Jörg Löwer Geschrieben am 8 Januar, 2013

Pressemitteilung des Landesverbandes NRW der GDBA: Unverantwortliche Entlassungen am Paderborner Theater

Die designierte Paderborner Theaterchefin, Katharina Kreuzhage, wechselt fast das gesamte Ensemble aus. Dieses Vorgehen stieß auf die Kritik unseres Landesvorsitzenden aus NRW und des örtlichen Betriebsrates. Auch Teile des Publikums äußerten sich empört. Der Theaterverein „Paderborner Theaterfreunde“ hat inzwischen ein Gespräch mit Frau Kreuzhage geführt und ihr danach den Rücken gestärkt, da die rechtlichen Bedingungen eines Intendantenwechsels laut der örtlichen Presse „auch dem Vorstand der Theaterfreunde bisher nicht bekannt gewesen seien. (…) In Paderborn sei man das allerdings bisher nicht so gewohnt.“ Der Verein lobte nach dem Gespräch das vorgestellte Konzept. Dennoch bleibt der Landesverband NRW der GDBA in einer Pressemitteilung bei seiner kritischen Haltung:

Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger sieht bei den Entlassungen von rund 30 % der gesamten Belegschaft des Paderborner Theaters einen völlig unüblichen Vorgang in der Theaterlandschaft. Üblich ist ein Wechsel von 5 bis 10 % des Personals und Rücksichtnahme auf soziale Härten.

Die neue Intendantin soll durchaus die Möglichkeit bekommen, ihre künstlerischen Ziele umzusetzen. Dazu ist aber kein kompletter Wechsel des Ensembles notwendig und schon gar nicht von so vielen Beschäftigten, die hinter der Bühne wirken. Es ist ein herausragendes Charakteristikum künstlerischer Berufsausübung, sich rasch auf wechselnde Stilformen einstellen zu können. Bei dem Paderborner Theater handelt es sich nicht um einen heruntergewirtschafteten Betrieb, der eine Entlassungswelle in diesem Ausmaß rechtfertigen würde. Die herausragende Leistung aller Beschäftigten, die mit der Eröffnung des Hauses unter Beweis gestellt wurde und durch eine sehr gute Auslastung mit Paderborner Publikum gewürdigt wurde, zeigt wie gut das Theater auf einen Wechsel an der Spitze eingestellt ist.

Gerade jetzt, kurz nach der Eröffnung des Theaters, sollen gewachsene Strukturen auf eine unverantwortliche Weise zerschlagen und die Bedürfnisse des Publikums ignoriert werden. Das kann nicht im Sinne des Paderborner Theaters sein.

Wie soll ein Theater den Zuschauern Werte vermitteln und sich kritisch über gesellschaftliche Entwicklungen äußern, wenn sich seine Leitung nicht sozial gegenüber seinen eigenen Mitarbeitern verhält? Wie können sich die nicht entlassenen Mitarbeiter noch für ein Theater mit einer derartigen Führung engagieren?
Wir erwarten von der designierten Intendantin Frau Kreuzhage, dass sie diese Kritik annimmt und sich damit auseinander setzt. Noch können Korrekturen vorgenommen werden. Dafür sind alle Türen offen.

Wir teilen zwar die Auffassung des Vorstandes des Vereins der „Paderborner Theaterfreunde“ was die beabsichtigte künstlerische Ausrichtung von Frau Kreuzhage angeht, kritisieren aber weiterhin die von ihr entschiedenen, unüblichen Entlassungen in diesem Umfang.

Adil Laraki
GDBA Landesverbandsvorsitzender

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