Ein großer Teil der GDBA-Mitglieder arbeitet freischaffend ohne dauerhafte feste Anstellung. Das liegt daran, dass die deutschen Theater in den letzten Jahrzehnten zugunsten von kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen immer mehr festes Personal abgebaut haben. Gab es in der Spielzeit 1991/92 nur 6.929 unständig bzw. kurzfristig Beschäftigte, waren es 2009/10 schon 13.214 – eine Steigerung um fast 100 Prozent!

In den wichtigen Entscheidungsgremien der GDBA sind die Freischaffenden hingegen leider unterrepräsentiert. Dies gilt für Landesverbandsversammlungen ebenso wie andere Gremien. So gibt es nicht in allen Landesvorständen Vertreter/innen der Freischaffenden. Dadurch können die speziellen Problemlagen dieser Kolleginnen und Kollegen in der Gewerkschaft nicht ausreichend artikuliert werden.

Auf dem Genossenschaftstag 2009 wurde der Handlungsdruck deutlich. Drei der sechs verabschiedeten Resolutionen beschäftigen sich mit Forderungen, die die Freiberuflichkeit bzw. die drohende (Schein-)Selbständigkeit von Freischaffenden an den deutschen Theatern betreffen:

  • Beibehaltung des Arbeitnehmerstatus bei Gastverträgen;
  • Erfordernis einer tarifvertraglichen Regelung des Gastvertragsrechts;
  • Verhinderung von Sozialabbau durch die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft.

Es gibt hier also einen starken Nachholbedarf.

Sabine Nolde, Landesvorsitzende im Landesverband Nord, und Jörg Löwer, Vertreter der Freischaffenden im Landesverband Nord, haben einen Weg geschaffen, diese Problematik anzugehen. Freischaffende wurden – gemäß des Stimmenanteils den Einzelmitglieder zum Genossenschaftstag einbringen können – zur Landesverbandsversammlung 2011 eingeladen, nachdem in 2010 ein erstes Treffen der Freischaffenden im Landesverband abgehalten worden war. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn dort nahmen die Themen der freischaffenden Kolleginnen und Kollegen einen großen Raum ein.

Aus dieser Erfahrung heraus gründete sich die “Arbeitsgruppe Freischaffende” im LV Nord, die aus sechs Personen besteht und in Hamburg tagt. In den ersten Sitzungen wurden die wichtigsten Themen und Forderungen definiert:

  • Regelung des Gastvertragsrechts im NV Bühne SR Solo mit besonderem Fokus auf Einführung einer Mindestgage bei Gastverträgen;
  • eine ständige Repräsentanz von Freischaffenden in allen wichtigen Gremien der GDBA;
  • eine effektivere Mitgliederwerbung im Bereich der sehr mobilen Gruppe der Freischaffenden.

Nach regelmäßigen Treffen seit Juni 2011 können wir nun stolz erste Ergebnisse präsentieren. Wir haben für die nächste Sitzung des Hauptvorstandes Ende März 2012 konkrete Vorschläge zur Neugestaltung des Gastvertragsrechts entwickelt und hoffen, dass die Tarifkommission diese in die nächsten Tarifverhandlungen mit einbringt.

Wir möchten alle Freischaffenden in der GDBA auffordern, ebenfalls Gruppen in ihren Landesverbänden zu gründen, um so die Interessen der Kolleginnen und Kollegen innerhalb der Gewerkschaft stärker nach vorn zu bringen – Probleme und Handlungsbedarf gibt es in diesem Bereich ja genug.

Für weitere Informationen sowie Hilfestellungen und Rat bei der Gründung und Durchführung wendet Euch bitte an Jörg Löwer (Vertreter der Freischaffenden im Landesverband Nord der GDBA und mittlerweile als Referent in der Hauptgeschäftsstelle tätig) unter: hg[at]buehnengenossenschaft.de

Mitglieder der Arbeitsgruppe Freischaffende im Landesverband Nord:

gez. Sabine Nolde, Opernchorsängerin und Landesvorsitzende
gez. Jörg Löwer, Musicaldarsteller und Vertreter der Freischaffenden im LV Nord
gez. Christoph Huber, Schauspieler und stellv. Vertreter der Freischaffenden im LV Nord
gez. Darlene Ann Dobisch, Opernsängerin
gez. Claudia Reimer, Schauspielerin
gez. Konstanze Ullmer, Schauspielerin und Regisseurin
gez. Sören Fenner, Musicaldarsteller und Gründer von theaterjobs.de