ein Gutachten bei der Unternehmensberatung actori in Auftrag gegeben. Daraus wird einstweilen aber nichts.

Das Gutachten, das jetzt vorgelegt wurde, kommt nämlich zum gegenteiligen Ergebnis: Es gebe kaum noch Einsparmöglichkeiten, sind die Gutachter überzeugt. Statt dessen müsse sogar erst mal mehr Geld ausgegeben werden, um langfristig mehr Zuschauer und Sponsoren zu gewinnen. Zwar gebe es am Haus noch Optimierungsmöglichkeiten bei Besucherzahlen, Marketing, Sponsoring und Mittelakquise sowie Personal, die aber nur umgesetzt werden könnten, wenn die bereits beschlossenen Zuschusskürzungen – 250.000 Euro ab der Spielzeit 2018/19, die bis zur Spielzeit 2022/23 auf 300 000 Euro ansteigen – zurückgenommen würden und mehr Geld investiert werde. Unterm Strich stünden möglichen Zusatzeinnahmen von jährlich 624.000 Euro einmalige Mehrausgaben von 135.000 Euro sowie laufende Mehrkosten von 250.000 Euro je Spielzeit gegenüber.

„Nirgendwo in ganz Deutschland gibt es solche Diskussionen“, ist Anjara I. Bartz empört, Obfrau der GDBA am Theater Bonn. Ein Bekenntnis zur Kultur, so wie es selbst die Gutachter angemahnt haben, finde nicht statt. In der Tat hatte sich die Bundesstadt schon in den vergangenen Jahren mit ihrem Theater schwer getan: Seit 2013 musste das Haus nach Angaben der Stadt in jeder Spielzeit erhebliche Einsparanstrengungen erbringen. Im Streit darüber mit dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Nimptsch, der auch schon mal die Oper mit dem Kölner Musiktheater fusionieren wollte, verließ Intendant Klaus Weise das Haus.

Das hinderte die Stadtoberen aber keineswegs, ihr Theater erneut auf die Streichliste zu setzen und das Geld anderweitig zu verplanen. Nachdem aus den Kürzungen jetzt nichts werde, berichtet der WDR, komme aus der CDU-Fraktion deshalb der Vorschlag, ab 2023 Qualität und Quantität beim Bonner Theater zu senken und auf diese Weise doch noch Kulturkürzungen zu erreichen. „Wenn Bonn so was macht“, befürchten Insider, „lacht die ganze Welt über uns“ – weil zuvor alle Ressourcen aktiviert werden, um 2020 das Beethovenfest zum 250. Geburtstag des Komponisten zu feiern.

Mit den Theaterkürzungen die Finanzen der Stadt weiter zu konsolidieren, wie es sich die Verwaltung vorstellt, wäre kaum überzeugend: Die Gesamthaushaltssumme der Stadt Bonn pro Jahr beträgt 1,5 Milliarden pro Jahr – eine mögliche Einsparung beim Theater wäre da ein recht kleiner Tropfen auf den gut finanzierten Stein, 2021 will die Stadt einen ausgeglichenen Haushalt erreichen.

Die GDBA hat in einem Brief an den Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan (CDU) gegen die Pläne protestiert. Notwendig sei ein eindeutiges Bekenntnis zum Theater und zu seinen Beschäftigten – zu deren Lasten eventuelle weitere Kürzungen vorhersehbar gehen müssten. In dem Schreiben, das der GDBA-Landesvorsitzende Adil Laraki und die Bonner Obfrau Anjara I. Bartz unterzeichnet haben, wird auch auf die guten Auslastungszahlen von etwa 74 Prozent des Theaters Bonn verwiesen. Auch bei gemeinsamer Betrachtung mit den übrigen im Gutachten genannten Rahmendaten wie Aufwendungen unter dem Durchschnitt vergleichbarer Theater stelle sich grundsätzlich die Frage, welche Ziele die Stadtoberen mit der Kürzungsdebatte verfolgten. Steht womöglich wieder die 2011 aufgebrochene Kulturfeindlichkeit im Raum? Hier sei ein deutliches Wort des Oberbürgermeisters gefragt, dessen Amtsvorgänger sich in dieser Frage nicht mit Ruhm bekleckert habe.

Im übrigen sei die Diskussion selbst bei rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung nicht konsequent: Die vom Land NRW bereitgestellten zusätzlichen Kulturmittel (Bühnengenossenschaft 4/18) sind an die Auflage geknüpft, das die Kommunen ihrerseits die Finanzierung nicht kürzen. Das Theater Bonn wäre dann doppelt bestraft.

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