Grußwort des Präsidenten

Loewer JoergLiebe Besucherinnen, lieber Besucher,

genauso vielfältig wie unsere Mitglieder sind die Seiten der GDBA im Internet. Stöbern sie einfach ein bisschen, sei es in ausgewählten Beiträgen aus der Mitgliederzeitschrift, sei es in unserem Blog oder auch in unseren allgemeinen Informationen.

Wer sich mit diesen Informationen beschäftigt, stellt schnell fest: Damit die GDBA und wir alle aktuelle Theaterkrisen ebenso bewältigen wie die Herausforderungen der Zukunft, braucht es starke Gemeinschaften und Bündnisse. Das gilt im Besonderen für die oft prekären Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich. Die Betroffenen an den Stadt- und Staatstheatern, an den Landesbühnen, aber auch an Theatern der freien Szene oder der Privatwirtschaft benötigen eine starke Gewerkschaft an ihrer Seite – die GDBA kann aber nur noch stärker werden, wenn noch mehr Theaterschaffende bei uns Mitglied werden und sich auch in der GDBA persönlich engagieren.

Der letzte Genossenschaftstag der GDBA im Mai 2017 in Dortmund war – trotz oder wegen der schwierigen Umstände bei der Finanzierung von Theatern und einem daraus resultierenden problematischen Arbeitsumfeld – für viele Delegierte durch spannende Diskussionen und die konstruktive Beratung einer Vielzahl von Anträgen geprägt.

Kunst herzustellen, ist in allen Facetten nichts weniger als eine Berufung. Und es ist unsere Aufgabe als Gewerkschaft und war die des Genossenschaftstages 2017 als ihres höchsten Organs, aus diesen vielen einzelnen inneren Stimmen einen Chor zu formen, den weder Politikerinnen und Politiker noch Arbeitgeberverbände oder Theaterträger und Theatergremien überhören können.

Künstlerinnen und Künstler machen auch aus fast nichts noch einen interessanten Theaterabend. Mut und manchmal auch Durchhaltewillen sind Grundvoraussetzungen einer solchen Künstlerexistenz, sowohl, was die künstlerische Umsetzung betrifft, als auch, was das Leben als Künstler in unserer Gesellschaft angeht.

Theater lebt zwar vom Moment, vom Augenblick, aber unsere Mitglieder zeigen beständig, dass sie allen Widerständen zum Trotz bereit sind, über den Moment hinaus für ihre künstlerischen, wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Interessen einzustehen.

Als Theaterschaffende teilen wir viele Herausforderungen miteinander, weil das Leben eines Künstlers kein einfacher Weg ist. Es ist eine oft prekäre Karriere, die mit unsicheren Arbeitsmöglichkeiten und schwankendem Einkommen einhergeht. Man ist darauf angewiesen, Risiken einzugehen, sich zu verändern und sich neu zu erfinden. Trotz unseres Beitrags zu unserer Kulturlandschaft, zu unserer Gesellschaft und zu unserer Volkswirtschaft sind zu viele von uns gezwungen, unter inakzeptablen Bedingungen zu arbeiten und um die Anerkennung unseres sozialen Status und die Achtung unserer Kernarbeitsrechte zu kämpfen.

Zur Durchsetzung dieser Forderungen braucht es Solidarität. Solidarität muss das Fundament sein, auf dem die GDBA auch künftig gebaut wird. Wir müssen gemeinsam unsere Ideale verfolgen und nur gemeinsam werden wir unsere Ziele erreichen. Die GDBA ist in den letzten vier Jahren kräftig gewachsen – darauf können wir alle stolz sein. Nichtsdestotrotz müssen wir weiterhin besser verstehen, wer wir jetzt sind und wo wir in fünf oder zehn Jahren sein wollen. Wer sind die jungen Theaterschaffenden, die der GDBA beitreten oder beitreten sollen? Wer sind die Theaterschaffenden, die in unserer Vereinigung keinen attraktiven Landeplatz für sich sehen? Eine anspruchsvolle Arbeit, der wir uns stellen müssen und wollen.

Wir würden uns wünschen, dass die öffentliche Hand häufiger statt zu Personalabbau zu Kulturaufbau in der Lage wäre. Wir verlangen von den Parlamenten in Ländern und Kommunen nichts weniger als eine finanzielle Ausstattung der Theater, die angemessene Löhne, Karriere-Chancen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Die Politik würdigt unsere Verdienste und unsere Bedeutung für die Gesellschaft gerne in Sonntagsreden. Wir würden auch gerne die Arbeit von Politikerinnen und Politikern öfter loben, aber dann gebe man uns durch das Montagshandeln auch die Gründe dafür.

Vielerorts haben Abgeordnete und Mandatsträger allerdings erkannt, welche gesellschaftliche Bedeutung das Theater für die Stadt hat und wie viele Kinder durch Theaterinstitutionen betreut und gefördert werden. Aber auch, welche Bedeutung die Theater für die Qualität des Lebens und des Wohnens in unseren Städten haben. Wir respektieren die Rolle der Rechtsträger als Erhalter unserer einzigartigen Theaterlandschaft, erwarten aber im Gegenzug, dass man auch unseren Einsatz in harten und befristeten Jobs wahrnimmt und wertschätzt und uns nicht als freiwillige Leistung am langen Arm verhungern lässt. Woher sollen denn Impulse für ein Mehr an Miteinander kommen, wenn nicht aus Kunst und Kultur? Und unserem Arbeitgeberverband sei gesagt: Unsere Hand ist ausgestreckt für notwendige Entwicklungen in fairer sozialer Partnerschaft. Aber die Fortschritte müssen auch mehr als marginal ausfallen und für die Theaterschaffenden vor Ort erkennbar sein.

Jede einzelne Berufsgruppe in unserem Verband für sich allein wäre zu klein, um entscheidendes Gehör zu finden. Der Zusammenschluss in der GDBA macht die einzelnen Gruppen erst stark. Wenn ich vor vier Jahren von unserer GDBA als starker Gemeinschaft sprach, dann meinte ich nicht nur einen Tarifvertrag. Wir sind stark, weil wir nicht alleine sind.

Jörg Löwer
Präsident der GDBA